Du weißt es noch nicht VIII

Ich will schreiben!
Über dich,
Dein Feuer,
Deine Lust.
Das Leben, das du bist.

Ich will schreiben!
Über uns,
Unser Leben,
Unsere Zeit,
Das Glück, das wir sind.

Ich will schreiben!
Über mich,
Mein Glück,
Meine Kraft,
Das Feuer, dass ich bin.

Ich will schreiben!
Über mich, dich, uns.
Was war, ist, sein wird.

Du weißt es noch nicht,
Aber du wirst es wissen.

Bis dahin.

Eine Handvoll

Neulich tauchte vor meinem inneren Auge das Wort „Glück“ auf. Ich nahm es, zerknüllte es so lange bis es kugelrund und fest war um es anschließend – nach einem letzten abschätzigen Blick – mit aller Kraft von mir weg zu schleudern.
Wie das so mit unseren Bildern im Kopf ist, blieb auch dieses – in unterschiedlichen Blickwinkeln, mit wandelbarer Geschwindigkeit und durch verschiedene Gedankenmoderatoren kommentiert – haften. Mal war es mehr das verknitterte, zusammengepresste Wrack dessen, was mein Glück hätte sein können, das mir in Erinnerung blieb. Dann wieder war es mehr die rohe Gewalt, mit der ich dieses Objekt von mir stieß; der Hass, den ich in allen Poren meines Seins spürte, wenn ich es weit weg von mir landen sah.
Nach einer Weile, mein Kopf ist die endlose Wiederholung trivialer Dinge vermutlich ausweichend gewohnt, beruhigt sich das Szenario jedoch zunehmend und nach dem Flächenbrand der beschissenen Kameraeinstellungen, Kommentare und Live-Berichterstattung folgt – wie eine kühlende Welle, wenn man am Strand liegt und vor sich hinbrutzelt – das sanfte Geplapper meines inneren Philosophen:

„Was, wenn der Weg, den der Ball hinter sich legt, der Weg ist den du gehen musst um dein Glück zu finden? Was, wenn du dein Glück kanntest und es in einem, alles entscheidenden, Moment nicht verloren, sondern verbannt hast? Was, wenn du genau den Weg gehen musst, den dein Glück geflogen ist, weil du sonst nicht anders kannst als es zu verpassen? Was, wenn….“

Die Fragen, die ich mir stellen kann sind endlos. Doch wird alle Beschäftigung mit dem „was wäre wenn“ eines nicht vertreiben:

Es gibt Glück. Egal wo, egal wie. Ob verloren, verbannt oder zerknüllt… irgendwo da draußen liegt es.

Das ist doch ein Grund weiterzumachen.

Du weißt es noch nicht

Ich werde dir gut tun,
So wie du mir gut tust.
Ich weiß wie du aussiehst,
Ohne dein Gesicht zu kennen.
Ich werde dich finden,
Ohne dich bewußt zu suchen.

Wir kennen uns noch nicht,
Und spüren einander schon.
Wir sind uns noch fremd,
Und sind uns bereits vertraut.

Du weißt es noch nicht,
Aber du wirst es wissen.

Bis dahin.

Das Gegenteil von Unglück

Die andere Seite der Medallie liegt oft unter dem Samtkissen der Zufriedenheit. Glück, wenn man es so nennen will, kann ich oft nur erahnen.

Was liegt dort, wenn ich mich umdrehe und nicht nur nicht unglücklich, sondern das Gegenteil sein will/soll/muss? Wie komme ich durch die Schleier der hart antrainierten Unglücklichkeit? Wie kann Unglück persistent, Glück jedoch so flüchtig sein, wenn es doch eigentlich gleich -nur gegenteilig- sein soll? Wenn ich in einem Kreis loslaufe, wie ermittele ich den Gegenpunkt, wenn mir versagt ist, durch die Mitte zu schneiden?

Antworten wären hier super. Wirkliche Antworten die nicht jenes unbestimmte Gefühl von Unzulänglichkeit hinterlassen. Das Gefühl, letzten Endes dann doch nicht das gefunden zu haben wonach ich suchte, sondern eine halbgare Variante irgendwo dazwischen.

