Peripherie

Als kleiner Junge – so in dem Alter in dem Latzhosen stets an einer Schnalle nicht geschlossen bleiben wollen, Drachen steigen lassen der Inbegriff von fliegen ist und Sommer aus Kirschbäumen und Kirschkernwettweitspucken gegossen werden – lief ich oft auf den Acker am höchsten Hügel unseres Dorfes. Es war ein beachtlicher Weg für einen kleinen Knirps, zumal die Welt damals noch sehr viel kleiner erschien, jeder einzelnen Wege entsprechend um so länger; Amerika kannte ich nur aus wilden Abenteuergeschichten, Deutschland war ein diffuses Gesprächsthema meines verknotterten Opas und die nächste größere Stadt zum Einen Lebensort meiner Tante und zum Anderen ungefähr drei Lichtjahre entfernt.

Dort oben vom Feld aus konnte man, wie ich dutzende Jahre später feststellen sollte, in die Eifel schauen; was eine ziemliche Distanz darstellt und meine Heinatwelt fortan urplötzlich in einen konkreten, geographisch verankerten Ort verwandelte. Durch die relative Einordnung meines erwachsenen Verstand verschwand ein Stück Magie und kehrte als Fleck auf der Karte zurück: neue Perspektive, neuer Ort, größere Welt. Der Lauf der Dinge.

Es war schon immer dieser Acker an dem meine Familie den Herbst standesgemäß mit Drachen und Grassodenschlachten begrüßt hatte und immer wenn der Wind blies zog es mich dort hin – meinen kleinen Lenkdrachen im Gepäck.

Meist ging ich den Weg, der mich an einer klitzekleinen Bahnstation mit einem klitzekleinen Bahnübergang vorbeiführte. Danach schlug ich mich durch einige Büsche um anschließend den gekrümmten Rücken des Hügels vor mir zu sehen – einzig mit abgemähten, vertrockneten Getreidehalmstümpfen bestückt. Hin und wieder lief ich jedoch auch einen Umweg, was mich auf eine Brücke brachte, unter der die Bahngleise durch eine kleine Klamm verliefen (was sie zu eben erwähnter ebenerdiger Station brachte); meist dann, wenn ich von weitem den Zug gehört hatte und mir erhoffte ihn von oben mit einem Steinchen bewerfen zu können.

Erinnerung ist, so weiss der wissende Mensch, ein merkwürdiges Tier und stellt mit der Vergangenheit allerlei Schabernack an: der goldene Schein dieser Tage taucht alles in strahlende Wärme, der rabenschwarze Teer lässt die Straßen zu mäandernden Flüssen werden, der Zug rauscht in roter Pracht mit rußendem Wolkenschal durch das Tal; alle Farben, Gerüche und Töne vergessen ihre ursprüngliche Bedeutung und kondensieren zu einem feinen Destillat ungetrübter Nostalgie.

Eines erinnere ich jedoch – eingebettet in die verfranste Zeitlosigkeit jener Tage – ganz klar: Ich muss einmal beim laufen oder toben „dort oben“ gestolpert oder hingefallen sein, jedenfalls lag ich eine kurze Weile auf dem Rücken und schaute in einen Himmel, der nichts anderes enthielt als alle Blautöne, die ein Himmel hergeben kann. Keine Wolke trieb durch diese blaue Weite, kein Baum reckte seinen Zweig frech ins Bild, nichts hielt mein Auge fest als dieser endlose, kristallklare Himmel.

Mich überkam ein Schwindel, ganz so als würde ich von einem hohen Gebäude zu Boden schauen. Das Blau zog an mir, mein Körper kreiselte wie wild um sich selbst und jegliches Gefühl von Halt und Richtung zersprang innerhalb eines halben Herzschlags. Eine Sucht erwachte in mir, mich diesen Strudel hinzugeben, liegenzubleiben und mit diesem unerschütterlichem, endlosen Blau zu verschmelzen. Gleichzeitig wurde mir das Herz eng, ich spürte Übelkeit und Angst in mir, meine Augen suchten verzweifelt nach irgend etwas um sich festzuhalten und gegen den Sog zu behaupten. Mein Ich stritt mit sich selbst, zerfasernd und zersplittend an diesen beiden Sehnsüchten.

