Was bleibt ist eine Anekdote

Heyho, Hans-Detlef aus dem Bus hier.

Ich weiß, das hier ist total verrückt. Und creepy und sowieso eigentlich vergebens. Zumindest jedoch unkonventionell.
Vermutlich gibt es gute Gründe, dass du dich nicht gemeldet hast, bestimmt sogar.

Nun ja, manchmal habe ich es nicht so mit der Vernunft.
Und creepy ist es nur bedingt: dein Name, Ort und Beruf ergeben eine recht unikate Kombination, die Freund G. recht schnell mit dir in Verbindung brachte.

Hier in etwa wäre der Punkt an dem in schlechten Filmen der Protagonist der Protagonistin ins fast ausgesprochene Wort fällt und etwas in die Richtung „hear me out“ sagt. Und an dem der Zuschauer sich in diesem Nimbus zwischen Scham und Neugier befindet. Einerseits will er umschalten, wegrennen oder einfach ihn nehmen und schütteln. Andererseits ist es ja ein Film und egal wie vergebens es wirkt oder wie tief der Fettnapf sein mag; letzten Endes ist es ein Film und danach geht es weiter.

Hier also mein Monolog, in der Hoffnung jene Art sympathischer Spinner zu sein,  der nicht als Wahnsinniger weggesperrt wird (man beachte, dass das Schreiben meine Passion ist):

Es gibt in unserem Leben hin und wieder Begegnungen, die uns besonders erscheinen. Rational ist das schwer zu erklären, immerhin handelt es sich da zumeist um fremde Menschen. Wenn du Haruki Murakami gelesen hast, kannst du bestimmt ohne weitere Erklärungen erfassen, was ich meine. Oder du kennst diese Bildfolge mit dem weißen Hund auf dem Fahrrad in einer asiatischen Großstadt. Grundessenz beider Beispiele ist, dass das Leben manchmal eine Chance gibt für etwas, dass sich abhebt von den Erlebnissen des Alltags. Vermutlich sind meine Worte an diesen Punkt schon falsch verstanden worden,  oder ich wirke einfach wieder befremdlich/überbordend oder sonst irgendwas von dem, was man an dieser Stelle von mir halten könnte.

Daher lass mich dir am dieser Stelle eines erklären: ich bin weder verrückt noch verbissen oder verzweifelt. Ich bin mit mir im Reinen und was ich tue sollte erst einmal neutral betrachtet werden, denn so ist es niedergeschrieben.

Wenn ich mich selbst beschreiben müßte, dann wären das positivere Attribute. Ich will gerade es wagen mich erneut zum Honk zu machen, mich vor jemand anderes und vermutlich auch mir zu schämen, weil ich etwas getan habe was jetzt gerade zwar verrückt aber irgendwie auch schlüssig erscheint, später aber vermutlich nur noch peinlich ist. Denn wenn ich es nicht versuchen würde, wäre es eine vergebene Chance und davon. . . Davon habe ich nun wirklich genug.

Ich will es wagen noch einmal aus der abwehrenden, übervorsichtigen Art unserer Generation auszubrechen und mich selbst einzubringen. Einzubringen in dieses Spiel zwischen Sehnsucht nach echten Kontakten und Angst vor ungewollter Nähe.

Ich selbst denke mir bei dem schreiben dieser Worte, dass es schon ganz schön weit weg von dem ist, was man so zueinander sagt, wenn der Bekanntheitsgrad noch nicht den von wasauchimmer der Punkt ist den man da haben muss. Aber weißt du was?  Das ist mir ziemlich wumpe. Denn was habe ich zu verlieren? Verrückt ist ein Attribut,  dass ich vor einiger Zeit für mich geordert habe und zeitweise ausleihe.

Es gibt in mir diese Hoffnung, dass sich meine Art irgendwo in sich selbst fügt und Sinn ergibt. Dass das was ich schreibe unsinnig klingt und dennoch transportiert was ich von ihr erhoffe:

Das nämlich keine perfide und merkwürdige Art dahinter schlummert,  sondern ein Vertrauen in Menschen, jene Biester die wir beide nicht mögen. Ein Vertrauen darin, dass man mir glaubt wenn ich sage „ich tue nichts“. Nicht Unsicherheit und Bedürfnis mich treiben, sondern tatsächlich eine Entspanntheit und Freude an wertvollen Kontakten.

Hier erscheint mir eine gute Stelle, deinen Freund zu grüßen. Frauen wie du haben immer einen Freund. 😉 der Generalvorwurf der einem Mann gegenübersteht, wenn er Kontakte knüpfen will ist – dezent formuliert – ein kleines Hindernis in unbefangener Kommunikation mit Frauen. Kann ich sagen „du warst mir sympatisch“, ohne im geistigen Widerhall gleich „und bitte mach schmutzige, schmutzige Dinge mit mir!“ zu erzeugen? Aber auch das will ich wagen.

Klar und deutlich zu sagen, dass ich den Kontakt sehr genossen habe und deine Gesellschaft. So sehr, dass es mir als Verschwendung vorkäme, wenn das aufgrund sozialisierter Formularien stirbt. Hell, immerhin schreibe ich das hier alles! Gleichzeitig gehe ich auch das Risiko ein als Groupie missverstanden zu werden, denn wenn das so sein soll, dann ist das so.

