Tiefpunktmenschen

Gerade jetzt wieder erkenne ich in mir jemand, dessen einzige Stärke darin zu bestehen scheint, einen Tiefpunkt zu erreichen und dann endlich die Dinge zu ändern, die mich herabgezogen haben.
Aber da ich unzufrieden mit diesem Anfang bin, fange ich noch einmal von vorne an.

Immer wenn ich denke: „jetzt bist du ganz unten, nichts bekommst du geregelt und deinem Leben kannst du eigentlich schon Tschüß sagen.“ Kommt von irgendwo her die Energie, einen Schritt weiter zu gehen.
Doch auch hier gefällt mir etwas nicht. Also noch einmal.

Ich … nein, anders…

Menschen an sich… auch so nicht…

So sitze ich nun vor diesem Text, die Pointe im Kopf, auch den Text und erhänge mich am Anfang. In meinem Leben ist das oft so. Mein Kopf erkennt die Lösung, meist sogar das Problem und die Regungen die mich behindern. Und doch fehlt immer etwas, hält mich etwas ab. Oft bleibte ich eine Antwort auf die Frage: „Was genau hält dich denn nun davon ab, dass kurz zu regeln?“ schuldig. In meinem Kopf ist dann nicht mehr als ein klares und deutliches: „Keine Ahnung. Es gibt keinen logischen Grund“.

Diese Unschlüssigkeit, dieses ‚Ohne Antwort sein‘ dauert meist eine ganze Weile an und steigert sich selbst immer mehr. Denn je mehr ich eine Antwort schuldig bleibe, häufen sich in mir die Antworten dazu, warum es eigentlich NICHT mehr ein Problem sein sollte. Denn die Antworten auf alle Einwände, die ich selbst mir bringen könnte, sind bereits gegeben.  So strauchele und falle ich meist in immer schnellerem Tempo auf einen Boden zu, den ich selbst schon vor langer Zeit gesehen habe und kenne. Und so wird aus einem anfänglichen seichten Bergab irgendwann eine haltlose Raserei, ein wütendes Abstürzen und unkontrollierbares Leiden.

„Die Kunst des Fliegens ist es, zu fallen und dabei den Boden zu verfehlen.“ So in etwa hat es Douglas Adams in seinen genialen Büchern zu „Per Anhalter durch die Galaxis“ formuliert. Was er als lustiges, bizarres Element verwendet, um seinen Hauptcharakter aus einer der sehr wilden und abstrusen Situationen zu retten, in denen Rettung unwirklich erscheint, ist für mich allerdings Wirklichkeit.

Ungebremst stürze ich auf diesen Boden zu, zähle derweil den Countdown bis zum Aufschlag und irgendwo zwischen „Eins“ und „Null“… verfehle ich den Boden. Ok, ich fliege danach nicht unbedingt, sondern krabbele mehr wie eine sehr große Spinne über den Boden… Aber ich schlage nicht auf. Der Zeitpunkt in dem dies geschieht wird irgendwie… übergangen.

Irgendwie sollte mir das eine Gelassenheit bescheren, oder doch zumindest eine Sicherheit, was mein Leben angeht. Vielleicht ist dem auch so. Doch was mir dabei Sorgen macht ist eher die Überlegung, dass der Fall zu meinem Freund wird. Sehne ich den Punkt herbei, an dem ich ganz unten bin? Wie viele dieser Nahezubruchlandungen kann ich herausfordern ohne irgendwann einmal doch den Boden zu treffen.

Es ist schwierig, zu unterscheiden, ob der Sturz der Ohnmacht geschuldet ist, oder einer abstrusen, perversen Liebe dieses Sogs. Die Unterscheidung fällt mir hier, wie so oft bei Dingen die mich selbst betreffen, schwer. Wahrscheinlich is es ein wenig von beidem. Doch es lässt mich zu einer recht ernüchternden Erkenntnis kommen:

Ich bin ein Tiefpunktmensch.
Es muss für mich der Punkt kommen, an dem ich mich total klein und schwach fühle, mein Leben nahezu einen Totalabsturz erleidet bis ich mich weiterschieben kann.

Das mag nicht immer so sein. Es gibt auch Phasen, in denen ich ohne weiteres die Probleme meines Lebens hinter mich bringe. Doch dieser Tiefpunktmensch bleibt in mir drin, lauert irgendwo und bei allem Mut und aller Kraft, die ich doch meine zu haben… er bekommt seine Spielzeiten. Immer wieder.

Nachtrag: Kurz nach beenden des Beitrags über das hier gestolpert….

I can’t say if it’s real
That you’re laying here with me
It feels so good … this can’t be you
No … this is something new
A hoax, a silly joke or just a lie

I don’t know if this is true
Or just another dream of you
I can’t forget
I know that this sounds mad
But not as mad as anything you say

Being me … is everthing I’ve got
Being me … is everythig that stays
When everybody else will fail …

And if it’s real what did it take
Just to get here to this place?
I gave so much … I cannot say
And now i ask myself
What it might be this time … just to stay

And if it’s true, what is it worth?
All these years and all the hurting … all the pain …
Is it worth to hate …
I couldn’t help to grow inside myself?

Being me … is everthing I’ve got
Being me … is everythig that stays
When everybody else will fail …

Being me … being myself …
Indeed I’ve learnd my lesson well …
Being me … Being myself
At least not anybody else …

2 Kommentare zu “Tiefpunktmenschen

  1. Du bist nur ein Tiefpunktmensch, wenn du einer sein willst.
    Wir haben zu jedem einzelnen Augenblick im Leben die Entscheidung darüber wer wir sind und wie unser Leben verläuft.
    An sich selbst glauben, muss man dabei.

    Und meistens braucht man sehr viel Mut.

    Wenn du akzeptieren kannst, dass du ein Tiefpunktmensch bist, dann bist du ebenso dazu in der Lage dich zu entscheiden Hochkommamensch zu sein.

    Fragt sich nur was du wirklich willst.

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    • Ja, das Frage ich mich. Das ist diese sucht von der ich spreche. Auch Frage ich mich, ob ich immer die Entscheidungsmacht habe. Es fühlt sich manchmal anders an.

      Hochkommamensch. Tihi.

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