Diese Erinnerung überkam mich neulich: glasklar und in längst vergessener Härte. Der Junge hatte es vergessen, dass Kind in mir es chiffriert. Als der erwachsene Mensch mit zwei Handvoll Verantwortung, der ich nun geworden war, lag ich verhältnismäßig gelassen auf einem Tisch an einem Autobahnrasthof, schaute zufällig in einen endlosen blauen Sommerhimmel und erlebte plötzlich den damaligen Nachmittag noch einmal, nun mit neuen Augen. Die Sucht des Sogs, die Übelkeit des Kreiselns, die Angst des Haltlosen… All das spürte ich zweifach; als der Junge von einst und als der, der ich gerade war.

„… Letztlich geht es mir darum, diesen perfekten Himmel ungetrübt zu sehen; kein Ast der in ihn hineinragt, kein Masten, der an den Boden erinnert auf dem ich liege. Nur er und ich und diese Sucht nach Leere.

Das meiste im Leben spielt sich irgendwie in der Peripherie meiner Wahrnehmung statt, so wie alle Hinweise auf die Realität von diesem Himmel an die Peripherie meines Blicks gedrängt werden. Das große Ganze ist für mich nur diese Sucht danach in irgend etwas zu verschwinden, zu versinken und mich selbst zu verlieren. Der Rest ist unwichtig, an den Rand gedrängt und wenn ich ihn wahrnehme ist das Alles nur lästig.“

Du kennst mich, darum hast du erst lange zugehört, als ich dir die Erinnerung an damals erzählte und anschließend eine lange Weile mit mir geschwiegen, treibend in Wind und Zeit. Irgendwann setzten wir unseren Weg fort, zurück zu dem Ort an dem wir unser eigenes Leben töpfern.

Mister Mediocrity

Let us go for a dive
Or not swim at all.
Let’s go crazy
Or diverge in sanity.
Everything else
Is just so verily
Not worth
Time and hassle.

I am not
Your Mister Perfect.
Until I am.
Or not.
Then we will
Still
Have had
Nice
Times.

So let’s jump
And dive
To this place
They call hapiness
Until our lungs
Collapse or we
Start breathing water

Meister der Ablenkung

Freitag Morgen Elf Uhr Fünfundfünfzig stehe ich am Bahngleis meiner Ubahn und warte auf den Zug. In fünf Minuten habe ich einen Termin, wie mir ein kleiner, wacher Teil meines Gehirns mitteilt, doch für den Rest meines Geistes ist Alles immer noch ein Aufwachen und damit eine ganze Traumwelt weit weg. Mein Körper hat noch den Abdruck der Matratze im Gefühl, der zurückgekehrte Winter noch nicht gänzlich die Wärme der Bettdecke vertrieben und ich stehe mit einem mehr schlecht als recht sitzendem Wrack von Frisur in der letzten Leere, kurz bevor die Massen der hungrigen Mittagspausierenden aus den stumpfen Bürogebäuden ausgespuckt werden.
Entsprechend meiner Verfassung lasse ich meine Augen ziellos umherwandern und schon bald sehe ich keine Konturen mehr, sondern mit jenem unscharfen Blick den jeder Brillenträger kennt. Jene Art von schauen, die für 3D-Bilderbücher benötigt ist – wo wir mit ihr kämpfen – und die bei exessiver Müdigkeit eintritt – ganz egal ob wir das wollen.
Ich muss kurz komplett weggetreten sein, denn mit einem Mal wird mir bewusst, dass ich nun schon eine Weile auf den schwarz-weiss marmotisierten Boden starre. Ich kann nicht genau bestimmen wann ich anfing dorthin zu starren, noch wie mein Blick dorthin gewandert ist; dazwischen ist eine Lücke, gefüllt mit wattiger, klebriger Unbestimmtheit.
Ich befinde mich in jenem Schwebezustand zwischen Wachsein und Abwesenheit, in dem meine Gedanken eine unrealistische Schärfe erreichen, mein Körper jedoch nicht mehr als eine flüchtige Erinnerung ist und mir wird mit einem Mal deutlich, was meine Augen mir zeigen:
Der Boden unter mir atmet, pulsiert und scheint sich wegen irgendwelcher Schmerzen zu winden. Ich stehe im Schacht einer Ubahn und unter mir räkelt sich das Gestein – welches Menschen vor mir zerschnitten, gesprengt, transportiert und in einer anderen Form wieder zusammengestückelt haben – und es lebt mehr als ich. Es atmet und lebt in einem derart starken Puls, dass es mich durch die gesamten Schichten meiner Gedankenwelten erbeben lässt, packt und aus meiner körperlichen Hülle hinausschleudert.
„Was ist Leben? Wie lebe ich? Lebe ich überhaupt?“ fragt Etwas, dort angekommen, unbestimmt in Fleischlichkeit, einzig definiert über die zarte Bindung  der Gedanken an eine weit entfernte Puppe.
„Ist das mein Leben? Bin ich der den ich lebe?“ denkt Etwas und die Bindung wird zu einem schmalen Pfad, während rings um mich her eine stille Schwärze lauert.