Ich selbst bin jetzt an dem Punkt angelangt, an dem es mir schwer fällt mir zu folgen, darum will ich einfach mal mit diesen Worten enden:

Es würde mich freuen, wenn wir uns noch mal treffen. So mal ohne Hintergedanken, sondern einfach weil ich im Gefühl habe, dass unsere Begegnung wertvoll war. Wenn ich mich da irre, dann ist das so und dann lasse ich das hier ruhen.

Und nein,  ich bin nicht immer SOO kompliziert 😉

Lieben Gruß
Heinz-Dieter

Einer von denen

In letzter Zeit fühlt es sich wieder so an, als wäre ich – bezogen auf andere Menschen – genau zu einem Zweck in dieser Welt. Blöderweise ist das kein angenehmer Grund und so stehe ich vor einer Predulie meines Selbstwertes. Und vor einer gesamtgesellschaftlichen Überlegung.

Es gibt diese Menschen, die sind besonders dann wichtig und wirklich gute Freunde, wenn man sie braucht. Menschen auf die man sich verlassen kann,  die nach einem halben Jahr Stille  sagen: „klar komm ich dir beim Umzug helfen“ ohne zu erwähnen, dass du ihnen bei ihrem Umzug nicht geholfen hast. Menschen die Termine verschieben, wenn du schreibst du bräuchtest Ablenkung, auch wenn es für sie zum Nachteil ist. Denen du alles erzählen kannst und die versuchen dir damit zu helfen.

Es ist jetzt vermutlich nicht überraschend,  wenn ich mich (nach dieser Einleitung) in diese Kategorie Mensch einordne.

Was diesen Menschen allerdings auch passiert, oben ist es ja schon kurz angedeutet, ist eine gewisse Einseitigkeit darin. Dann ist das der dritte Umzug den er/sie in Anspruch nimmt, bei jedem eigenen allerdings stehen wichtige Dinge an. Bandprobe beispielsweise. Oder Seefahren.
Wenn er/sie in einer schlechten Phase ist, sind die meisten leider gerade komplett ausgebucht oder haben nach 5 Minuten die Lösung: „Stell dich einfach nicht so an. „, was in dieser, meiner und vermutlich jeder anderen Welt eine „nette“ Formulierung für „nerv mich nicht mit deinen Problemen“ ist.

Nun will ich nicht zu viel jammern über dieses Los – auch wenn mein Wesenstyp der eines Janmerers sein kann – sondern darauf eingehen, was das heißt. Vermutlich hätte ich zu Beginn des Textes darauf hinweisen sollen, dass in diesem Text gejammert werden wird.  Ah well.

Vermutlich können die meisten dieser Menschen mit dieser Einseitigkeit irgendwie umgehen. Nach einigen Jahren erwarte ich z.B. gar nicht mehr,  dass irgendwer für mich da ist,  di wie ich für andere da bin.  Das heißt jedoch nicht,  dass es mich (und vermutlich auch alle anderen) nicht dennoch enttäuscht oder verletzt.
Ich sah da vor kurzem ein Bild von zwei Wölfen.  Mutter und Kind; Sie mit unzähligen Pfeilen gespickt, und dennoch aufrecht stehend; Es mit einem einzigen Pfeil niedergestreckt.

Schmerz ist relativ, körperlicher noch weniger als seelischer.

Womit ich eigentlich enden wollte, muß ich nun dann doch schon hier sagen,  da meine Gedanken danach in eine andere Richtung trudeln:
Gedenkt in nächster zeit einfach mal euren Freunden,  die für euch da sind, euch aber irgendwie nerven/stressen oder mit denen ihr eben sonst nichts anfangen könnt. Zahlt mal was zurück oder tut ihnen den Gefallen und beendet das sauber. Sie tun es nicht weil sie daran glauben, dass in euch was Gutes steckt und ihr schon seht was sie geben. Idioten gibt es halt immer.

So.  Nachdem dieser – bestimmt nicht persönlich gefärbte – Exkurs vorbei ist auf zu neuen Ufern!

Was mich in diesem Thema, nach einigem Ringen mit meinem Ego (was noch immer ein knackiger Endbosskampf ist) fasziniert ist die Paradoxie unserer Gesellschaft. Wohlgemerkt betrachte ich gerade isoliert ein Element, also wird sehr wahrscheinlich in anderen Kontexten anderes gelten. Soviel zur wissenschaftlichen Exaktheit.

