Over Capacity

„Sag mal… Ganz ehrlich… unterfordert dich dein Job nicht total?!“

Es ist müßig auszuführen was in der Situation gesprochen wurde, denn das spontane Gestammel einer Person gegenüber einer Andren in der Kennenlernphase des Lebens ist austauschbar und einerlei wie das verfärbte Waschwasser archaicher Waschweiber an derelikten Waschstellen. Genauer nachgedacht entdecke ich einen Anglizismus, was mir jedoch erst durch Freund G. Klar wird (man will große Worte ja nicht falsch utilitarisieren). Klingt gut, bleibt so; bin ich doch immerhin Architekt, meist sogar Bauherr meiner eigenen Geschichte(n).

Letztlich soll für die Privatsphäre eine verallgemeinernde Zusammenfassung reichen: Ja, aber das ist schon okay.
Was bleibt und begleitet ist immerhin der Gedanke, warum das okay und was dazu führte das dem so ist und wieso und überhaupt. Also extrapoliert mein Kopf
There are two Kind of people: those that can extrapolate from incomplete data.
und geht auf die Suche eines übergreifenden oder Zugrunde liegenden Themas. Come, walk with me stranger, for the night is dark and the hours long.
Or full of terrors, wenn man ‚Meta‘ genug ist.

Cut. Es muss zum Thema, genug der Ablenkung. Und wer wären wir, dem Text sein Thema zu verweigern!
Also kein einziges vergeudetes Wort mehr um etwas anderes als das, was im Titel ominös angedeutet, durch das englische weltmännisch aufgepeppt und dessen Pointe im ersten Satz quasi schon erklärt ist. Ganz wie es mein Stil ist; Redundanz sei meine Winterdecke, ich lege mich zur Ruhe damit und komme zum Frühling darunter hervor.
Ich stelle den Wecker auf Februar, dann können wir noch kurz kuscheln. 

Der afrikanische Pinguin trägt wohl auch den Namen ‚jackass penguin‘. Und unter Weiterem in der Kategorie Kamele:

Ein Symptom unser Zeit ist es, so meine abschließende Diagnose
Lassen Sie mich durch ich bin Heiler Lvl 83!
für die Weile bis die nächste kommt, dass wir unser gesamtes Potential (unsere Kapazitäten) ausschöpfen. Ob wir das wollen oder nicht sei dahin gestellt, dass hier soll keine sozialkritische… wobei doch!
…ich wiederhole mich nur ungern…
Sensibilisiert durch die Diskussion um meine Lebensführung, eingebettet als Sozialassi in einem Nest von Gutbürgerlich funktionierenden Erwachsenen (manche von denen sind jünger als ich), betrachtete ich, wieviel Platz wir Menschen uns eigentlich so im Leben lassen.

Es wäre vielleicht übertrieben zu behaupten, dass der Wunsch nach Erfüllung durch (viel) Arbeit, ein möglichst ausgeglichenes Privatleben und Beschäftigung am Wochenende, gesunder Schlaf und sowieso Allem
…hier fliegt gleich Alles in die Luft…
der Optimierung produktiver Arbeitsdrohnen gleichkommt; aber Übertreibung dient bei mir der Verdeutlichung und ein wenig kann man das schon so sehen, eh?

Mein Beruf ist schön und etwas das ich mir wirklich ausgesucht habe, keine Notwendigkeit hat mich dorthin getrieben oder würde mich dort halten, wäre das anders. Wenn ich dort bin arbeite ich gerne und möglichst gut. Just doing my job doesn’t suit me, könnte man sagen. Gern arbeiten geh ich dennoch nicht und die Rahmen meiner Arbeit sprengen meine Kapazitäten (es war ja Eingangs schon erwähnt) nicht. Auch wenn ich dafür in einen beständigen Dialog gezwungen werde – ähnlich der Frage warum man eigentlich keinen Alkohol trinkt, nie anders herum -, hat sich mit bislang noch keine unabdingbare Logik ergeben, dies zu ändern. 

Letztlich, so erklärt es sich für mich, geht es immer um eines: du (also ich) kannst doch mehr aus dir machen. Und das du das willst ist gegebener Fakt, immerhin hat du das Potential und das nicht auszuschöpfen ist Vergeudung.
It is known.

Eigentlich muss hier noch Text. So voll krass mit Message und so… 
Stumpf is‘ Trumpf

… but let’s not go over capacity.