Ist es mein Leben, welches ich lebe? Eine sehr interessante Frage. Auch wenn du sie dir nicht das erste Mal stellst. Interessant auch deshalb, weil du einer Antwort noch immer nicht näher gekommen bist, wie ich annehmen darf. Nicht? War zu vermuten. Es würde mich auch überraschen, wenn du…

Während er mit sich selbst in eine uralte Diskussion einsteigt, schlüpft er unbemerkt aus sich heraus und geht den schmalen Pfad entlang, weg von dem Streit. Immer weiter läuft er, bis er sicher ist, dass sie ihn nicht mehr bemerken. Da hält er auf einmal inne, schaut zurück in die Richtung in der sie verweilen, lässt seinen Blick an dem Weg entlanggleiten. Wie er auf ihn zukommt, unter ihm entlangläuft und in der anderen Richtung im Nichts verschwindet. Dort wo jene – vage erinnerte – Hülle hätte sein sollen erstreckte sich nichts außer einer dämmrigen, grauen Ungewissheit. Unsicherheit verzerrt sein Gesicht, als er Hin und Her schaut auf jenem Pfad. Unsicherheit macht sich in seinem Herzen breit, breitet sich in ihm aus, raubt ihm die Kraft und hätte er einen Körper gehabt: er wäre erschöpft zusammengebrochen. So blieb er eine Weile, unbewegt und formlos, bis er letztlich einen Entschluss fasste und zurücklief.

Dämmrige, graue Ungewissheit Nichts als diese ewige Suppe um mich herum und nichts verändert sich Müsste ich nicht schon längst angekommen sein bei Ja schon lang müsste ich daran vorbeigegangen sein Wo sind sie nur Und wieso verändert sich nichts in dieser elengen, dämmrigen widerlich grauen beschissenen Ungewissheit?

Später, als ich wieder zu mir kam und jenen dumpfen Zustand brütenden Gleichklangs hinter mir ließ, fand ich mich in einem riesigen Gewölbe wieder. Der Weg unter mir war, sehr zu meinem Schrecken, verschwunden und ich zuckte innerlich zusammen. Mein Magen rutschte mir in den Hals, als das Gefühl des Fallens einsetzte, ich schloß die Augen und ergab mich meinem Schicksal. Als nach einer Weile nichts passierte, öffnete ich die Augen vorsichtig und stellte fest, dass ich weiterhin fest stand. Der Pfad… er war noch da! Er war lediglich unsichtbar oder doch zumindest durchsichtig. Erleichtert ließ ich mich sinken – nur kurz verblüfft darüber meinen Körper wahrzunehmen – und atmete tief durch.

