Gedankenblüten

Es gibt Phasen in meinem Leben, in denen sich mein Kopf anfühlt, als sei er auf der einen Seite ausgehöhlt und lediglich zur Verwaltung motorischer Leistungen geeignet; auf der anderen Seite aber scheint er mit zentnterschweren Wackersteinen gefüllt, die das fassen von Gedanken erschweren und alles in zehrender, bleierner Schwerfälligkeit und Trägheit ablaufen lassen.

In dieser Phase bin ich gerade nicht.

So wie um mich herum der Frühling das Kreuz an den Sommer abgibt, den Dauerregen ertragen zu müssen, so gebe ich innerlich das Ruder aus der Hand, das krampfhaft versucht der Flut aus Gedanken Herr zu werden… und beginne zu driften.

Viele dieser Gedanken klingen, kaum sind sie in meinem Kopf erblüht, direkt wie der Anfang, die Pointe oder das Ende einer Geschichte. Aber durch die Macht und Vielzahl der Gedanken bin ich wie ein einäugiger, graupelziger Bär inmitten eines Fischschwarms: halb blind schlage ich müde immer und immer wieder in die leere Luft – fast kann ich den Fisch schon in meinem geifernden Maul schmecken – und doch kann ich nur mit viel Glück hoffen, einen der Fische zu erwischen. Und nur mit noch sehr viel mehr Glück kann ich ihn dann auch festhalten und verzehren.

Es kommt mir so vor, als wäre ich ein Baum; verwurzelt in satter, schwarzer und fruchtbarer Erde, breite, ausladende Äste und vielleicht auch ein Eichhörnchenbau oder ein Vogelnest im Geäst.

Oder auch nicht.

Je nachdem wie es beliebt.

Dieser Baum beginnt – ganz wie es seine Natur ist – irgendwann damit Knospen zu bilden, dann Blüten, aus diesen Blüten… aber ich schweife ab und komme vom Ast aufs Stöckchen.

Das Problem ist, dass meine Blüten schon Früchte sein wollen, bevor sie recht erblüht sind. Mein Kopf ist ein Meer flatternder, bunter Blüten, doch sind sie nicht genießbar, nicht verwertbar. Und so sinken sie wieder zurück in dieses Meer wirbelnder Möglichkeiten vor ihrer Zeit.

Aber – um auch einmal positiv zu enden – ich weiss: einige dieser Blüten werden irgendwann wieder auftauchen. Gereift, bereit festgehalten zu werden, saftig und frisch. Schade ist nur, wenn sich die Frucht als wurmstichig, verfault oder überreif herausstellt…

Jetzt habe ich doch nicht positiv geendet.

Mist.

4 Kommentare zu “Gedankenblüten

  1. Ich denke, man muss einfach nur mal an einer Blüte festhalten und sich von den anderen nicht mehr ablenken lassen, dann wird da auch etwas draus.

    Außer sie ist einfach nicht gut. Dann kriegste am Ende nur Scheiße dabei raus. Ist aber auch nicht so tragisch. Das verbuchst du dann unter Kollateralschäden und machst weiter.

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  2. Ich bin mir sicher, wenn die Zeit reif ist, dann erblüht dein Baum in voller Blütenpracht und daraus entstehen saftig, frische Früchte. 😉
    Geduld ist mit das Schwerste im Leben.

    Lieben Gruß
    Ariana

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