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Redewendepunkte

Ich liege im Bett, muss wohl eingedöst sein. Vermutlich habe ich dabei ein wenig gesabbert, mein Mundwinkel fühlt sich noch ganz klebrig an. Doch als ich nachfühle spüre ich nichts. Scheinbar bin ich auch hiermit in einem Halbzustand gewesen; so wie ich nicht richtig geschlafen hatte, nun aber auch nicht richtig wach bin sondern mit einem Kopf wie kurzsichtiger Wackelpudding herumvegetiere. Ich bin müde, so müde. „Müdigkeit ist bei mir eine Lebenseinstellung.“

Mein Rücken schmerzt und als ich die Schultern nach hinten durchdrücke knackt es laut, so dass der Kater erschrocken ins Zimmer blickt. Es könnte allerdings auch sein dass er einfach nur nach Beute geschaut hat. Unerklärliches Wesen das Vieh. Ich mache mir Gedanken um einen Buckel; vielleicht ist es aber auch nur noch ein tiefsitzender Rest des  Muskelkaters vom Sport. Ich habe zu lange keinen mehr gemacht. „In meinem Alter muss man ja auf sich aufpassen.“

Ein Hustenanfall überkommt mich, meine Brust scheint hierbei gegen eine kleine, knorpelige Kugel in meiner Brust zu drücken. Ein Klumpen getrockneter, widerborstiger Krankheit die meinen Körper nicht verlassen will. Oder nicht verlassen soll, ich bin mir nicht ganz sicher ob ich nicht doch einige Allergien habe die bislang nicht beachtet wurden. Das sollte ich mal checken lassen. „Den Husten habe ich seit November 2015, der ist nicht mehr ansteckend.“

Der neue Job fordert mich heraus, auch wenn heute nicht einmal viel zu tun war. Mit Menschen und so, dass ist immer anstrengend und sieht nach entspannt rumsitzen aus. Wieder einmal denke ich darüber nach warum ich kein Informatiker werden und gut Geld verdienen wollte. Das mit der Erfüllung klappte auch im zweiten Beruf nicht, da hätte ich auch ans Geld denken können. Doch was solls, ich mag es. „Verwechsel das nicht, ich bin nur für Geld sozial.“

Ich trage meine Redewendungen wie ein Schild vor mir her und bagatellisiere mein Wesen mit einer Vehemenz, die mich hin und wieder innehalten lässt: Im Sprechen, im Handeln, im Schreiben, seltener im Denken. Wie ich es feiere, wenn mir die Menschen perplex gegenüberstehen, den Fokus auf mich verlieren und wieder um ihre eigenen Probleme kreisen. Das ist Plan und Programm des Ganzen.“Der Wassermann ist ein Wesen, dass es liebt seine Umgebung zu verwirren“

So lebe ich ein Leben inmitten der mich umgebenden Menschen, Konstrukt meiner eigenen Redewendungen und doch anders als Es ist; verschlingt sich der Pfad meines Selbst doch in regelmäßiger Penetranz. Je mehr ich mich selbst dekonstruiere, je deutlicher ich meine Konstruktion erfasse, desto unverständlicher wird das Resultat meiner Handlungen. Auch das: Plan und Programm. „Zu schlecht um in dieser Gesellschaft zu funktionieren, zu gut um darin unterzugehen.“

Ich las einmal, Menschen liebten das Mysterium. In meiner Sucht nach Leben verwirrte ich mich dabei um mich selbst, verpasste jenen Wendepunkt an dem ich mir noch Rede und Antwort stand. Als ein Konstrukt sinnvoller und sinnbefreiter Redewendepunkte bleibe ich unergründlich, sind meine Gründe doch nichts anderes als Bauwerke des Darüberliegenden. Oder der Darunterbuckelnden, wer weiss das schon.“Wir spielen immer eine Rolle, manche passen uns nur besser.“

Perspektive ist eh so ein Ding. Man muss sie haben um sie zu verstehen, selbst dann ist sie fraglich in ihrer Konsistenz.

So kommt und geht es eben

Ich sitze am Hauptbahnhof auf dem Platz der nicht der Europaplatz ist, sondern der andere, der dessen Namen ich mir nie… Washingtonplatz! So heißt der… glaub ich. Könnte auch ‚Betonwüste mit dahingesprenkelten Betonklötzen‘ heissen, aber da er nun einmal (vermeintlich) Washingtonplatz heißt bleibt nichts als sich zu wundern woher der Name kommt. Bis zum nächsten Vergessen und Erinnern. So geht es eben.