Während ich dort saß, noch immer befangen von dem unangenehmen, nicht abzuschüttelnden Gefühl im Nichts zu schweben, fiel mir auf, dass um mich herum Fackeln brannten. Unzählige vin ihnen säumten jeden Winkel des Gewölbes, und nachdem es mir erst einmal bewusst wurde stellte ich fest, dass sie überall waren. Ich war umgeben von flackerndem Licht, die letzten so weit entfernt, dass sie sich am Horizont zu treffen schienen. Noch während ich zu begreifen suchte, was um mich herum geschah, fiel mir auf, dass zu jeder Fackel ein kleiner Gang gehörte, welcher sich hinter dem Licht in eine kaum wahrzunehmende Dunkelheit wand.

Mein Weg, so wusste ich mit untrüglichen Gewissheit – jene die einen von Zeit zu Zeit ohne Vorwarnung überkommt – lag in exakt EINEM dieser Gänge. Doch in welchem, hierbei half jenes Gefühl nicht, dass – ähnlich einem Frühlingsduft – bereits verschwunden war und mich in meiner Unschlüssigkeit allein ließ. Ich starrte, grübelte, verharrte, lief auf und ab – denn schienbar war ich doch nicht zum Stillstand verdammt – und verharrte erneut, starrte erneut und grübelte weiter. Das Licht der Fackeln schien zuzunehmen, die einzelnen Lichtpunkte in der Ferne verschwammen zu einem wabernden orangeroten Leuchten und noch immer hatte ich nicht den Hauch einer Ahnung, wohin ich mich wenden sollte.

Verzweiflung rollte in einem rauschenden Grollen heran, umspülte mich und riss mich mit sich fort. Ich wirbelte herum, rang nach Luft, schrie lautlos und rang mit den Wellen. Sie drang in meine Lungen ein, umnebelte meinen Geist und erstickte meine Stimme. Sie war überall und ich.. ich verschwand.

Stille. Schwarze, kalte Stille. Stille in einem Ozean an fernen, unbekannten Ufern.
Ein Lichtpunk segelt herab und verlischt, noch bevor er begriffen werden kann. Noch einer folgt, verschwindet – ohne zu existieren – und entsteht erneut.
Ein ständiger Akt von Tod und Wiedergeburt, getanzt in völliger Stille.
Wasser brandet über stille Ufer ferner, unbekannter Ozeane und verrinnt lautlos im weißen Sand.

Wir sehen ihn, auf dem Pfad der keiner zu sein scheint.
Er steht dort, reglos und nahezu leblos.
Er öffnet die Augen, blicklos und entrückt.
Sein Mund öffnet sich, mechanisch und krotesk.
„Welchen Unterschied macht es also?“
Wir
hören ihn, als der Pfad in unzähligen Splittern zerspringt.
Er fällt, reglos und nahezu leblos.
Er schließt die Augen, blicklos und nahezu leblos.
Sein Mund schließt sich, mechanisch und krotekst.

„…zurückbleiben bitte!“ dröhnt es mir in die Ohren, begleitet vom widerlichen Tuten, dass Fahrgäste darauf hinweist das die Türen der Ubahn schließen. Ich starrte weiterhin stumpf auf den reglosen Boden.

Freitag Morgen Elf Uhr Sechsundfünfzig stehe ich am Bahngleis meiner Ubahn und warte auf den nächsten Zug.

Die Dauer einer Fahrt

Ich suche dich, Inspiration. Oh du holde Maid, du zarte Versuchung. Du flüchtige Braut, ewig am Rande..

Ah well. Fuck you stupid bitch.

Auf der Suche nach Bildern über die ich schreiben kann stolpere ich immer wieder über Wiederholungen.

Die Bogensehne, die zum zerreissen angespannt ist; das Flugzeug, dessen Flügel wild im Wind vibrieren und desen bedrohliches Summen mit lauter Stimme nahendes Unheil verkündet; der Baum, im Sturmwind gebeutelt und im Geiste noch nicht entschlossen ob er Eiche oder Palme sein soll; Die Fußstapfen, die sich immer und immer wieder selbst kreuzen…

Alles wiederholt sich. Kreise im Kopf ergeben die Kreise in meinem Leben und ich bin gefangen in einem meiner Lieblingselemente: Redundanz. Ein schönes Wort, meist liebe ich es. Doch gerade bringt es mich um den wenigen Verstand, den ich normalerweise als halbwegs zurechnungsfähig einstufen würde.

