Das Leben ist schön

Guter Film.
Aber auch programmatische Doktrin unsrer Zeit.
Es ist schön, es ist gut oder es soll nicht sein.

Dass es nicht komplett das Gegenteil sein kann ist auch klar. Das Leben ist nicht Scheisse, alles schlecht und die Welt ein Vorhof der Hölle. Aber sie ist es auch. Auch. Nicht nur, nicht immer, aber doch eben oft. Oder auch nicht, hier muß jeder auf seinen Lebenslauf schauen.

Letztlich bleibt: Beides gehört zusammen und das eine wegreden ist ebensowenig mein Ding wie zu leugnen, dass es nur eines gäbe und geben soll. Als der Geist der eher mal verneint habe ich mir natürlich eher die Sicht angewöhnt, die das Schlechte hervorhebt. Vielleicht aber bin ich auch da als Stellvertreter der Unterdrückten zu verstehen; denn das Leben ist nicht schön. Nicht nur. Und das finde ich schön! Diese Freiheit, wenn es nicht immer so sein muss, ist mir kostbares Gut in letzter Zeit.

Meine Darstellungen, in Dialogen mit anderen Menschen, sind oft vom Duktus eher… brutal und düster. „Uns steht nichts zu, nicht einmal dass wir leben. Auch das ist ein täglicher Kampf unserer Zellen, der von Tod, Regeneration und Wiedergeburt bestimmt wird. Wir haben kein RECHT dazu, glücklich zu sein, wir müssen es uns erkämpfen und selbst dann gibt es kein Anrecht darauf das es fortdauert.“ So und anders drücke ich mich dann aus. Meine Übertreibung dient eben der Verdeutlichung. Und das wir auch keine Pflicht zum Unglück besitzen bleibt dabei eben zu extrapolierende Information.

Doch von diesen Formulierungen leite ich keinesfalls eine negative und düstere Sicht ab. Im Gegenteil; würde ich gefragt werden (oder die Freiheit besitzen einen Text in einem Blog zu schreiben), so würde ich mich selbst als einen Menschen bezeichnen, der das Leben mehr bejaht als jene Menschen, für die alles schön sein muß und glücklich sein die Maxime des eigenen Handelns darstellt. Ich entschließe mich, den dunklen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu widmen, doch letztlich ist auch mir ganz deutlich bewusst: sie sind nur eine Facette im großen Spiel des Lebens (verzeiht dieses brechteizerregende Bild).
Meine Bilder malen in gedämpften Farben, doch sie wollen genauer hinsehen, lassen sich nicht blenden von glitzernden Visionen einer Welt die wir ebensowenig erreichen werden wie die postnukleare Schabracke einer Zukunft wie sie in meinen Worten entstehen soll.

Es ist meine Lebenskunst und mein Humor, die Beschissenheit der Dinge (auch ein guter Film) als etwas gutes anzusehen. Doch bin ich damit so verquer? Ist es nicht in selben Maße irrsinnig anzunehmen das es überall auf unserer Welt vor lauen und herrlich friedlichen Waldwiesen nur so wimmelt? Das wir, jeder einzelne, erfüllt und glücklich sein können – ach was müssen!  – wenn wir nur fest genug darauf hin arbeiten oder uns selbst überzeugen?

Die Konsequenz meiner Gedanken hat mich zu einer sehr klaren und kurzen Neuausrichtung bewegt: „ich möchte den Menschen um mich herum gut tun.“
Was jetzt nach der ‚Hassrede‘ vielleicht merkwürdig klingt… und doch sehe ich sie als einzige mögliche Folge. Glück, ‚gutes Gefühl‘, etc. müssen erarbeitet werden. Sie sind nicht intrinsischer Bestandtwil eines Hippiegetränkten Heileweltglaubens. Sie sind da wenn ich sie erschaffe. Doch ich bin nicht gezwungen dazu. Ich kann mich entscheiden wann und wie ich das tue, denn weder bin ich dann besser, noch vorher oder bei Verzicht schlechter. Und diese Freiheit – ich erwähnte es – ist für mich kostbar und Motivation.

Und mit der Freiheit hängt, glaube ich, auch der Ursprung einer (in welche Richtung auch immer gearteten) Fokussierung zusammen. Wenn die Welt immer Gut oder Schlecht sein soll, dann haben die Dinge ihren Plan. Ihre Bestimmung und damit auch ihre Grenzen. Das, hierauf gehe ich im Detail vielleicht einmal an anderer Stelle ein, schafft Sicherheit. Es ist einfacher zu überschauen, man weiß sich auszurichen und die Handlungsmuster können besser angepasst werden. Freiheit macht Angst.