Ich sitze in der Sonne – im Schneidersitz, mit krummem Rücken, in schwerem Wintermantel, mit Mütze – auf einem Kubus aus Beton und verweigere es mich zu entblößen. Viel zu angenehm ist das wohlig warme Kribbeln unter dem dicken, schwarzen Stoff meiner Kleidung, viel zu kurz die Zeit die ich in Zwiesprache mit jedem einzelnen Sonnenstrahl gehen kann. Es ist ein bewegter Platz, hektisch in seinem Treiben, an jeder Ecke gefüllt mit sich sonnenden Menschen. Ströme von Koffern und dazugehörigen Leibern hasten an mir vorbei; ein wenig erinnert es mich an eine Robbenkolonie. So kommt und geht es eben.

Da ich Musik im Ohr habe, dem Drumherum das zugehörige Getöse, Gemurmel und Raunen nehme, versickert diese Lebendigkeit im grauen Hintergrund meiner Wahrnehmung und eine merkwürdig andächtige Stille tritt ein.
Ich springe gedanklich in den Hochsommer 2015 zurück: das Fez-Gelände, auf einer Parkbank am Wasserbecken. Es ist später Nachmittag und die Sonne hat allem Lebendigen und Unbelebten die Motivation aus dem Leib geballert. Die Eltern sind mit ihren Bälgern geflohen, es sind gefühlt 40 Grad oder mehr aber da der naheliegende Badesee wegen Bauarbeiten nicht geöffnet hat sind sie selig weit weg. Ein Wetter, dass einem der Schweiß schon bei der Erinnerung aus allen Poren läuft. Ich saß bestimmt eine halbe Stunde unbewegt auf der Bank und hielt auch so einen stummes Gespräch. Die Sonne in ihrer gnadenlosen Wucht, die Luft in ihrer dumpfen Abgebrühtheit und ich in der Stoik eines Menschen nach einem anstrengenden Arbeitstag. Seit jenem Tag ist mir nicht mehr zu heiß, wenn ich in der Sonne sitze. So kommt es eben.

Hinter mir wabern kalte Schwaden aus dem Gebäude, die jenen Bauwerken zu Eigen sind die tief in Erdschichten eingegraben wurden. Kalte Luft, geboren in einer Umgebung bar jeglicher natürlicher Wärme und aufgewachsen in Hallen und Tunneln die sich im Dunkel der Welt verlieren. Höchstens die Wärme der Menschen die zu ihren Zügen rennen lässt sie erahnen was das Konzept von Wärme sein soll. Im übertragenen Sinn wird ihr nicht einmal die herzliche Wärme der Menschen zuteil, die Wiedersehen oder Abschied zelebrieren; ist ein Bahnhof doch in seiner Sache – so las ich einmal – einer jener Nicht-Orte, den Menschen betreten um ihn zu verlassen. Mitleid überkommt mich mit jenen unschuldigen Luftschwaden, die aus der platon’schen Höhle treten und von der strahlenden Wirklichkeit der Wärme zerfetzt werden. Doch so kommt und geht es eben.

Ich denke an den Mitbewohner, der mir mehr Familie ist als die meisten meiner Familie. Die Mitbewohnerin die mehr Katze ist als Mitmensch und mich mit ihren unzähligen Schlafpositionen stets zum Lächeln bringt. Der Kater unserer Gemeinschaft der mehr Charakter besitzt als die angepassten Fleischhülsen mit denen ich vorher lebte. „…vielleicht ist es ja wie bei einer Auster mit dem Öffnen und dem Schließen und am ende kommt eine Perle raus.“ Sagte er. „Eine Perle ist nicht mehr als mit Glanz überzogener Dreck.“ Entgegnete ich. Er nennt mich meist nur noch Rabe; Recht hat er. Später wird er berichten: es wird keine Perle werden. Ich bin nicht überrascht, denn eine Sache die von andauernden Hoffnung genähert wird ist meist eine Suche nach dem Goldtopf am Ende des Regenbogens. So kommt es eben nur selten und geht dann doch anders.

Mein Zug fährt bald und ich mit ihm, wenn ich es schaffe mich von meiner kleinen Insel der Wärme zu lösen. Mich fröstelt es bereits bei der Vorstellung an die Minuten auf dem Bahnsteig, denn es wird mir niemals vergönnt sein so zum Bahnsteig zu kommen wie der Zug. Es scheint ein kosmisches Gesetz zu sein, dass ich auf den Zug warte. Ähnlich dem Symptom in dem ein Arzt niemals leserlich schreiben kann wenn er etwas verschreibt, oder in dem die Garantie eines Geräts stets in der Woche zuvor anlief. Ich werde fahren, für eine Weile noch, denn so kommt und so geht es im Leben.

