Zeit für Zeit

Das Leben fickt mich dezent von der Seite an.
So könnte man es sagen. Mach ich sogar. Denn das ist es, wie ich mich gerade fühle.

Die Deadline – welche nichts anderes als eine innere Hürde vor mir selbst und ein kleines Quäntchen Selbstbeherrschung in formlosen Zeiten sein soll – ist zu einem beständigen Puckern im Kopf geworden.
Oder das Wetter beschert mir diese widerlichen Kopfschmerzen.

Männer die jammern sind unattraktiv. Auch wenn mir das keine der Frauen glauben will mit denen ich darüber rede: dieser Satz wurde mir mehrfach von Wesen mit Brüsten bescheinigt. Und ich meine keine fetten Männer.

Ja das ist sexistisch. Suck it up, mir ist halt mal nach Polemik.

Und für stilvolles Geschreibsel ist irgendwie nie die Zeit, wenn ich die Idee im Kopf habe. Und wer mir nun kommt mit „man muss sich nur die Zeit nehmen“: während des Arbeitstages, inmitten der Begleitung eines von Kindern inszenierten Talentwettbewerbs ist wirklich kein Zeitpunkt um Stift und Notizbuch zu zücken. Zumindest nicht wenn einem etwas an seiner Umwelt liegt.

Lose Gedankenfetzen im Kopf. Unwürdiges Geschwuchtel in meinem Kopf, eigentlich nicht einmal würdig im geheimen schwülstig aufgeschrieben zu werden. Aber irgendwas muss ich ja ausscheiden, immerhin hab ich da diese verfickte Deadline.

Ja das war wieder politisch unkorrekt. Ich bin eben noch nicht fertig.

Es ist Zeit für Zeit. Sagte ich bereits. Sage ich erneut. Es ist Zeit für Zeit. Zeit um auszusteigen und die bitter nötige Handbremse zu ziehen, damit ich eventuell nur mit einem gebrochenen Jochbein davonkomme und nicht mein gesamtes Sein mit Vollspeed gegen die dicke Mauer der Erschöpfung brettern lasse. Das wäre zum einen sehr unangenehm für mich (man stelle sich hier comicartig einen Censay in Ziehharmonikaoptik vor) und zum anderen nicht direkt der gewünschte Effekt, den ich in meinem Leben eintreten lassen möchte.

Es ist Zeit wieder mehr zu schreiben; jene Katharsis am eigenen Geist zu fokussieren in der ich den widerlich schleimigen Klumpen all der unfertigen Gedankenauswürfe meines Geistes trockenlegen und polieren kann.

Die Deadline sollte ein Arschtritt an mich sein. Jedoch ist sie wesentlich mehr. Sie ist Wegweiser für mich. Batteriestatus (seit Monaten hat sich der Vorrat geschriebener Texte stetig verkleinert und ist nun leer) und Warnblinker im kleinen Cockpit meines Hirns.

Männer die jammern sind unattraktiv. Ich sollte mein Negligé anziehen.