Die Reise

Ob es ist wie eine Kerze, die sanft vor sich hin flackernd die gesamte Länge ihres Seins durchbrennt und sich mit stoischer Gelassenheit an Ihrem umwachsten Lebensfaden entlang schmelzt;
Ob es ist wie eine Fackel in stürmischer Nacht, die lodernd in den Wogen ihrer Flammen sich selbst verzehrt, dabei funkensprühend alles um sich herum ansteckt und am Ende in Dunkelheit versichert;
Oder ob es wie eine Feuersbrunst aufflammt, alles um sich herum verbrennt, wütend und brüllend um sich greift, dabei nichts als Schwärze zurücklässt und glimmend verraucht…

Ich weiss es nicht und ich will es – glaube ich – auch nicht wissen.

Auch wenn mein Kopf immer wieder beginnt, genauer darüber zu grübeln, ob ich erreicht habe was ich kann und will, was ich als Außenstehender über mich selbst sagen würde..
Es ist in solchen Augenblicken, wenn ich ganz außerhalb meines Kopfes stehe auf mich selbst schaue, dass ich meinen Blick verlieren kann. Eben noch schwebe ich über mir, ein Schatten meines Ichs, umgeben von Gedanken und erfüllt von Klarheit, plötzlich zieht sich das Gewölk der Gedanken zusammen und ich verliere mich aus den Augen, erfüllt von der Ratlosigkeit, wo, wer und warum ich bin.
Was mich, nachdem mir das nun doch einige Male widerfahren ist, sich damit die panische Angst etwas gelegt und die fieberhafte Suche nach mir ein wenig in Routine verwandelt hat, was mich also nun am meisten bewegt, ist die Wertung dieser, wenn man es so nennen will, Seinszustände.

Ich fahre aus meiner Haut, wie der Volksmund so schön sagt; nicht etwa aus Wut, aber doch aus der Unzufriedenheit mit mir selbst, der Kritik an meinen momentanen Handlungen, Arten, Gedanken und ich schlüpfe in die Rolle eines Betrachters. Meines – möglichst objektiv gearteten – Betrachters, was um so paradoxer erscheint, als ich ja letzten Endes immer noch ich selbst zu sein suche. Und an jenem Punkt, an dem ich aufhöre ein Teil meines Selbst zu werden, verliere ich den Gegenstand der Betrachtung aus den Augen, womit ich den Sinn der Ablösung ad absurdum führe.

Ob es der zunehmenden Übung geschuldet ist, oder einfach der nachträglichen Analyse, so fällt doch auf, dass es in jenen Phasen der Ablösung auf der anderen Seite zu einer verstärken Betrachtung und damit Bindung in mir beziehungsweise an mich kommt. Schwerfälligkeit und Lethargie sind stets getreue Begleiter des Prozesses, so wie eine Nacht ohne Sterne nicht viel mehr als ein Dunkel ist. So unwirklich es einem vorkommt, so versucht mein Geist dennoch stets beides gleichzeitig zu sein: Der nach innen gekehrte Lauschende und der außen stehende Beobachtende. Eventuell ist das ein, wenn nicht DER Grund, warum mich in der gesamten Weile einerseits Zerrissenheit und andererseits Lähmung plagt.

Ungeachtet all dieser Überlegungen ist mir jedoch vor allem eines – sehr schmerzlich – bewusst: Auch wenn es meinen Geist und mein Handeln immer wieder dazu treibt, sich aus mir selbst herauszuwinden, sich vom Jetzt ins Gewesene und Reflektierende wandelt, so ist es im Ende kein rein guter, positiver Effekt der zurückbleibt. Was letzten Endes in meinem – wenn man so sagen will – geschulten Geist verbleibt und mir den Mund verklebt ist nicht die gewonnene Selbsterkenntnis, es ist das Gefühl, neben meinem Leben zu stehen und dabei zuzuschauen, wie ein fremdes Wesen mein Leben verrichtet während ich selbst keinen Einfluss nehmen kann.

Zwei Blickpunkte für ein Sein.