Verzweifelt bemühe ich mich darum, Schönes zu kreieren. Der Drang, meine eigene Erbärmlichkeit zu übermalen ist so stark, dass er mich in die Tasten hauen lässt, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass ich eigentlich nichts zu sagen habe. Und schon jetzt scheitere ich an meinem eigenen Ausweg, da ich die Mittelmäßigkeit des Bemühens erkenne. Denn wer schreibt schon über das Schreiben an sich?! Ein Künstler, der vor einem weißen Blatt sitzt und es weiß belässt, weil er gerade nichts kreieren kann ist vermutlich der beste Maler, da er Anspruch an seine Arbeit hat. Zumindest finde ich ihn besser als jene, die aufs Blatt spucken und das Ganze als kreativ verkaufen.

Ich spucke. Spucke Worte, da mir Gift und Galle ausgehen. Ich schreibe ohne ein Thema, da mir keines einfallen will, meine Seele aber nach einem Ventil schreit. Nach einem Ablass, doch wo kann ich den heutzutage noch kaufen? Die Kirche musste es ja abschaffen und ich glaube eh nicht an sie.

Wer bin ich wenn ich schreibe? Und warum zur Hölle fällt mir kein anderes Thema ein als ich selbst?

Vielleicht… Vielleicht sind viel denkende Menschen allein per Definition einsamer als andere, weil man Gedanken ja eben nicht hören kann. Ich will schreien, traue mich aber noch nicht einmal in Capslock zu schreiben…

Ich will schlafen, denn ich habe zu viel gesehen von mir selbst. Doch meine Gedanken schlafen nie, denn sie wollen mehr mehr mehr. Und so bleibe ich mit meinen Wünschen ein Schatten in meiner eigenen Welt. Ich bin ein Schatten in meiner eigenen welt, wie soll ich also in deiner teilhaben?! Wie soll ich das raus bekommen, was in mir wuchert und krankt wie ein Geschwür, wenn es doch letztlich in meinem eigenen Kopf steckt und nur dort Bestand haben kann?

1 2 3 Kotzprobe UEEERG. So hat es ein kleiner 13jähriger Junge neulich bei Tonproben formuliert. So schreib ich es nieder um zusammenzufassen was hier abgeht. Ich kotze; reier mir die Seele aus dem Leib. Denn dort will sie nicht bleiben. Und ich gebe ihr nach, denn ich kann sie verstehen.

Ich verstehe so viel, zu viel. Ich verstehe und verstehe.

Doch was mir fehlt ist das Verständnis.

Für meine Welt.

Für mich.

 

Denn manchmal ist Niveau auch nur eine Handcreme und ein Blog auch nur ein emotionaler Schrotthaufen.

Tiefpunktmenschen

Gerade jetzt wieder erkenne ich in mir jemand, dessen einzige Stärke darin zu bestehen scheint, einen Tiefpunkt zu erreichen und dann endlich die Dinge zu ändern, die mich herabgezogen haben.
Aber da ich unzufrieden mit diesem Anfang bin, fange ich noch einmal von vorne an.

Immer wenn ich denke: „jetzt bist du ganz unten, nichts bekommst du geregelt und deinem Leben kannst du eigentlich schon Tschüß sagen.“ Kommt von irgendwo her die Energie, einen Schritt weiter zu gehen.
Doch auch hier gefällt mir etwas nicht. Also noch einmal.

Ich … nein, anders…

Menschen an sich… auch so nicht…

So sitze ich nun vor diesem Text, die Pointe im Kopf, auch den Text und erhänge mich am Anfang. In meinem Leben ist das oft so. Mein Kopf erkennt die Lösung, meist sogar das Problem und die Regungen die mich behindern. Und doch fehlt immer etwas, hält mich etwas ab. Oft bleibte ich eine Antwort auf die Frage: „Was genau hält dich denn nun davon ab, dass kurz zu regeln?“ schuldig. In meinem Kopf ist dann nicht mehr als ein klares und deutliches: „Keine Ahnung. Es gibt keinen logischen Grund“.

