Die Absurdität des Normalen

„Ich liebe das Leben! Einzig die Lebenden…“

Er schaut mich von der Seite an, lacht sein leichtes Lachen, der Engländer würde „chuckle“ dazu sagen. Ich grinse schief zurück und wir verstehen uns. Kommunikation die aus vorangehenden Gesprächen und gutmütigem Verständnis umeinander besteht ist so viel leichter als die smalltalkbeladene Krankheit die sich im fastfremden Miteinander (Gegeneinander?) eingebürgert hat.

Ein wenig weniger Härte wünscht sich Eine von mir, Unverständnis warum ich so krass formuliere spiegelt mir eine Andere. Ich registriere, dass Absurdität als Normalität wahrgenommen wird und vermerke in meiner inneren Antragstelle eine weitere Revision der Relationsregulierung von Innen und Außen gemäß Sozialisierungsvertrag der Dünnhautparagraphen. Es scheint mir nicht gegeben aus dem Herzen heraus zu sprechen; mein Herz nicht genug genormt und Ablage P. zugehörig.

In Gefühlen zu reden ist nicht nur Hip, sondern auch Pflicht eines jeden modernen Menschen – eines modernen Mannes sowieso – sonst Prolet und Vokuhila und so weiter. Leider hab ich nicht genug Geld für Goldketten, also bleibt mir nur die Emoschiene. Die geht auch mit Schlabberpulli, der nicht wegen des Stil zu groß ist sondern weil er ungefähr drei Modezyklen überlebt hat und so verwaschen ist wie die Aussprache eines Berghaintouristen am Sonntag um sieben Uhr morgens beim Bäcker.

Nur was, wenn das Gefühl Wut ist? Wohin mit dem Inneren wenn es zwischen einer schwarzpulverhaltigen Mischung aus Ressentiments und klobigem Befreiungsdrang changiert? Wie ist das eigentlich mit diesem „mal ganz ehrlich sein“, wenn Selbiges aus aggressiver Zerstörung besteht?

Gefühle und die Show um deren Enthüllung sind – so lerne ich gerade in intensiver Beschäftigung damit – trotz allem etwas, was dem Bestreben der goldenen Mitte unterworfen wird. Nicht jene golden leuchtende Mitte in der gelassene Erleuchtung wartet; mehr jene stumpfe, vergilbende Blattgoldmitte in der die Normalität ihr Szepter im Gleichklang zur Klospülung schwingt. Die Sorgen müssen unter die unberührbare Oberfläche, das alles wiederum durch den After und letztlich in die Schüssel passen. Sonst verstopft es nur und macht Arbeit.