Schlimmer noch, wenn ich aus den Tiefen meiner Betrachtungen auftauche und ich mich immer noch als unbeteiligten Baustein meines Lebens erkenne. So, ratlos vor – oder treffender neben mir – stehend, erfasst mich eine Starrheit und Kälte und ich sinke wieder in die Dunkelheit in mir.

Ob dieses Auf und Ab endet;
Ob ich es durch die Erkenntnis meiner Selbstbetrachtung eigens verursache;
oder ob ich in einer endlosen Reise gefangen bin…

Ich weiss es nicht und ich will es – glaube ich – auch nicht wissen.

6 Kommentare zu “Die Reise

  1. Die dunkle Nacht der Seele kann einen schnell einholen.
    Starre, Lähmung kenne ich von mir, wenn ich sozusagen mich ‘selbst‘ unterdrücke,
    wenn ich mich nicht ‘selbst‘ lebe, wenn ich nicht herauslasse, was in mir ist, dann habe ich das Gefühl, an mir selbst vorbei zu leben.
    Zerrissenheit kenne ich von mir, wenn ich mich nicht entscheiden kann, wenn ich etwas möchte, spüre, dass es für mich wichtig wäre, dieses oder jenes zu tun, diesen oder jenen Weg zu gehen und es dann doch nicht tue, weil mir mein Gewissen/Kopf/Verstand etwas anderes einreden will oder aus Rücksichtnahme, wie auch immer. Wobei ich mich dann jedesmal frage, ob ‘mein Gewissen‘ wirklich mein Gewissen ist oder nicht eher, dass was mir anerzogen wurde, meine Konditionierung usw..

    Gefällt mir

  2. Ich finde diesen Text sehr spannend, weil er so bildhaft und stark beschreibt, wie du dich in diesen Momenten bzw. generell fühlst und gleichzeitig die eher rationalen Aspekte dieses Gefühls erläuterst…

    Ich halte es generell für problematisch, dass man, wenn man sich selbst sucht, dieses Bild von sich hat, dem man entsprechen sollte. Um herauszufinden wie nahe man diesem Bild ist, oder wie weit man von ihm entfernt ist, geht man aus sich heraus und versucht sich so zu sehen, wie andere einen sehen würden. Das zeigt ja deutlich, dass es einem eigentlich darum geht, wie man wirkt … du suchst das Objektive.
    Aber wieso? Du suchst nach dir. Ich glaube, selbst wenn du dich selbst objektiv gefunden hast, kannst du damit nicht einfach so zufrieden sein.

    Man muss vielleicht eher mit sich selbst eins bleiben.

    Was aber schwierig wird, wenn man, wie du schreibst, zwei Blickpunkte für ein Sein hat.

    Aber vielleicht muss man gar nicht alles wissen, wenn ich auch glaube, dass du es eigentlich schön möchtest.

    Liebe Grüße

    Gefällt mir

    • Einem Bild zu entsprechen, dass man sich erhofft ist Teil von Identitätsbildung. Aber auch das Vermögen, sich selbst zu sehen und zu akzeptieren wie man jetzt und gerade ist.

      Der Text ist in etwa ein Jahr alt und, vielleicht merkt man es dem Text an, in sehr dunkler laume geschrieben. Heute sehe ich die Dinge ein wenig anders, beziehungsweise sehe dort wo der Text stehen bleibt noch Wege.
      Darum der Drang den Text zu verändern^^

      Gefällt mir

      • Ich kenne diesen Drang, Texte zu verändern. Hab ihn mir aber mittlerweile abgewöhnt. Oder bilde es mir zumindest ein ^^
        Dabei ist es eigentlich sehr spannend, wenn man die Unterschiede zur Gegenwart wahrnimmt, wie man sich weiterentwickelt (oder manchmal vielleicht auch zurück) oder wie sich vielleicht nichts verändert hat, sondern der Blickwinkel anders ist.

        Inwiefern hast du diesen Text denn verändert? Falls du das hier preisgeben magst 😉

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s