Nuancen

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die mich beschäftigen.

Das große Ganze ist mir hingegen eigentlich zumeist recht wumpe. Griechenlandjedersagtwasdazukacke? Meh.
Eurokrise und Finanzprobleme?
Ich bin seit Jahren nicht richtig arm und nicht bestimmt nicht reich. Abgesehen davon: in einer Krise stecken wir alle. Eine Seinskrise vielleicht, es könnte aber auch das Ende der Welt sein. Des passt schon. Und wenn nicht, dann ist es mir genauso egal wie vorher.

Die kleinen Dinge allerdings… das, was zwischen dir und mir schwebt, was in der Luft bleibt, wenn zwischen Menschen jenes furchtbare, zum scheitern verurteilte Ungetüm namens Kommunikation schwebt. Oder eben gerade nicht. Wenn Schweigen zwischen Freunden ist, wo Antworten sein müssten. Diese Stille zwischen zwei Worten,  die eigentlich nur die Summe ihrer Dinge ergeben sollten, jedoch unzählige weitere Elemente ermöglicht. Der Lärm in meinem Kopf, wenn eigentlich Stille sein sollte und dafür passend die ohrenbetäubende Leere, wenn ich mitten in dem stehe, was manch einer als Leben bezeichnen wollen würde.

Es sind diese ungelenken Kleinigkeiten – sozusagen der Schmierfilm zwischen den Dingen – die mir keine Ruhe lassen.

Das Miteinander – wenn es denn nicht ein Gegeneinander ist – gestaltet sich bedauerlicherweise in unserer Welt, die wir uns zumindest räumlich teilen, oft als… unklar.
Es gibt meistens Spielraum.
Nuancen.
Und das ist, wo wir alle gefickt werden.

Wir lernen vermutlich alle mehr oder weniger von Geburt (oder doch sehr bald danach) an, dass wir ein Ich haben. Etwas, das wir sind und das uns, je nach Ausprägung, auch ausmachen sollte. Was auch immer wir tun oder lassen, dass Ich ist mit dabei. Wer da anders denkt, kann ja mal versuchen eine Woche ohne das Wort „ich“ und seine Verwandten auszukommen. Unser Denken beginnt bei uns selbst, wir sind quasi das Zentrum unserer Welt. Zugegeben, nicht jeder von uns ist ein Zaphod Beeblebrox und hält sich für den Mittelpunkt des bekannten und vermutlich auch unbekannten Universums.
Davon spreche ich auch gar nicht. Zu verlangen, das wir uns von uns selbst loslösen und gänzlich ohne eigene Person denken ist nicht nur ein sehr hoher Anspruch, sondern ein unmöglicher. Wir können schlicht nicht anders denken, als wir selbst. Alles was außerhalb dessen liegt können wir uns einfach nicht denken.

Das ist nicht so wie die Herausforderung an ein Schwein (welches wohl nicht nach oben schauen kann), den Himmel zu betrachten. Dabei kann das Schein clever sein und sich einfach herumwälzen. Das ist vergleichbar mit dem Wunsch, in der siebzehnten Dimension Dinge zu tun, die außerhalb meines Sprachgebrauchs liegen. Denn sobald ich es beschreiben kann, entspringt es wieder meinen Kopf und ist damit von mir gedacht. Klar gibt es keine Garantie, dass ich nicht gerade in jener fernen Dimension jene Dinge tue die ich nicht beschreiben kann, aber davon weiß ich nichts; immerhin bin ich an meine 3-4 Dimensionen gebunden.

Wenn wir also jetzt annehmen, dass unser Denken unabdingbar mit unserem Ich verwoben ist wird vielleicht deutlich wieso wir am Arsch sind, wenn wir miteinander kommunizieren. Das muss doch schief gehen! Ich bin mir ja teilweise meines eigenen Denkens nicht sicher, wie soll ich dann auch nur im Ansatz behaupten können, ich würde verstehen was jemand anderes denkt?!
Und doch tun wir das immer wieder. Also es sagen. Zumindest öfter als wir es dann auch wirklich umsetzen. Also das Verstehen.

Irgendwo auf der Strecke zwischen uns und unserem Gegenüber ist ein Loch, welches wir zwar immer wieder versuchen zu füllen, was uns aber niemals gänzlich gelingen kann. Und so traurig das jetzt klingen mag, kann ich für meinen Teil darin sogar eine Befreiung finden. Nun ja. Teilweise. Befreit werde ich grundsätzlich von der Last des Versagens, wenn es mir nicht gänzlich gelingt mein Gegenüber zu verstehen. Oder der Angst, endlos narzisstisch zu sein, wenn mir wieder einmal auffällt, wie oft das Wort „ich“ in seinen Spielarten in diesem Text schon wieder auftaucht.

Wovon es mich allerdings nicht befreit, dass sind die Dämonen, die in diesem Loch schlummern. Die dunklen Gedanken, welche das Loch zu mehr machen als einer Strecke, die ich gerne überbrücken würde. Sie heizen darin Feuer an, schnappen sich spitze Metallforken, schnallen sich Hörner, Echsenschwanz und Hufe um und tanzen irre gackernd im flackernden Schein verbrennender Hoffnung.

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die mich beschäftigen. Und es sind die kleinen Dinge, die meine ganz persönliche Hölle beschwören.

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