53 Minuten

Ich drehe mich um und der Zug fährt los. Perfektes Timing und ganz Hollywood schaue ich nicht zurück.
Ich stecke mir die Kopfhörer in die Ohren und baller mir das Gehör weg.

Still war es in diesen letzten Minuten. Traurig unser beider Gedanken, jene zarte Mischung aus Schwelgen in dem was war und Sehnen auf das was kommen will. Aber nicht ist und leider auch nie mehr als ein Augenblick in unser beider Leben sein wird. Die Ausnahme von Alltag und Konstrukten, die uns an andere Enden des Landes binden und auch dort halten.

Ich baller mir die Ohren weg, denn die nächste Verpflichtung für mich ist exakt 53 Minuten und ein mal umsteigen entfernt. Ich baller mir Musik in den Kopf um die ganzen Wünsche zum Schweigen zu bringen, die alle nicht meine sind und doch in mir zusammenfließen. Ich bin ein Schmelztiegel für den Frust, die Erwartungen, Hoffnungen und Verletzungen aller mich Umgebenden in diesen Tagen. Doch jetzt nicht. Jetzt bin ich Musik. Lärm und Beats. Zwingend,  schwingend, tragend. Ich bin hier. Ich bin allein. Ich bin ich.

Nicht mehr.
Nicht jetzt.
Nicht für verfickte 53 Minuten.

Danach geht es weiter und die Planung meines Lebens im Rahmen anderer haut mich kurz aus dem Takt. Weiter.

„Was wollen SIE denn?“ Ich weiß was ich will. Aber ich sehe auch, dass ich diesmal nicht dran bin das zu tun. Ich bin die Form in die Lava fließt, halte ich durch, wird es Kunst; Eine Lücke und es ist Pompeji.

Du fährst und ich bin zurückgelassen. Nur für mich. Für 53 Minuten. Ich rechne und komme auf die nächste Zeit „für mich“ irgendwann in einer halben Woche. Kurz flackern die Augen, aber dann hab ich mich wieder. Wird auch gehen. Kann ich ab.

Eine Wahl hat man ja immer. Die Frage ist ob man mit den Konsequenzen leben kann oder will. Aber eine Wahl gibt es immer. Höhnisch zu sich selbst. Hat auch was.

Ich drücke mir die Bässe ins Hirn und aus meinen Gedanken fließen die Worte. 53 Minuten. Nicht viel Zeit und auch schon vorbei wenn ich ankomme, umgestiegen bin und dabei niemand angeschaut habe sondern schreibe, den Blick engstirnig auf die Scheibe. Eng im Blick, weit im Kopf.

So fährst du zu deinem Leben und ein Stück von mir kehrt zurück zu meinem.

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