Mister Mediocrity

Let us go for a dive
Or not swim at all.
Let’s go crazy
Or diverge in sanity.
Everything else
Is just so verily
Not worth
Time and hassle.

I am not
Your Mister Perfect.
Until I am.
Or not.
Then we will
Still
Have had
Nice
Times.

So let’s jump
And dive
To this place
They call hapiness
Until our lungs
Collapse or we
Start breathing water

Warum Tinder Zeitverschwendung ist

Zuerst muss es raus: ja, ich nutze es. Ich bin einer dieser unglaublichen, oberflächlichen, notgeilen YOLO-Kerle, der sich des „Wisch und weg verliebens“ bedient.  Only… I am not.

Tinder, dass ist in der Grundidee schon nicht ganz verkehrt. Zuerst siebe ich aus was mir beim angucken der bis zu 6 Bilder nicht gefällt und in den tiefgründigen 600, Zeichen die zur Verfügung stehen, etwas sagt was mich abschreckt.
Ich bin kein Mensch, der sich seiner Oberflächlichkeit verwehrt.  Mal ganz ehrlich… Oberfläche ist wichtig! Nicht das wichtigste auf diesem Planeten,  nicht einmal besonders ausschlaggebend für das funktionieren eines guten Miteinanders, aber keineswegs unwichtig. Zumindest für mich nicht. Was nicht heißt, dass ich oberflächlich bin. Aber ich HABE Oberfläche und ich nehme anderer Menschen Oberfläche wahr. Dort nicht stehen zu bleiben ist die Kunst. Aber wenn ich es mir aussuchen kann (und das kann ich nun mal Dank der Bestrebungen unserer Vorfahren), dann wähle ich etwas, das ich auch anschauen kann ohne mich ablenken zu müssen.

Aber allein in dieser Reduktion auf eine Handvoll Bilder und einen Brocken Informationen kommt schon das erste Problem zum tragen.  Noch viel stärker als im „vis-a-vis“ Kontakt ist das Heitei von Tinder geprägt durch Konstruktion. Wir bauen wer wir sind. Kein einziges meiner Bilder ist zufällig. Nicht ein Wort in meiner Beschreibung (die immer wieder wechselt, je nachdem was mein Ego gerade hergibt) ist unüberlegt hingeschrieben. Ich bastele seit einiger Zeit daran, es ist ein kleines geliebtes Wesen geworden,  denn ich so manche Stunde Aufmerksamkeit gegeben habe. Und es wächst und gedeiht so vor sich hin, ganz zufällig und total spontan natürlich.

Durch die Vermeidung von Kontakt bevor beide Seiten Interesse bekunden sollte ja eigentlich vermieden sein, dass Menschen in Kontakt kommen, die keine Lust auf miteinander sprechen haben. Aber hier haben die Entwickler von Tinder nicht mit dem Phänomen Mann gerechnet. Das erste bei einem Kontakt (oder auch tinderisch „Match“) ist somit, sich sorgsam beschnuppern zu lassen, stets darauf bedacht, nicht in Schubladen gesteckt zu werden die mir allerdings eh nicht passen. Ich bin kein Freund des kurzen Vergnügens undOne Night Stands ergeben für mich keinen Sinn, denn was gefällt möchte ich doch in der Regel wiederholen. Whatever, so sei es eben. Über den Tanz mit dem „einlassen und klar sein“ habe ich mich ja schon an anderer Stelle ausgelassen.

Es ist lästig, sich jetzt über die einzelnen Schritte auslassen… rumschreiben, interessant wirken, sich rar machen, mit der Antwort warten, dann vielleicht irgendwann doch ein erstes Treffen, dann weiterschreiben,  dann blablabla. Wir kennen das an dem Punkt vermutlich alle, gedatet hat jeder schon (und wenn nicht, dann ist weiterlesen eh sehr überflüssig).

Was macht Tinder also, der Titel war ja schon ein Versprechen,  zur Zeitverschwendung. Nun, das ist eigentlich recht simpel:

Sucht.

Tinder ist schnell. Es spielt uns vor, immer neue Menschen in unmittelbarer Nähe haben zu können; immer noch was Besseres finden zu können und mit einem Wisch, einem Klick oder Nasenschnauben das lästige Alte loszuwerden. Und unter uns… es gibt viele schöne Menschen. Immer wieder findet sich ein Profil, das reizt und Lust auf neuen Kontakt macht.
Aber was wenn ich dort anhalte?! Was, wenn Mister/Miss 100% erst noch kommt? Und danach Mister/Miss 101%?! Die Suche nach Betty Blue.

Tinder ist wie ein Spiel, in dem wir uns selbst des Spielziels berauben.  Als Genre beschrieben wäre das „Sandboxdating“, daten ohne Grenzen. Und auch wenn das manchen Menschen am Computer Spaß macht (man schlage im Internet die Worte „sandbox game“ oder „idle game“ nach), ist für mich das Ganze sinnbefreit. Wie machen den ganzen Shit um Kontakte zu knüpfen,  die wir nicht haben wollen weil was anderes lockt. Da kann ich auch nichts unternehmen und bin vermutlich gleichauf.

Was vermutlich auch die meisten kennen: die ganze Scheiße ist Streß! Der Balanceakt, den man geht um zu gefallen, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ego, der Kampf um Souveränität undundund. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass es eine Begleiterscheinung von dating ist,  sich selbst zu hinterfragen. Und das tut einem Tinder ständig an. Seit der Überwachungsstaat die Ausrede des verbundenen Menschen gefunden hat, sind wir alle zu kleinen Spitzeln geworden. Es ist fast ein Wunder, dass der Online-Status diverser Programme (wie zum Beispiel Tinder) nicht bereits die Kamera anzapfen und Beweisfotos machen kann, aber mit zuletzt online und „hat gelesen und befunden nicht zu antworten, denk man drüber nach“ sind wir auf gutem Wege.

Doch wenn wir einmal, alle  Statistiken, Vermutungen und Überzeugungen weglassen… wie sind sich Tinderpaare ihrer selbst sicher?  Zeremonielle Löschung beider Accounts? Das Versprechen des Verzichts? „Das ist schon okay“?

Tinder ist nicht per se  Zeitverschwendung. Es ist nicht einmal wirklich zu verurteilen. Es hat ein riesiges Potential, entspannte Kontakte zu erzeugen und sogar Beziehungen, die einem modernen und lockerem Miteinander entsprechen könnten. Das Problem ist nur, dass meiner Vermutung nach die wenigsten Menschen dort wissen was sie im Ansatz wollen und daher den Menschen, denen sie begegnen von vornherein keine Chance geben. Und in dieser Ungewissheit überspitzt sich die Abneigung zu alten und überdauerten Formen von Beziehung (z.b. Partnerschaft weil es muß) derart, dass jegliche Bemühung nur im gelegentlichen Sex enden DARF.

Da bin ich allerdings nicht scharf drauf. Klar mach ich das mit. Sex ist nicht zu verachten, besonders wenn es Spaß macht. Aber es ist halt Zeitverschwendung, wenn nichts folgen kann. Und auch wenn ich gerne mal Zeit vergeude… beim Thema „Liebe“ ist mir das schnell zu langweilig. Tinder kann etwas sein, was seine Benutzer allerdings nicht hingekommen, denn dafür fehlt ihnen vor allem eines: „Vertrauen“.