Orte der Kindheit

Es ist einsam hier, am Ort meiner Kindheit. Einsam, still und leise; fast totenstill.
Seit ich hier bin, sehe ich meinen Träumen bei einer verstörenden Entwicklung zu. Personen aus längst vergessen gelernten Zeiten tauchen auf und halten mir Predigen zu längst überwunden geredeten Themen. Und während ich aufwache habe ich noch das seltsamerweise wohlige, saftige Gefühl der nachgebenden Schädelplatte der Person… ich glaube sie hieß Susanne…, die mir einen -mittlerweile natürlich bereits wieder verdrängem – Sachverhalt nicht erklären konnte, in den Fingern und ertappe mein Gesicht bei einem hämischem Grinsen.

Was ist es, an diesem Ort meiner Kindheit, das mich die Themen andenken lässt, die ich bereits seit einer langen Zeit in meiner „neuen Heimat“ nicht erfassen kann? Oder von denen ich meine, sie in irgend einer Art aufgearbeitet zu haben?
Da investiere ich Stunden um Stunden in kluge und wohl überlegte Worte, um nach einer schlappen Woche am Ort meiner Ängste anzukommen und von meinen Träumen vorgeführt zu werden.

Meine Kindheit ist längst nur noch eine halbversunkene Ruine dessen, was sich einmal stolz Kinderspielplatz nannte. Doch habe ich jemals aufgehört zu wippen? Bin ich je von der Schaukel das eine, letzte Mal gesprungen; hoch in die Luft und in die untergehende Sonne hinein? Dreht sich noch immer mein kindlicher Körper im Kreis; kreischend vor Aufregung, Angst und aufwallender Übelkeit?
Das Bild eines grausigen Clowns, mit verschmierter Schminke, diabolischem, gelbem Grinsen, in seiner abgewetzten, ausgegrauten Kleidung, halb versunken über einem blaugrünem Elefanten-auf-einer-Sprungfeder ist für einen kurzen Moment in meinem Kopf zwar lustig, dann aber nur noch das überzogene, erbärmliche Bild meiner vergessenen Kindheit.
Bin ich Clown oder Elefant?

Der Ort meiner Kindheit ist ein Ort der Stille. Jener einsamen, ruhigen Art von Stille, in der wir Kraft schöpfen können und uns der Natur erfreuen können.

Der Ort meiner Kindheit ist ein Ort der Vergangenheit. Jener mystischen, fantastischen Art von Vergangenheit, von der unsere Geschichten nähren und aus der wir Anekdoten erzählen.

Es ist der Ort meiner Sehnsucht, meiner Angst, meines Hasses. Es ist der Ort, von dem ich weggezogen bin. Der Ort an dem ich niemals bin und niemals sein will, aber immer sein werde.

Der Ort, an den ich immer zurückkehren werde um zu schaukeln; zögernd im Abendrot.

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