Nur ein grauer Himmel

Ich liege auf dem Rücken im sterbenden Gras eines schneelosen, tristen Wintertages und schaue in den grauen, eiligen Himmel. Es ist einer jener Tage, an denen es leicht fällt, sich seine Stimmung bildlich vorzustellen. Denn sie umgibt einen unmittelbar.

Der Winter, der nicht wirklich einer sein kann oder will und lediglich halbherzig versucht sein Programm durchzuziehen.
Der Himmel, zielstrebig einem Ziel hinterherhetzend, von dem er eigentlich nicht einmal weiß welches es ist.
Das allgegenwärtige Grau, das der Welt einen surrealen Film-Noir-Hauch gibt und nur einzelne Farben als Kunstelement zulässt.
Und ich – mittendrin – auf dem Köpfen des sterbenden Grases.

Er wiegt ja nicht besonders viel.
Zumindest nicht gemessen an seiner Größe und im Unterschied zu anderen seiner Art.
Aber ein wenig unbequem ist es dann doch schon.
Eigentlich habe ich auch überhaupt keinen Kopf für so etwas.
Ich sterbe.
Langsam nur, nicht heute und wahrscheinlich auch nicht bald.
Es ist ein unentrinnbares Verwesen.
Ein stetiger Niedergang, von nichts und niemand aufgehalten, unterstützt oder überhaupt bemerkt.
Der Tod macht mir keine Angst.
Nicht mehr.
Zuerst vielleicht, aber nach einer Weile gewöhnt man sich ja an alles.
Die Gewissheit des Sterbens ist, nach einem ersten verstörenden Schock, für mich ein Trost.
All mein Streben, meine Wünsche und meine Gedanken bekommen mittlerweile einen klar zu erfassenden Rahmen.
Fragen nach dem Leben und nach dem Tod stelle ich mir nicht.
Ich bin nicht gefangen von dem was irgendwann nicht mehr ist, sondern lebe in dem was ich gestalten kann.
Und auch wenn ich zugrunde gehe – unbeachtet bis es zu spät sein wird – so ist mir doch die Zeit und die Kraft gegeben in dieser Zeit zu schaffen.
Denn noch ist meine Zeit nicht gekommen.
Nicht in einem derart mickrigen Versuch eines Winters.
Nicht durch dieses schwere Ding auf meinen Schultern.
Ich lebe – Bis zu meinem Ende – auch wenn mich die Würmer zerlöchern.

Grabengrabengraben obs nun schmeckt bei so nem kränklichen Boden oder nicht ist egal einfach weiterweiterimmerheiter und das Ganze dabei wieder ausscheissen um weiter zu grabengrabengraben dabei ist es doch kein Leben wenn man einfach nur so gräbtundgräbtundgräbt ohne ein Ziel vor sich zu haben und immer weiter ins Ungewisse kringeltringelttingelt als ob es kein Morgen gäbe oder man fliehtfliehtimmerweiterzieht immer der Nase nach und dabei grabengrabengraben ob nun nach obenuntenlinksrechts ist auch egal solang es nur nicht die Oberfläche ist, sonst ist man ganz schnell

„FUTTER!“ Schnell wie es nur ein junger Spatz sein kann, hat sich Knut den kleinen Kriecher geschnappt und Ute stürzt hinter ihm her, eifrig piepend und keifend. „GIB MIR AUCH WAS!“ zetert sie, während Knut feixend vor ihr weghüpft, den Schnabel mal links, mal rechts schleudernd „MHMHMPF“ lachend und sich im Kreise drehend. Sie verpasst ihm mit ihrem Flügel eine Schelle, und mit einem „MHAAU“ fällt der Kriecher aus seinem Schnabel, Ute schnappt zu, schmeisst ihn in die Luft und schlingt ihn mit einem Haps runter. „UNFAIR!“ schreit Knut und flattert federnstiebend davon

Hinauf in die Luft.
Höher.
Der schlafende Riese wird klein und kleiner.
Höher.
Die sterbende Wiese wird klein und kleiner.
Höher.
Wind verfängt sich in seinem Gefieder und er fühlt sich frei.
Höher.

Sorgen haben im Spiel der Vögel keinen Platz. Er hat bestimmt schon vergessen, warum er sich gerade eben noch so aufgeregt hat. Aber darum sind sie ihm auch so lieb. Diese kleinen Viecher die sich so wild in seinen Armen tummeln und sich wahrlich darauf verstehen, ihm zuzuhören. Ihn wirklich fühlen. Ihm ist so viel begegnet auf seinen Reisen, doch immer und überall sind ihm die Kleinen die liebsten. Gewiss, das majestätische Gleiten der Großen hat für ihn auch etwas. Doch es ist behäbig. Zu stolz. Irgendwie abgenutzt. Die Kleinen hingegen sind stetig unverbraucht. Immer flink, fließend und vor allem – das ist ihm am liebsten – immer anders. Stetigkeit ist ihm noch nie bekommen. Ihm stand der Sinn meist nach Spontanität. Nach Neuem. und nun steht ihm der Sinn nach ein wenig Musik.

„Müd‘.
Was’n das für’n Pfeif’n.
Hrm.
Sohn’mann hat Tür nich‘ gut zu g’macht.
Werd’ch ‚hn schimpf’n.
Aba nich‘ jetz‘.
Jetz‘ müd‘.
‚m Frühling.
V’leich‘.
Jetz‘ schlaf’n!“
Dachte er sich, als er kurz aufwachte,
sich umdrehte
und wieder in das dumpfe Reich seiner Träume abglitt.
Den Eingang verschloß er
kurzerhand
mit seinem pelzigen Rücken.

Ich liege auf dem Rücken im sterbenden Gras eines schneelosen, tristen Wintertages und wache auf. Es ist einer jener Tage, an denen es leicht fällt, sich seine Stimmung bildlich vorzustellen. Denn ich erlebe sie unmittelbar.

Der Winter, mild genug mich in seinen Armen schlafen zu lassen und mit seiner ärgsten Kälte zu verschonen.
Der Himmel, klar und heiter, mit spielerischer Eleganz die Welt umspannend.
Das allgegenwärtige Grau, welches die Zeit auslöscht und dem Tag eine beruhigende Unbestimmtheit gibt.
Und ich – mittendrin – auf den Köpfen dessen was einmal ein frischer neuer Rasen werden wird.

2 Kommentare zu “Nur ein grauer Himmel

  1. Tagträume, Fantasiereisen, Gedanken vorbei ziehen lassen wie die Wolken am Himmel..hat was von ‚Seele baumeln lassen‘, dem tristen Grau entfliehen, den Sorgen und der Bedrückung entkommen…Leichtigkeit für einen Moment..alles kommt, alles vergeht, mal fliegen wir in den Himmel, mal landen wir auf dem Boden..das ewige Spiel des Lebens..und wir mittendrin.:)

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    • Und was wenn es nur ein Traum ist? Wenn wir der Wurm sind, der davon träumt zu fliegen, ein Mensch zu sein oder mit dem Wind zu reiten?
      DieGeschichte hat eine andere Wendung genommen als sie es sollte. Aber auch nett. 🙂

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