Welcher Mensch will ich sein?

Ich will nicht über Flüchtlinge schreiben.  Super Titel für einen Beitrag, aber dummerweise hab ich schon mal „Ich will nicht über Weinachten schreiben“ geschrieben. Warum ich es nicht will ist ganz einfach, wenn auch aus einem einzigen, nicht unbedingt gesellschaftsfähigen Grund:

Diese Menschen sind mir komplett egal.

 

Nach dieser, doch etwas provokanten, Einleitung vielleicht ein paar Worte der Erklärung.

Die meisten Menschen sind mir egal.

Und nachdem nun der Duktus des folgenden Textes geklärt ist ein wenig mehr Beiwerk zu den doch recht missverständlichen Aussagen:

Ob du jetzt ein fünfzigjähriger bayrischer Anwalt, Hamburger Fischkutterkapitän, Pariser Bäcker, iranischer Pilot oder eben ein woherauchimmerkommender wasauchimmer bist… grundsätzlich ist dein Einfluß auf mein Leben verschwindend gering. Ob du eine Beförderung bekommst, Krebs hast oder gerade ein Kind vergewaltigen wolltest. . . Halt Stop. Nagut. Es gibt Grenzen. Auch im satirischen Schreiben.
Aber eins bleibt: dein Einfluß auf mein Leben ist kaum da. Sozialwissenschaftlich gesprochen hast du bestimmt Einfluß, denn Gesellschaft umgibt auch mich und beeinflusst mein eigenes Sein.

Wenn ich also sage, ich will nicht über Flüchtlinge schreiben dann darum, weil es keinen Einfluß auf mein Leben hat. Außer den großen und hitzigen Diskussionen um die gesamte Geschichte habe ich schlichtweg noch nichts festgestellt, was einen Wechsel innerhalb meines Lebens bewirkt hat.
Ich kam noch in jeden Laden rein, wurde nicht abgewiesen mit einem: „Sorry, heute nur Flüchtlinge“; Ich musste bislang noch nie meinen Ausweis zeigen „Sorry,  gerade läuft so viel Kroppzeuch rum. Da müssen wir mal ihren Ausweis sehen“. Nicht mal mehr Geld muß ich dem Staat abdrücken!

Aber sowieso! Das ist es ja. Wieviel Geld soll ich denn noch abgeben bis es reicht? Das ist doch ein Fass ohne Boden! Stimmt!! Dennoch zahle ich meine Abgaben für die Rente, auch wenn ich sie lieber jemand anderes geben würde. Mir zum Beispiel. Aber wir können die Alten ja nicht alle erschießen. Schlimm was man so viel abgeben muss an Menschen die nichts mit einem zu tun haben. All diese Abgaben die ich bezahlen muss ohne das mir direkt ein Vorteil dafür erwächst. Und all die Armut die ich deshalb nicht erleiden muß, weil selbst im Fall dessen das mein eigenes verdientes Geld nicht ausreicht immer noch von dem Geldern anderer gerettet werde. All der Hunger, den ich nicht leiden muss – außer ich vergesse mal wieder vor lauter hirnloser Ablenkung und Gedanken das essen. Das Leiden, DAS LEIDEN!, wenn ich mal wieder nur vier mal in der Woche außerhalb essen kann und sogar drei mal selbst kochen muß ist es mindestens wert  4-5 Flüchtlinge abzuweisen.

Wer soll das alles bezahlen und warum vor allem ich? Und das tue ich. Bestimmt. Auch wenn mein Gehalt unverändert ist und ich niemals irgendwelchen abgeranzten Unternenschen in dünnen Lumpen bei minus fünfzehn Grad was abtrete. Was fliehen die auch aus der Wüste hierher. Pfft. Lebensgefahr. Ich war auch gestern klettern. Da hätte ich mir auch was tun können. Aber sowas von!

Wenn ich eh schon Steuern zahle, was als Grundkonzept heisst, dass ich Geld weggebe, damit es auch anderen Menschen zum Vorteil wird, warum sollte ich mich also anstellen, wenn es um Flüchtlinge geht?

Wer will ich sein? Und warum will ich es sein?

Ich bin ein Mensch, der es sich zum Beruf gemacht hat Menschen zu helfen. Aber eben nicht diesen Menschen, die Ihre Heimat verlassen mussten. Das heisst allerdings nicht, dass ich mich aus meinem sozialen schlechten Gewissen freigekauft hätte. Ich scheiss drauf. Es ist mir ziemlich wumpe, ob jemand das gut findet wie ich zu der Geschichte stehe. Ich heuchele wenigstens nicht was, das ich vorher auch nicht für andere gemacht hätte.

Es ist mir egal. Sagte ich ja bereits. Aber welche Konsequenz hat das für mich? Beschwere ich mich deshalb, weil mir vermeintlich die Existenzgrundlage genommen wird (was sie nicht wird)? Halte ich die Fresse, weil man in diesem Land ja nicht mehr sagen darf, dass die ganzen Ausländer nicht hierhergehören (was nicht meine Meinung ist (für die Ironieresistenten))? Mach ich jetzt mit bei freiwilligen Aktionen und sammele Restlumpen, damit ich mich danach mit einem Steack und Champangner dafür belohnen kann meine soziale Pflicht erfüllt zu haben (Was nicht meine Pflicht ist)?

Einer, hundert oder zwei Millionen. Bislang haben sie keinen Einfluss auf meinen Alltag. Darum sind sie mir bislang egal.

Denn ich will ein Mensch sein der nicht um jede Entwicklung einen Hype macht, sondern sie annimmt wie sie halt kommt. Der weiss, was er zum Leben braucht und was verzichtbarer Überfluss ist. Dem ein Leben mehr bedeutet als ein Auto. Einer der sich nicht die Flüchtlinge, sondern die Aufnehmenden anschaut.

Denn im negativsten Fall (also wenn man Steuerflüchtlinge, Abzocker und Faulpelze verhunderttausendfacht) hab ich dabei geholfen „nur“ 500000 Menschen das Leben zu retten. Einfach nur weil ich mein Maul gehalten habe und Steuern zahle. Kommsch mit kla.

 

In dem Sinne:

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