Warum sollte ich?

Täglich begegnen wir hunderten, je nachdem wo wir wohnen sogar tausenden Menschen. Jeder davon trägt sein Leben wie eine einzigartige Flamme mit sich herum, mehr oder weniger eifrig darum bedacht durch das was sie tun diese Flamme anwachsen zu lassen. Das nennt sich Leben und Ausnahmen davon sollten gründlich nachdenken, was ihnen ihr Leben bedeutet. Ernsthaft. Ich spreche da aus Erfahrung! Und das alles tun wir in der Hoffnung, jemand möge doch endlich aufschrecken von seiner eigenen Flamme, nicht vom Glanz des eigenen Feuers geblendet sein und uns endlich wahrnehmen! Denn wir wollen wahrgenommen werden. Die einen mehr und verzweifelt, die anderen weniger angestrengt und unbedachter. Aber wirklich unabhängig davon ist keiner. Nicht für sein ganzes Leben zumindest; Phasen in denen wir selbst der Zivilisation überdrüssig sind kennt vielleicht jeder, dennoch halten diese meist nicht für immer.
Wie auch immer… in diesem Meer aus kleinen, großen, ruhigen, wilden, rauen, sanften, und so weiter und so fort Flammen stehe ich also und schaue mich um. Hebe den Blick von meinem eigenen, kleinen Leuchten und schaue mir an, was da so um mich herumläuft.
Wohlgemerkt schaue ich nicht auf die Menschen. Das wäre absurd und keine Geschichte wert, da das hier ja kein Datingprofil ist. Ich schaue auf das Spiel, welches wir uns da selbst einbrocken.
Jeden Tag. Hunderte Menschen. Ungezählte Kontakte innerhalb einer Zeit, in der wir noch nicht einmal gelernt haben A von O zu unterscheiden oder unsere Fäkalien selbstständig zu entsorgen. Abgesehen davon, dass wir das streng genommen meistens sowieso jemand anders machen lassen.
Und nur einen verschwindend geringen Anteil dieser Kontakte nehmen wir wahr. Noch weniger davon führen zu einen wirklichen Kontakt, so mit anschauen, reden und shit. Und davon, also quasi das Ästchen auf dem Zweig, führen noch viel weniger zu qualitativ nennenswerten Kontaktgebilden a.k.a. Freundschaften. Und in der kleinen kleinen klitzeklitzekleinen Zahl von vollwertigen interpersonellen Sozialisationsgefügen mit ausreichende intrapersoneller Tragweite um für unsere eigene Lebenswelt eine Rolle zu spielen sondieren wir weiter. Wir selektieren, bewerten und beurteilen diese Handvoll wertvoller Kontakte und suchen nach dem was mehr bringt. Denn nur wenn das Gegenüber auch diesen zusätzlichen Selektionsgedanken überlebt, können wir von diesem komischen, weltfremden und unglaublich naivem Konstrukt mit dem widerlichen Namen Liebe sprechen.

Und diese ist dann vorherbestimmt! Es musste so kommen, wir waren füreinander bestimmt und es war unser Schicksal einander zu finden.

Ich will keinen Spottgesang auf die Liebe anstimmen. Liebe ist geil. Hatte ich auch schon oft genug um mehr davon zu wollen und all meine kleinen und großen Verletzungen haben mich nie daran zweifeln lassen, dass Liebe the motherfucking Boss eines glücklichen Lebens ist. Ich liebe die Liebe, so wie ein fetter, alter Sack auf Grillwürste und junge Hintern steht.
Aber wenn mir Menschen ernsthaft erzählen wollen, dass ich doch an Schicksal glauben muss, wenn ich ihre Geschichte höre, denn so unwahrscheinlich kann es doch… Shut. The. Fuck. Up.
Warum sollte ich? Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, genau den einen Menschen zu finden der für mich bestimmt war, sollte aus dem Beispiel von eben deutlich werden. Wir nehmen nur einen einzigen, beschissenen Bruchteil von den endlosen Menschen um uns herum wahr. Sich dann hinzustellen und zu sagen: das ist der Beste! Klingt in meinen Ohren ein klein wenig zu zufällig.
Warum sollte ich davon ausgehen, dass es so hätte sein müssen. Wenn du an einem Abend ein andres Wort zu einer andren Person gesagt hättest, würdest du das selbe nun von einer komplett andern Person behaupten und wüsstest von der „Besten“ nur, dass sie vor drei Monaten an Drogen verreckt ist.
Wenn wir unsere Welt so konstruieren, dass die Menschen die wir nicht wahrnehmen keine Rolle mehr spielen… ja dann kann es sein, dass du die, den oder das Beste erwischt hast.
Aber das ist nicht so!
Wir haben es uns nur angewöhnt aus der Angst heraus, dass perfekte Wesen zu verpassen.
Warum sollte ich annehmen, dass Liebe an eine Person gebunden ist? Vermisse ich nicht vielleicht nur ein Gefühl, einen Gedanken als tatsächlich einen speziellen Menschen? Sind wir Junkies unsrer alten Beziehungen? Oder sind wir vielleicht einfach trunken von den Rausch, den Liebe geben kann? Vielleicht ist Liebe ja eine Kraft, die überall rumwabert und sich manchmal entscheidet in irgendeiner Hülle zu verweilen, bis sie gelangweilt ist.
Ich liebe die Liebe.
Das sagte ich vorhin und ich meine es. Ich liebe so gerne. So viele Menschen und es macht so einen Spaß, weil ich nicht verzweifele an dem Gedanken ich könnte sie verpassen.

Warum sollte ich auch?

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