Ich habe, das sei als Gleichnis zum Abschluß gewählt, einmal ein Bild gezeichnet gesehen in dem ein weißer und ein schwarzer Wolf miteinander kämpften. Dazu folgender Dialog: „Der schwarze Wolf steht für das Schlechte, der weiße für das Gute.“ – „und welcher wird gewinnen? “ – „Derjenige den du fütterst. “

Ein visuelles Emetikum, gewiss. Aber hier ist meine Antwort: beide füttern. Sonst ist es schneller vorbei und ich habe mein Leben auf beide verwettet.

Unter der Dusche

Das Kreisen der Gedanken
Im Auf und Ab des Lebens.
Geburt, Leben, Sterben, Tod
Im rauschenden Wasser.

Der ewig chaotische,
Ewig gleiche Rhythmus.
Fortgespült, vergangen:
Wasser zu meinen Füßen.

Das fragende Leben
Oder doch nur Wasser?
Rauschend in den Ohren
Lauter, Leiser; Auf, Ab.

Eine Frage der Haltung.

Die Haut fiebernd
Im Wechselbad der Lust.
Das Hirn gefesselt
Im Reigen der Tropfen.

Das ewig fortdauernde,
Ewig treibende Fließen
Zerrinnend, reinigend:
Spiegel meines Ich.

Prasselnde Wasserschläge,
Sexuelle Erregung?
Im Spiel des Lebens,
Widerlich überreizte Geilheit.
Wasser, Luft; Hitze, Kälte.

Eine Frage der Laune.

Zeit für Zeit

Das Leben fickt mich dezent von der Seite an.
So könnte man es sagen. Mach ich sogar. Denn das ist es, wie ich mich gerade fühle.

Die Deadline – welche nichts anderes als eine innere Hürde vor mir selbst und ein kleines Quäntchen Selbstbeherrschung in formlosen Zeiten sein soll – ist zu einem beständigen Puckern im Kopf geworden.
Oder das Wetter beschert mir diese widerlichen Kopfschmerzen.

Männer die jammern sind unattraktiv. Auch wenn mir das keine der Frauen glauben will mit denen ich darüber rede: dieser Satz wurde mir mehrfach von Wesen mit Brüsten bescheinigt. Und ich meine keine fetten Männer.

Ja das ist sexistisch. Suck it up, mir ist halt mal nach Polemik.

Und für stilvolles Geschreibsel ist irgendwie nie die Zeit, wenn ich die Idee im Kopf habe. Und wer mir nun kommt mit „man muss sich nur die Zeit nehmen“: während des Arbeitstages, inmitten der Begleitung eines von Kindern inszenierten Talentwettbewerbs ist wirklich kein Zeitpunkt um Stift und Notizbuch zu zücken. Zumindest nicht wenn einem etwas an seiner Umwelt liegt.

Lose Gedankenfetzen im Kopf. Unwürdiges Geschwuchtel in meinem Kopf, eigentlich nicht einmal würdig im geheimen schwülstig aufgeschrieben zu werden. Aber irgendwas muss ich ja ausscheiden, immerhin hab ich da diese verfickte Deadline.

Ja das war wieder politisch unkorrekt. Ich bin eben noch nicht fertig.

Es ist Zeit für Zeit. Sagte ich bereits. Sage ich erneut. Es ist Zeit für Zeit. Zeit um auszusteigen und die bitter nötige Handbremse zu ziehen, damit ich eventuell nur mit einem gebrochenen Jochbein davonkomme und nicht mein gesamtes Sein mit Vollspeed gegen die dicke Mauer der Erschöpfung brettern lasse. Das wäre zum einen sehr unangenehm für mich (man stelle sich hier comicartig einen Censay in Ziehharmonikaoptik vor) und zum anderen nicht direkt der gewünschte Effekt, den ich in meinem Leben eintreten lassen möchte.

Es ist Zeit wieder mehr zu schreiben; jene Katharsis am eigenen Geist zu fokussieren in der ich den widerlich schleimigen Klumpen all der unfertigen Gedankenauswürfe meines Geistes trockenlegen und polieren kann.

Die Deadline sollte ein Arschtritt an mich sein. Jedoch ist sie wesentlich mehr. Sie ist Wegweiser für mich. Batteriestatus (seit Monaten hat sich der Vorrat geschriebener Texte stetig verkleinert und ist nun leer) und Warnblinker im kleinen Cockpit meines Hirns.

