Hektischer, frenetischer, dummer Zeiger

Da sitzt einer, der weiss noch nicht mal wo er sich hinschreibt. Und er schreibt. Musik umgibt ihn wie eine Decke, die Aussenwelt zum größten Teil aussperrend.
Da sitzt einer, der weiss noch nicht mal wo er sich hindenkt. Und er schreibt. Schreibt und schreibt, ganz als wäre es eine Erlösung von den Gedanken.
Da sitzt einer, der weiss noch nicht einmal was er sagen will. Und er schreibt. Auch wenn sein „nicht“ immer zu einem „nciht“ wird, ganz so als wolle das Wort nciht sein.
Da sitzt einer, der weiss noch nicht mal was er will. Und er schreibt.

Das Blinken des „Hier bist du gerade und da kommt der nächste Buchstabe hin“ Zeigers ist, wo ich dumpf brütend vor dem Text sitze und auf weitere Worte warte, echt nervig. Sitzt da am Ende des Textes, vor sich hinblinkend, stoisch, penetrant und unaufhaltsam. Jedes Mal wenn er wieder auftaucht, schreit er mich an, fast so als wolle er mir sagen: „JETZT! WEITER! GOGOGOGO! WARUM MACHST DU NIX! WIR HABEN DOCH KEINE ZEIT!“ Hektischer, frenetischer, dummer Zeiger.

Was weisst du schon vom Denken. Konzipiert einzig und allein für einen Zweck, den auszufüllen dir zu jedem Zeitpunkt deines kleinen kümmerlichen Darseins zu 120% gelingt.
Was weisst du schon vom Druck der Hektik und der zwanghaften Neurose eines ständig rotierenden Gedankenstrudels.
Was weisst du schon von der Zeit und der zwingenden Freiheit diese zu haben und sich einzuteilen, ganz wie es dir beliebt.Was weisst du schon, der du vor sich hin blinkst.

Wie ich so über dieses Blinken meckere, amüsiere ich mich über mich selbst. Einen kleinen sinnlosen Strich auf dem Bildschirm meines Computers als Objekt meiner Aufmerksamkeit zu machen ist doch… interessant. Warum das geschieht, warum die Gedanken sich darauf konzentrieren, warum ich überhaupt angefangen habe zu schreiben um dann wie ein sabbernder Trottel vor der Scheibe zu sitzen… noch interessanter. Dass die Musik aus gegangen ist und der Lärm der Straße eindringt in mein kleines Reich, dass die Musik aus ist und ich zu faul bin sie wieder anzustellen, dass die Musik aus ist und ich anfange zu singen aber gleich wieder verstumme… verstörend.

Da sitzt einer, legt den Kopf schief. Zweifelnd auf sein Werk schauend, leicht die Unterlippe kauend.
Was weisst du schon von Qualitäten und Konzepten die dazu verdammt sind zu scheitern, so wie alles verdammt sein will.Da sitzt einer, der legt den Kopf schief. Lächelnd, den Kopf schüttelnd, innerlich.
Was weisst du schon von Zielen und dem langen Weg den zu gehen du dich weigerst, als ob du ihn umgehen könntest.

Was weisst er schon vom schreiben. Und er schreibt.

2 Kommentare zu “Hektischer, frenetischer, dummer Zeiger

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