Slices of Life

Der Mann neben mir muß emotional schwerhörig sein; zumindest redet er so laut, als müsse er sich selbst überzeugen. Seine Stimme ist ein ewig quäkender Schwall hilfloser Belobigungen eines Selbst, dass sich seiner eigenen Mängel unbewusst bewusst ist und doch gefangen im Versuch des Selbstbetrugs scheint.

Ich denke an tikerscherksches Schreiben und eine Sehnsucht überkommt mich;  mein Leben in Scheiben zu filetieren und zusammengestellt auf dem silbernen Teller der uns gemeinsamen Sprache zur Auslage eines zermürbten Banketts aus Gedanken zu legen. Es ist nur Plastikgeschirr vorhanden, doch auftun werde ich.

„Du bist so still“ sagt die eine aus der Runde und stelllt die Verkabelung zur Realität wieder her. „Scheint so.“entgegne ich und mein Blick folgt den Wirbeln des Windes irgendwo hin, nirgendwo hin, in meine Gedanken zurück.

Die Kinder um mich her kennen meinen Namen, noch bevor ich ihr Gesicht kenne. Eine wandelnde Legende unter vielen umherschleichenden Geschichten; bekannt für seine Tshirts oder den Umgang mit anderen ihrer Art (wunderschönen Morgen ihr Kackbratzen).

Beides gleich. Was jedoch nur lustig klingt wenn man Götz Widmanns Brummen kennt.

„Ich denke über den Wert von Zeit nach.“ und ihre Augen erzählen mir die Geschichte aus Langweile und Desinteresse, die ich schon kenne bevor sie gesprochen wurde. Ich schweige weiter, auch ich höre mich nicht gerne reden.

Der Sommer, den ich seit Monaten haben wollte, hat meine Laune verpasst und wabert an mir vorbei wie der dumpfe Bass aus den Boxen der Gruppe junger Menschen im Park, als wir einander davon überzeugen wollen, dass unsere Gemeinschaft nicht nur die sechs Wochen des gemeinsamen Arbeitens überleben wird. Auch wir reden laut. Natürlich von uns selbst in den besten Tönen.

2 Kommentare zu “Slices of Life

  1. Ein wenig geschmeichelt bin ich ja schon, wenn meine Schreibe beinahe sprichwörtlich Erwähnung findet. Danke dafür.
    Das Verbindende von Sprache und das, was jeder für sich und auf seine Weise als Spiegelbild dessen, was er denkt und fühlt und wie er die Welt sieht, aus dem gleichen Schatz an Worten herzustellen vermag, welche Bilder er damit zeichnet, ist und bleibt ein kleines Wunder für mich.
    Ich mag Deine Schreibe.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s