Der Überfall

“Halt! Geld oder Leben!“Wild hallten die Worte durch die nebelverhängte Säulenhalle des Waldes. Drei bärtige Männer. Ein leiser Schrei begleitete den Auftritt, als eine der Mägde ihrer Furcht freien Lauf gab. Weron schnalzte mit der Zunge, zog an den Zügeln seines Wagens und brachte das Gespann etwa einen halben Meter vor der Räuberbande zum Stehen. Sein Knecht brachte den zweiten Wagen etwas lauter und weniger elegant zum Stillstand, aber immerhin gab der Wagen keine verdächtig klirrenden oder rumpelnden Laute von sich. Es musste alles heil geblieben sein. Gut für den Jungen, sonst hätte Weron sich einer der weniger angenehmen Pflichten eines Herrn hingeben müssen und einen Stock über seinen Rücken tanzen lassen.“Zerbo zum Gruße euch an diesem wunderschönen Morgen. Was treibt euch durch den Wald zu so früher Stunde?“ begrüßte er unerschrocken die düsteren Männer, welche sich gewichtig auf ihre Waffen stützten. Unsicherheit erfasste die Gruppe, doch ihr Anführer fasste sich nach kurzem Zaudern und wiederholte inbrunstig die anfängliche Forderung.
“Euer Geld! Her damit! Es will doch keiner hier ein Blutvergießen! Also her mit dem Geld!“
Weron schaute sich skeptisch die Mitglieder der Bande an. Der Anführer war ein robuster, etwas gedrungener Mann, dessen linkes Auge durch eine Augenklappe bedeckt war. Sein Gesicht war über und über bedeckt mit unappetitlich aussehenden Beulen und Warzen, kaum zur Genüge von einem rabenschwarzen Vollbart verdeckt. Er trug abgerissene Lumpen, die früher einmal einem Händler aus dem Süden gehört haben mussten. Seine Füße steckten in braunen Lederstiefeln, aus denen der Griff eines Messers ragte. An seiner Hüfte hing ein abgewetzter Gürtel mit den Überresten einer Krummsäbelscheide, dessen Inhalt sich in der Hand des Anführers befand. Gerade stemmte er den Säbel in die Höhe und legte ihn auf seiner Schulter ab.
Die zweite Gestalt war eines Blickes nicht würdig. Es war einer jener Banditen, denen man überall begegnete. Austauschbar und nicht gefährlicher als ein ausgehungerter Hund. Die dritte Person jedoch weckte seine Aufmerksamkeit. Etwas in der Art, wie diese hoch gewachsene Person die Umgebung musterte, die Situation mit Überlegungen bedachte und sich zeigte war… ungewöhnlich. Der Mann trug ebenfalls einen Bart – scheinbar eine Art Bandenkluft -, hatte ihn jedoch gestutzt und sein Gesicht war um einiges ansehnlicher. Seine Kleider waren weniger bunt als die des Anführers, aber praktikabler. Weron wusste aus eigener Erfahrung, dass die Stoffwickel, die der Mann um seine Arme bedreht hatte durchaus Schutz gaben, sollte man in die Notlage geraten, einen Dolch abwehren zu müssen. Ein Mann der sein Handwerk versteht ging Weron durch den Kopf, als der Räuber sein Schwert ergriff und abwartend in der Hand wog.Ohne sich um die Worte des Anführers zu kümmern, sprach er den riesigen Kerl direkt an.
“Wieviel zahlt er dir? Ein zehnten Teil der Beute? Den Achten?“
Stille kehrte zurück in den Wald, als seine Gegenüber erneut erstarrten, nur unterbrochen vom nervösen Schnauben der Pferde. Dann wurde sie rüde durchbrochen von dem Anführer der Drei, der einen Schritt vortrat und bedrohlich mit seinem Säbel herumfuchtelte.
Was erdreistest du dich?! Ich sagte du sollst uns dein Geld geben! Willst du unbedingt sterben?! Ich sag es nur noch einmal. Her mit dem…“ – „Den Zehnten“ Der Anführer fuhr herum, als der Riese sprach. Dann wirbelte er wieder herum, sein eines Auge funkelte. Weron musste grinsen. “Ich gebe dir den Zehnten Teil meiner Ware, wenn ich sie verkauft habe, sowie Verpflegung und frische Kleidung für die Reise. Wie klingt das?“ – “Bist du vollkommen bescheuert? Meine Männer sind nicht so leicht zu kaufen! Wir sind mehr als nur Söldner! Wir sind eine Fam…“ Blut begleitete die letzten Worte des Mannes, als ihm von hinten ein Schwert durch die Brust gestochen wurde. Unglauben weitete das Auge des Anführers, dann brach sein Blick und er sackte tot zu Boden. Der zweite Räuber schrie angsterfüllt auf, warf seinem Gefährten einen hasserfüllten Blick zu und tat, was von seiner Art zu erwarten war. Er rannte um sein Leben. Weron sah ihm hinterher, bis der Nebel die Umrisse und Geräusche des Räubers verschluckt hatte, dann wandte er sich mit einem Lächeln an den verbliebenen Räuber, der nun sein Wächter war.“Mein Name ist Weron. Willkommen in unserer Familie.“ Und mit einem Blick zu seinem Knecht fügte er noch hinzu: “Siehst du, Junge. Darum brauche ich keine überteuerten Söldner aus der Gilde.“

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