Diese Unschlüssigkeit, dieses ‚Ohne Antwort sein‘ dauert meist eine ganze Weile an und steigert sich selbst immer mehr. Denn je mehr ich eine Antwort schuldig bleibe, häufen sich in mir die Antworten dazu, warum es eigentlich NICHT mehr ein Problem sein sollte. Denn die Antworten auf alle Einwände, die ich selbst mir bringen könnte, sind bereits gegeben.  So strauchele und falle ich meist in immer schnellerem Tempo auf einen Boden zu, den ich selbst schon vor langer Zeit gesehen habe und kenne. Und so wird aus einem anfänglichen seichten Bergab irgendwann eine haltlose Raserei, ein wütendes Abstürzen und unkontrollierbares Leiden.

„Die Kunst des Fliegens ist es, zu fallen und dabei den Boden zu verfehlen.“ So in etwa hat es Douglas Adams in seinen genialen Büchern zu „Per Anhalter durch die Galaxis“ formuliert. Was er als lustiges, bizarres Element verwendet, um seinen Hauptcharakter aus einer der sehr wilden und abstrusen Situationen zu retten, in denen Rettung unwirklich erscheint, ist für mich allerdings Wirklichkeit.

Ungebremst stürze ich auf diesen Boden zu, zähle derweil den Countdown bis zum Aufschlag und irgendwo zwischen „Eins“ und „Null“… verfehle ich den Boden. Ok, ich fliege danach nicht unbedingt, sondern krabbele mehr wie eine sehr große Spinne über den Boden… Aber ich schlage nicht auf. Der Zeitpunkt in dem dies geschieht wird irgendwie… übergangen.

Irgendwie sollte mir das eine Gelassenheit bescheren, oder doch zumindest eine Sicherheit, was mein Leben angeht. Vielleicht ist dem auch so. Doch was mir dabei Sorgen macht ist eher die Überlegung, dass der Fall zu meinem Freund wird. Sehne ich den Punkt herbei, an dem ich ganz unten bin? Wie viele dieser Nahezubruchlandungen kann ich herausfordern ohne irgendwann einmal doch den Boden zu treffen.

Es ist schwierig, zu unterscheiden, ob der Sturz der Ohnmacht geschuldet ist, oder einer abstrusen, perversen Liebe dieses Sogs. Die Unterscheidung fällt mir hier, wie so oft bei Dingen die mich selbst betreffen, schwer. Wahrscheinlich is es ein wenig von beidem. Doch es lässt mich zu einer recht ernüchternden Erkenntnis kommen:

Ich bin ein Tiefpunktmensch.
Es muss für mich der Punkt kommen, an dem ich mich total klein und schwach fühle, mein Leben nahezu einen Totalabsturz erleidet bis ich mich weiterschieben kann.

Das mag nicht immer so sein. Es gibt auch Phasen, in denen ich ohne weiteres die Probleme meines Lebens hinter mich bringe. Doch dieser Tiefpunktmensch bleibt in mir drin, lauert irgendwo und bei allem Mut und aller Kraft, die ich doch meine zu haben… er bekommt seine Spielzeiten. Immer wieder.

Nachtrag: Kurz nach beenden des Beitrags über das hier gestolpert….

I can’t say if it’s real
That you’re laying here with me
It feels so good … this can’t be you
No … this is something new
A hoax, a silly joke or just a lie

I don’t know if this is true
Or just another dream of you
I can’t forget
I know that this sounds mad
But not as mad as anything you say

Being me … is everthing I’ve got
Being me … is everythig that stays
When everybody else will fail …

And if it’s real what did it take
Just to get here to this place?
I gave so much … I cannot say
And now i ask myself
What it might be this time … just to stay

And if it’s true, what is it worth?
All these years and all the hurting … all the pain …
Is it worth to hate …
I couldn’t help to grow inside myself?

Being me … is everthing I’ve got
Being me … is everythig that stays
When everybody else will fail …

Being me … being myself …
Indeed I’ve learnd my lesson well …
Being me … Being myself
At least not anybody else …