Immer mehr Menschen – dafür brauche ich keine Studien, auch wenn es sie mittlerweile gibt – sind einsam in dieser von Menschen überfüllten Welt. Gerade in Städten, wo Menschen wirklich nur dem Arm ausstrecken müßten um eine Handvoll verschiedensten Charaktere zu erreichen, sind viel zu viele Menschen alleine und chronisch untersozialisiert.
Gleichzeitig, so ist meine Erfahrung, wird es immer schwerer offen und unbefangen mit menschen in Kontakt zu treten. Über das Leid eines Mannes mit dem weiblichen Geschlecht in Kontakt zu treten habe ich mich ja in diversen Kontexten bereits ausgelassen. Aber auch anders… Beispielsweise der Kontakt von Männern/ Frauen untereinander. Die Integration einzelner in Gruppen. Alles das fühlt sich für mich – auch mit zunehmender Kenntnis um Arbeitsmethoden und Manipulationsmöglichkeiten die das Ganze umgehen – immer. . . dichter und verschlossener an. Selbst wenn du als Individuum dich also offen und freundlich gestaltest (in einem authentischen Sinne), wirst du zunehmend auf Unverständnis stoßen.  Fast so,  als würde Mensch verlernen,  was es heißt wenn jemand nett ist. Also einfach so.

Vielleicht schließt sich hier aber auch wieder der Kreis und ich bin nur einer von denen.

Für jeden Finger einen

Für jeden Finger einen Freund.
Stelle ich fest,
Überrascht von mir.

Für jeden Finger einen Zweifel,
An diesem Freund.
Überrascht mich nicht.

Für jeden Finger einen Grund,
Gegen den Zweifel.
Überzeugt mich nicht.

Am Ende stehe ich,
Niemand sonst,
Meinem Glück im Weg.

Darstellungen (Kapitel 1)

Kapitel 1

Er war noch nie ein Mensch für Museen. Selten gab es eine Ausstellung, einen Künstler oder überhaupt ein Bild, von dem er sagen konnte: „das fesselt mich jetzt so stark, dass ich aus dem staunen nicht herausfinde“
Er war noch nie ein Mensch für die Künste gewesen, nein wirklich nicht. Die endlosen Debatten seiner Kollegen und Freunde (zu denen ich mich auch zählen konnte) über dieses oder jenes Bild, jene Kunstepoche oder was sie (wir) nicht noch alles fanden um sich (uns) gegenseitig im ihrem kulturellen Wissen zu messen, waren ihm derart zuwider, dass er durchaus auch mal den Raum verließ.
Er war wirklich kein Freund der Kunst. Nie gewesen und wollte es auch nie sein,  sah er doch überall in der Kunst nur Anstrengung. In der Beschäftigung mit derselben nur Profilierungssucht.

Um so mehr erstaunte es mich, als ich durch einen jener Kataloge – eines jener Schundblätter, das man immer in hochwertigeren Wartezimmern findet – blätterte und sein Gesicht neben der Überschrift eines Artikels über zeitgenössische Kunstkritik sah. Ich schaute zur Sicherheit noch einmal genauer hin; doch das feiste, leicht aufgequollene Gesicht, welches verkniffen durch eine Nickelbrille in die Kamera stierte blieb seines.

Ich kann mich heute nicht mehr an den Inhalt des Artikels erinnern,  es war nur ein weiterer jener Aufsätze, die Arbeitsplätze sichern und Wartezimmerwartezeiten erträglich machen. Das Interview schlecht geführt,  die Fragen nichtssagend und entsprechend leer beantwortet.
Ich weiß aber noch, dass ich noch in diesem Wartezimmer zu meinem Handy griff, ein Foto der Seite in diesem ABM-Katalog machte und es an seine Nummer schickte, betitelt mit dem einzigen, was mir dazu in diesem Moment einfiel:

„???“

Später am Abend kam seine Antwort in einem für unsre Kommunikation typischen Stil:

„Morgen Abend, 20 Uhr. Stammkneipe.“

Die Wartezeit bis zu dem Abend kam mir, unerklärlicherweise, länger vor als die Wartezeit auf den Arzt vom Vortag, länger sogar als der Rest der Woche. Es wunderte mich, dass mich diese Kleinigkeit so sehr beschäftige.  Wir sind früher Freunde gewesen; sehr gute sogar. Aber wie so oft im Leben hatte sich das nach einigen Jahren auseinander gelebt. Es musste bereits mehr als ein halbes Jahrzehnt her sein, dass wir uns das letzte mal gesprochen hatten. Noch ein paar Wochen länger hatten wir uns nicht gesehen.
Waren wir damals im Streit auseinander gegangen? War da zwischen uns etwas vorgefallen?
Es fiel mir keine Antwort ein, wieso die Verbindung, die uns lange bestimmt hatte, mit einem Mal fort war. Wahrscheinlich ist einfach nur das Leben passiert. Zeit ist ein hungriges Haustier und wer nicht aufpasst bemerkt nicht, wie es einem unbemerkt große Teile des Lebens abknabbert.
Es war für mich befremdlich, nun mit dieser Intensität über ihn nachzudenken – mich aus einem inneren Zwang dazu verpflichtet fühlte – obwohl er in den langen Jahren zuvor nicht im entferntesten in meinem Leben aufgetaucht war. Nicht aus Ablehnung oder Verdrängung, er hatte schlicht nach einem Akt des Theaterstücks „Mein Leben“ keine Rolle mehr gehabt und niemand hatte es bemerkt. Nun jedoch hatte er erneut einen Auftritt im Stück und ich merkte, wie wichtig seine Rolle vorher war, wie sehr er mich interessierte, ich ihn vielleicht sogar vermisste.