Morgendliches Gezwitschere

Da sitz‘ ich jetzt an einem dieser Morgen, die ja dafür da sein sollen das man ‚mehr vom Tag hat‘ und ich denke mir unentwegt:“Verfickte Scheiße, wer braucht diesen Kropf vom Tag?“

Das klingt jetzt so als hätte ich die Gedanken textrein umgedichtet; denn so denkt doch –  also wirklich genau so – ja so denkt doch einfach keiner. Well… Bullshit. Ich denke exakt genau so. Genüsslich polemisiere ich in meinem Kopf umher, denn die Narrenfreiheit habe ich für mich in meinem Kopf ja gepachtet. Die Gedanken sind frei und so – was denn? Ich lebe in Berlin, da darf ich sowas schreiben.

Ich sitze also zu Zeiten in der Sbahn zu der man sonst nur Kinder zum Brötchen-und-Bier-holen aus dem Haus jagt und bewundere die majestätische Pracht eines in grau getünchten Mickermorgens. Mit grauen Elementen zum aufdunkeln, es soll ja langweilig bleiben. Einheitsbrei um mich herum zum Frühstück, denn um was Gescheites zu frühstücken hatte ich nicht die Zeit . Da kamen mir ungefähr neun mal „nur noch fünf Minuten“ dazwischen. Und um die muß sich ja auch einer kümmern.

Wo kämen wir da generell hin? Wenn jeder einfach so die Hindernisse des Alltags überwinden und seinen Kram erledigen würde. Das wäre die totale Diskriminierung gegenüber allem was verschoben werden will! Eine Welt voller zufriedener, ausgeglichener und erfüllter Menschen… Mir käme mein Frühstück hoch, hätte ich eines zu mir genommen.

Ich nibbel an meiner Hipsterbrause.

Es ist entspannend, dass wir das morgendliche Gezwitscher der Flugratten gegen das Gezwitschere mit unsren Denkophonen eingetauscht haben. Außer wenn jemand vergessen hat den Ton leise zu stellen herrscht angenehme Stille im Zug – nicht das ich diese wahrnehmen würde, ich habe wie immer Musik auf den Ohren und verhinderte jegliche ungewünschte Annäherung.

Es ist sowieso einfach nur schlimm wie sehr die Menschen vereinsamen mit diesen Smartphones. Ich erinnere mich noch dunkel an meine Kindheit und all das viele Gequatsche mit Fremden im Zug oder Bus. Und die alle waren ja auch total offen für unvergnügliche Schmalspurgespräche mit ihren miefenden, besoffenen, oder anderweitig debilen Mitreisenden. Ach, was war das nur für eine wundervolle Zeit in den smartphonlosen Tagen, als die Menschen noch ihr Bedürfnis nach sozialem Kontakt mit den anderen ausgehungerten Leidensgenossen teilen konnten.

Ich nibbel weiter an meiner Hipsterbrause. Irgendwie bekommt mir der Prollsarkasmus gerade nicht.

Der Zug rollt weiter in Richtung eines Ziels mit dem ich mich lieber nicht auseinandersetzen möchte, also lenke ich meine Gedanken wieder in die Richtung der Smartphonesucht unserer Zeit. Jener scheinbar vereinsamenden Wut, die uns umtreibt und den mannigfaltigen, uns umgebenden Kontaktmöglichkeiten die kalte Schulter zeigen lässt.

Ich bleibe wieder daran stehen, dass diese Menschen um mich herum -ich nicht, ICH schreibe ja wichtige Literatur! – dass diese Menschen also irgendwie doch fast alle… nunja… kommunizieren. Mit Menschen. Nur eben Menschen die sie gern haben oder die sie gern haben wollen und treffen oder ficken oder oder oder… Also zumindest Menschen die sie kennen, wenn auch nur flüchtig vielleicht. Menschen, die ihnen etwas bedeuten im Gegensatz zu den ganzen Dumpfbacken die sie gerade umgeben. Früher, als ich klein und gerechtfertigt unwissend war, da nannte sich sowas Beziehungspflege. Vermutlich auch so etwas, das die jungen Menschen von heute nicht mehr tun. Also ich auch nicht. Oder ich doch schon noch?

Ich schlürfe den Rest meiner Hipsterbrause. Wie immer muß ich pissen wie ein Hirsch sobald das passiert.

Wann bin ich eigentlich alt? „Trau keinen über dreißig“ ist ja nicht mehr relevant, da wir ja alle Nazis sind. Ich dank meines Geschlechts und meiner Hautfarbe. Nur eines davon berechtigt mich zum Rassismus aber immerhin muss ich gar nicht mal was tun um es zu sein. Und das andere ist als genereller Vorwurf sowieso immer geeignet. Da müsste ich jetzt mansplainen um den Unterschied zu verdeutlichen.