Männer die jammern sind unattraktiv. Ich sollte mein Negligé anziehen.

Slices of Life

Der Mann neben mir muß emotional schwerhörig sein; zumindest redet er so laut, als müsse er sich selbst überzeugen. Seine Stimme ist ein ewig quäkender Schwall hilfloser Belobigungen eines Selbst, dass sich seiner eigenen Mängel unbewusst bewusst ist und doch gefangen im Versuch des Selbstbetrugs scheint.

Ich denke an tikerscherksches Schreiben und eine Sehnsucht überkommt mich;  mein Leben in Scheiben zu filetieren und zusammengestellt auf dem silbernen Teller der uns gemeinsamen Sprache zur Auslage eines zermürbten Banketts aus Gedanken zu legen. Es ist nur Plastikgeschirr vorhanden, doch auftun werde ich.

„Du bist so still“ sagt die eine aus der Runde und stelllt die Verkabelung zur Realität wieder her. „Scheint so.“entgegne ich und mein Blick folgt den Wirbeln des Windes irgendwo hin, nirgendwo hin, in meine Gedanken zurück.

Die Kinder um mich her kennen meinen Namen, noch bevor ich ihr Gesicht kenne. Eine wandelnde Legende unter vielen umherschleichenden Geschichten; bekannt für seine Tshirts oder den Umgang mit anderen ihrer Art (wunderschönen Morgen ihr Kackbratzen).

Beides gleich. Was jedoch nur lustig klingt wenn man Götz Widmanns Brummen kennt.

„Ich denke über den Wert von Zeit nach.“ und ihre Augen erzählen mir die Geschichte aus Langweile und Desinteresse, die ich schon kenne bevor sie gesprochen wurde. Ich schweige weiter, auch ich höre mich nicht gerne reden.

Der Sommer, den ich seit Monaten haben wollte, hat meine Laune verpasst und wabert an mir vorbei wie der dumpfe Bass aus den Boxen der Gruppe junger Menschen im Park, als wir einander davon überzeugen wollen, dass unsere Gemeinschaft nicht nur die sechs Wochen des gemeinsamen Arbeitens überleben wird. Auch wir reden laut. Natürlich von uns selbst in den besten Tönen.

Lass uns

Lass uns ohne Angst sein.
Versprich nur dieses mir.
Diese Kleinigkeit.

Lass uns ohne Angst sein,
Denn davon gibt es genug.
In uns, um uns.

Lass uns ohne Angst sein.
Leben wir das Heute
vor dem Morgen.

Lass uns…
Lass uns einfach leben.

Freudloser Superlativ

Du willst mich nicht missen in deinem Leben. Schreibst du; ich glaube aus einem kleinen Kaff, einige hundert Kilometer entfernt von mir. 

Du willst mich nicht missen, denn ich und mein Leben seien dir wichtig. In dieser Reihenfolge, als ob das zählen sollte. 

Ich bleibe stumm. Ziemlich lange. Klassisch der Punkt an dem etwas stirbt um danach das verkrüppelte Dasein eines Schattens von ‚Etwas Das Einmal War‘ zu leben.
…Dieses Wort… Leben. . . Es taucht in dem Text jetzt bereits zum xten Mal auf und ich bekomm es nie ohne kratzen im Hals hingeschmiert.

Was heißt das eigentlich, „im Leben eines Anderen“ zu sein?  Und was ist es, dass wichtig ist?  Was an mir ist wertvoll, dass es nicht fehlen darf.

Meine Meinung ist wichtig und der Input, den ich gebe wird wertgeschätzt. Manchmal sagst du sogar „unersetzlich“; aber alles ist ersetzbar.

Meine Ehrlichkeit ist dir wichtig. Das ich dir sage wenn du Scheisse laberst und den Arsch aus dem Kopf bekommen sollst; Oder anders herum, wen kümmert das schon.

Mein Rat ist wichtig, denn niemand sehe so hin und verstehe dich wie ich; was für eine Therapie super Voraussetzung ist.

So ginge es hier vermutlich noch eine Weile, aber es ist ermüdend sich das Ganze aus dem Leib zu schnitzen.

Wichtig ist, was ich gebe. Es fehlt, was ich dazugebe zu dir und den Dingen an denen du scheiterst; auch wenn niemand sagen würde das wir scheitern, weil es ja erbärmlich wäre und wir alle unser Leben ganz super hinbekommen.

