Nach innen

Ich schließe die Augen, meine Reise beginnt.
Ich schließe die Augen und horche in mich hinein.

Doch wo beginnt meine Reise?

Sind die Augen geschlossen, herrscht keine Dunkelheit. Fahles, gedämpftes Licht dringt durch meine Augenlider und blendet mich sogar dort. Doch wenn ich warte, wird dieses Licht schwächer, bilden sich vor meinen Augen Bilder aus Licht und Schatten – einzig gefärbt durch die seltsame Struktur der Dunkelheit meiner Augenlider – die sich in einem wirbelnden, verschwommenen Tanz ergehen und mich ablenken.

Wohin soll meine Reise denn gehen?

Ich horche in mich hinein, Musik umgibt mich. Ebenso der Lärm der Menschen um mich herum. Gespräche werden klarer. Fetzen der Themen bedecken meinen Kopf, bilden eine immer dichere und weichere Decke und je mehr es auf mich eintönt, desto undeutlicher werden die Einzelheiten. So, gebettet unter einem wohligen Mantel ungezählter Satz-, Lärm- und Musikfetzen beginne ich der Stille zu lauschen. Blut rauscht in meinen Ohren, vermischt sich mit den Schatten vor meinen Augen und beginnt meinen Körper in einen einzigen, rauschenden, wirbelnden Gedanken zu verwandeln.
Während ich in mich hineinschaue und -horche, beginnen in meinem Kopf Stimmen klar und laut miteinander zu diskutieren. Ein Gedankengang jagt den nächsten, wird brüsk unterbrochen und verteidigt sich noch im Fallen gegen die Vorwürfe anderer Stimmen. Mein Kopf wir ein großes, blutiges Schlachtfeld, auf dem grenzenloser Lärm herrscht. Der Kampf geht so lange weiter, bis alle Gedanken ausgeschaltet sind und nur ein einziger siegreich besteht. Dieser beginnt jedoch sofort, sich selbst in Frage zu stellen,sich zu kritisieren und seinem eigenen Schwanz hinterherzujagen, um sich schlussendlich wieder selbst gegenüber zu stehen.

So beginnt meine Reise.

Meine Augen betrachten einen wirbelnden Tank, meine Ohren spielen dazu einen munteren Reigen, während meine Gedanken in ewiger Selbstbeschäftigung verharren. Es ist immer dann, dass ich meinen Körper als eine leere Hülle empfinde. Mein Kopf, noch immer in seinem bunten Theaterstück gefangen, ruht auf einer fleischigen, nuzlosen Masse und ich hier finde ich, inmitten dieser Falten, Muskeln und Haare, endlich das Ziel meiner Reise.
Ich tauche ab in meinen Köper, weg von dem Lärm, weg von den Farben, weg von allem. Ich durchbreche die eiskalte, erfrischende Oberfläche der Stille und tauche so tief ich es vermag. Endlich verblasst alles um mich herum. Endlich rinnen die letzten störenden Einflüsse wie Perlen aus mir heraus und steigen nach oben; fort von mir. In der Stille schwebe ich unbewegt, unberührt.
Es ist ein einziger, kurzer und kostbarer Moment, soviel ist mir stets klar. Für mich ist es aber auch eine kleine, wunderbare und perfekte Ewigkeit.

Stille.Ruhe.
Friede.
In mir.
Mit mir.

Aber dann höre ich eine kleinen, kurzen Ton. Wieder und wieder, bis mein Geist darauf zuschwebt, er lauter wird und bald schon mein ganzes Sein umfasst. Ich erkenne mein schlagendes Herz und mit der Erkenntnis sehe ich es vor mir. Unbeirrt, ewig präsent schlägt es vor sich hin und ich sehe, wie es Leben in meinen Körper pumpt. Ich beobachte das Spiel der Muskeln und verfolge das pulsieren der Adern. Weiter und weiter führen die Adern, hinauf in weite Ferne. Während ich schaue und versuche das Ende zu erkennen, schwimme ich den Adern hinterher, zurück nach oben. Und ehe ich mich versehe, tauche ich aus der Stille auf.
Mein Geist saugt gierig den Lärm, die Farben, alles um mich herum auf und ich kehre zurück in meine Umgebung.

Meine Reise ist zuende.
Ich bin ruhig.

2 Kommentare zu “Nach innen

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