Stille und Schatten

Asche, flackernde Ruinen von Holz und das faulige Licht des Mondes waren seine einzigen Begleiter in dieser Nacht. Seine Gefährten hatten, einer nach dem anderen, in so ferner Vergangenheit ihr Ende gefunden, dass es ihm schien als sei dies jenseits aller Zeit gewesen. Zuletzt hatte Zwietracht die letzten beiden von ihm getragen, ihre Gesichter verzerrte Masken des Hasses. Seitdem war er allein und wartete. Worauf? Er konnte es nicht deuten. Die abgebrochenen Überreste verkohlter Stümpfe markierten ein einsames Reich, in dem ihm lediglich Stille und Schatten Untertan waren.
Er hatte die Zeit schon längst vergessen, versunken in einem Halbtraum dessen Ursprung hinter ihm lag, halb vergessen, halb verdrängt als ein Schleier, dessen Dornen nur hin und wieder stachen.
Zwischen längst verrotteten Möbeln und schimmelnden Abfällen saß er zusammengesunken da und verging sich in seinen Gedanken, deren Anfang und Ende verschwammen und für ihn nicht mehr erkennbar waren.
Schon lange hatte er niemanden mehr gesehen, selbst die Tiere des Waldes mieden seine Lagerstätte als hafte ihr ein Fluch an.
Irgendwann wechselte das fahle Schimmern des Mondes in das dumpfe Licht der Morgendämmerung über und mit ihr kamen schwarze, schwere Wolken.
Müde, ausgezehrt und kraftlos blickte er auf, als die ersten dicken, eiskalten Tropfen seinen Nacken herunter rannen und ihn mit einem prickelnden Schauer in die Wirklichkeit zurückholten. Sein Blick driftete auf die verfallene Mauer, die ihm gegenüber stand und ihm fiel ein kleiner Vogel auf, der sich, ängstlich Schutz suchend, in ein bemoostes Loch drückte.
Während er dem kleinen Geschöpf bei seinen erfolglosen Bemühungen zusah nahm der Regen stetig zu. Und als die schwarzen Wolken alles Tageslicht verbannt und die Tropfen das kleine Feuer gelöscht hatten, konnte man ein leichtes, glückliches Lächeln auf seinem Gesicht sehen.
Danach kehrte Stille ein und lud die Schatten ein in der kalten Leere der modrigen Räume Hof zu halten.

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