Tun wir nicht. Wir scheitern zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens, lediglich unterschiedlich stark um letztlich am Leben an sich zu scheitern. Allein indem ich ein Konzept von Zukunft erzeuge scheitere ich am Moment. Es ist eine Frage der Ansicht wie ich es nenne und ob ich mich von Konnotationen leiten lasse. Aber das ist ein anderes Thema.

Was ist aber wenn ich nicht gebe? Oder doch zumindest nicht eines der unersetzlichen Dinge beisteuere? Wenn ich einfach bin? So wie wir alle einfach sein sollen, denn so wie wir sind sind wir alle einzigartige, wundervolle Butterflocken. Oder Schneeblumen. Beides gleich.

Aber auch die sind in der Anzahl endlich und irgendwann eine verfickte Kopie von irgendetwas anderem.

Wenn ich einfach bin? Wenn ich nichts gebe? Dann bleibt nichts. Zumindest nicht mit dir. Für meine amüsierende Gesellschaft scheint es zumindest nie genug Grund zu geben. Unsere Treffen gelingen eher selten und wenn, dann müssen sie eine gehaltvolle Schwere bekommen. Es muß um etwas gehen, am besten um eines dieser Dinge an denen wir scheitern.

Spontan dazukommen? Während andere dabei sind? Ich glaube diesen Gedanken haben wir nicht einmal erörtert. Ich bin ein kleines behüteten Ratkästchen. Dein einzigartiger, unersetzlicher und wertvoller … Therapeut.

„Ich hab mich noch spontan…“, „ach ne heute klappt nicht, meine Schwester kommt doch…“.

Es gibt immer Gründe. Gute sogar. Aber zurück bleibt der Gedanke: in welchem Leben bin ich nun wichtig?

Und ich erkenne darin dein Schema. Du weißt ja auch nicht, ob du Bock auf nen Kerl hast, denn dann musst du Kompromisse eingehen. Musst dich einstellen. Guter Grund. Versteh ich.

Du willst nicht vermischen. Die Aufmerksamkeit ganz geben. Und die Beste mag mich nicht – auch wenn du das nie zugeben würdest. Muttizeit ist reine Muttizeit. Gute Gründe. Versteh ich.

Ich hab allerdings keine Lust mehr auf Gründe und den fahlen Beigeschmack von Lüge,  wenn ich deine Worte höre oder lese, dazu deine Aktionen sehe  und letztlich doch wieder ankomme bei der Frage: wie wichtig bin ich nun in deinem Leben?

Ich antworte dir irgendwann einmal nur knapp:

„I don’t chase people anymore. I learned that I’m here, and I’m important. I’m not going to run after people to prove that I matter.“ Emily Y.

Das ist ein Ziel für mich. Kein Erleben. Ich renne noch immer; renne und hoffe, jetzt doch endlich mehr wert zu sein. Nicht für dich, nicht für alle anderen. Sondern für mich. Ich erkenne den Widerspruch und stehe doch neben mir, während ich lossprinte.

Aber ich höre auf damit. Immer mehr beende ich diesen irrsinnigen Wettlauf und tausche ihn ein gegen das was folgt: Einsamkeit. Denn man ist es von mir gewohnt, dass ich gebe. Das BIN ich. War ich. Wollte ich sein. Oder auch nicht. Man weiß es nicht. Doch fehlt das, wer braucht mich dann schon noch.

Meine Antwort hat dich verwirrt und verärgert weil es ungerecht ist. Ungerecht und du liebst mich doch und versuchst mich in Rahmen des möglichen. . .

Für wen ist etwas ungerecht? Für den, der es sagt weil ihm ein Nachteil aus etwas entsteht? Oder für den, dem ein Vorteil entstanden war, der ausgeglichen werden will? Ist es ungerecht weil du es nicht magst oder weil es nicht zutreffend ist?

Wenn das der Rahmen ist in dem ich gespannt werden kann, stehe ich erneut vor der Frage: in welchem Leben bin ich nun wichtig?

Ich kann mit einem Komparativ umgehen. Da brauche ich nicht viel Platz; Gewohnheit und so.

Einzig dieser verdammte Superlativ.

Der ist so groß und wie ich es schon einmal sagte ohne verstanden zu werden: ich will keine Rolle die mir nicht steht. 

Denn was bleibt, wenn das weggenommen wird was ich gebe:

Es gibt kein Leben in dem ICH wichtig bin. Nicht aus meiner Sicht zumindest und auch wenn das ungerecht scheint und verletzend.