Zu klug um in diesem System nicht zu funktionieren, nicht klug genug um mehr als Durchschnittliches zu erreichen. Diesen Spruch habe ich so in etwa vor einer Weile gelesen -auf englisch natürlich – und immer wieder merke ich… da könnte was dran sein.

Von Einem, der auszog als er seines Lebens zufrieden ward (1)

Es war ein sonniger Tag, als er beschloss sein Leben, so wie es gerade war, müsse sich ändern. Nicht einer jener grauen, tristen, kalten und generell lebensverachtenden Tage, sondern ein echtes Prachtstück von Zeit. An solchen Tagen wurden Postkartenfotos geschossen; gingen Paare hinaus und stellten fest, dass sie sich noch immer liebten; wurden alte Knochen munter und Eltern einspannt genug um ihre Kinder den Unbillen des Monsters Mutter Natur auszusetzen. Vögel zwitscherten, dort wo sie sich zu zeigen pflegten, bis ihre Kehlen heiser wurden und die Menschen erfreuten sich beim gemütlichen Picknick daran.
Kurzum, es war ein Tag, an dem selbst Anwälte den Schlips lockerten und alles Leben Sinn zu ergeben schien.
Und genau an diesem Tag also beschloß er, sein Leben passe zu sehr zu ihm und das sei mit sofortiger Wirkung zu ändern.
Er ging zu seinem Kleiderschrank, öffnete ihn und sah nichts als geschmackvolle Kleidung, die genau seinem Stil entsprach, seine körperlichen Stärken betonte und die Schwächen weicher gestaltete. Er schloss den Schrank wortlos und warf den Koffer, den er schon zur Hand genommen hatte, ungefüllt und achtlos in eine Ecke.
Unschlüssig, im dicken Mantel seiner eigenen Gedanken nahezu unfähig zu klar umrissenen Handlungen, wankte er aus seinem Schlafzimmer und fand sich – ohne genau Erinnerung, wie er dorthin gekommen wäre – nach einer Weile in Zentrum seines Lebensraums wieder.
Seine Wohnung erschien ihm im warmen und bezaubernden Licht der funkelnden Sonne mit einem Mal fremd. Die stilvollen Holzmöbel, die bequeme Couch, die dezenten Dekorationen – welche das Interieur auf das exakt passende Maß füllten, damit es nicht zu voll und auch nicht spartanisch leer wirkte. All das nahm verzerrte Ausmaße an. Die Wände schienen sich in ihren warmen und freundlichen Mustern zu drehen und winden, als würden sie in der lauen Luft unerträgliche Schmerzen leiden. Das Glänzen der Politur auf dem Eichentisch verlor seine Behaglichkeit und Wohnlichkeit und nahm einen bedrohlich summenden Farbton an.
Und über Allem schwebte das leichte Plätschern des kleinen Zimmerbrunnens in seiner „japanischen Ecke“, dass jedoch immer weiter anschwoll und in alle Ritzen seiner luftigen, hellen Dreizimmerwohnung drang, bis es schien als würde sie überlaufen, ihn umschlingen und er in einem einzigen, wirbelnden Dröhnen die Toilette heruntergespült.
Immer weiter strömte das Wasser um ihn herum, wanderte seine Socken und Hosenbeine empor, waberte um seinen – trotz aller Joga-, Pilates- und anderen Trainingsstunden – leichten Bauchansatz, um schließlich gluckernd in seine Ohren, seine Nase und seine Augen einzudringen. Mit einem Mal umgab ihn Stille, einzig unterbrochen durch das leise Plätschern des Wassers über ihm am Deckenlüster.
Und schließlich, wie von Weitem, drang ein Brummen zu ihm durch. Leise, stetig, sanft und als es ihm gewahr wurde, schien es fast als ginge es von ihm aus. Genauer gesagt von seinem Schritt.
Er griff nach dem Brummen und indem er sein Mobiltelefon aus der Hosentasche zog, kehrte er – mit einem fast hörbaren, zumindest jedoch für ihn deutlich spürbaren Schnappen – in die Wirklichkeit, wie sie uns alle Abseits unserer Gedanken umgibt, zurück.