Alter ist so ein Ding, welches die Menschen benutzen wie es ihnen gerade passt, oder? Brauch ich ne Ausrede gegen Sport, hab ich ja gestern erst.. und in meinen Alter braucht das länger bis…

Da ich aussteigen muß und nicht mehr genug Hipsterbrause in mir drin ist um weiter über so einen Rotz nachzudenken, werde ich vermutlich gleich einfach ein Kind schubsen und einem alten Man den Stock stehlen. Vielleicht werf ich auch ner Schwangeren was auf den Boden. Oh! Oh! Oh! Und irgendwas Fremdes anpöbeln. Am besten was das nach Ausland aussieht. – Ich bin Sozialarbeiter, ich darf das.

„Karma’s a bitch“ und so. Gleichmäßig ätzend sein und du klebst nirgends fest, wah?

Erwachen

Es ist 7:44 Uhr und ich werd mit einem Glockenschlag wach. Nicht das es eine Glocke gegeben hätte, ich werde einfach nur, „Dong“, wach und liege im diesig dunklen Zimmer. Es ist eine Angewohnheit von mir, einen totalen Kaltstart vorzunehmen und ich fahre mein System innerhalb kürzester Zeit komplett hoch: die Möbel rücken an ihren Platz als sich meine Augen an die morgendliche Dämmerung anpassen, mein Nervenzentrum erinnert sich an die pochenden Kopfschmerzen von gestern Nacht und rammt mir einen Doch ins Auge, meine Ohren füllen die Umgebung und machen aus dem Geräusch im Hintergrund das Knarren eines alten Hauses… aber vor allem wachen meine Gedanken mit auf.

Zuerst denke ich: absurder Traum, hatte ich doch von merkwürdigen Dingen wie Studentenpoolpartys im heimatlichen, dörflichen Garten geträumt welche jäh von Insekten unterbrochen wurden die sich unter die Haut bissen und dort sichtbar entlangschlenderten, gänzlich unbekümmert auch wenn man mehrfach drauf schlug.

Anschließend denke ich: hat dir jemand geschrieben?  Aber dein Handy ist lautlos, dass hättest du nicht gehört. Und schaue dennoch nach, vielleicht hat sie geschrieben. Was sie natürlich nicht hat, ich bin später ins Bett und die einzigen Nachrichten die verfügbar sind können auch bis später warten.

Ich philosophiere ein wenig über meine Abhängigkeit von diesem Gerät und im rhythmischen Puckern meines Kopfes ordnet sich die Veränderung der Hintergrundgeräusche zu der Erkenntnis des morgendlichen Erwachens der Eltern.

„Schlaf mal lange. Schlaf dich so richtig aus.“ Sagte meine Mutter und auch wenn wir nicht viel gesprochen haben hat sie vermutlich wieder viel verstanden. Es ist ironisch, dass ich heute schlechter schlief als sonst.

Vermutlich ist es gerade meine Art: vorzeitig erwachen nachdem meine Träume eine merkwürdige Wendung nehmen. Danach wach im Bett liegen und wieder viel mehr wahrnehmen und erfassen als im Traum, jedoch reglos verharren. Das Hirn gefangen im Tempo des Körpers. Der Wille gefangen in den Umständen.

Ich sollte noch einmal schlafen. Richtig diesmal, erholsamer. Vielleicht wache ich dann langsamer aber mehr im Gleichklang auf. Das wäre zumindest ein Anfang.

Unter der Dusche

Das Kreisen der Gedanken
Im Auf und Ab des Lebens.
Geburt, Leben, Sterben, Tod
Im rauschenden Wasser.

Der ewig chaotische,
Ewig gleiche Rhythmus.
Fortgespült, vergangen:
Wasser zu meinen Füßen.

Das fragende Leben
Oder doch nur Wasser?
Rauschend in den Ohren
Lauter, Leiser; Auf, Ab.

Eine Frage der Haltung.

Die Haut fiebernd
Im Wechselbad der Lust.
Das Hirn gefesselt
Im Reigen der Tropfen.

Das ewig fortdauernde,
Ewig treibende Fließen
Zerrinnend, reinigend:
Spiegel meines Ich.

Prasselnde Wasserschläge,
Sexuelle Erregung?
Im Spiel des Lebens,
Widerlich überreizte Geilheit.
Wasser, Luft; Hitze, Kälte.

Eine Frage der Laune.