Ironie meines Lebens

„Du schreibst ja gar nichts mehr!“ sagst Du. Genauer gesagt sagst Du das nicht, denn Dich gibt es nicht aber wie sähe es denn aus, wenn ich darüber schreiben würde, dass ich nicht schreibe!

Also sagst Du eben: „Du schreibst ja gar nichts mehr!“ und ich schaue dich nur mit müden Augen an. Die müden Augen habe ich in den letzten Jahren perfektioniert, streng dem Motto ‚Alles über sechs Stunden ist Luxus‘ folgend beweise ich seit… Immer, dass ich ein Mensch der Arbeiterklasse bin. Studiert und dennoch arm weil Soziales und bester Mensch und all der tighte shit.

Ironisch, dass ich nun – in einer Phase über die alle ungefragt ihr Menetekel ob meines zu erwartenden Schlafkontingents loswurden – mehr schlafe als in der Mehrheit meiner zweiten Lebenshälfte.

(Entweder platzt ein Knoten oder irgendein Gefäß)

„Ja, das stimmt wohl.“ antworte ich Dir – zumindest der Pointe halber sei es fortgeführt. Weitere Ausführungen spare ich mir Dir gegenüber; der Gestank von Ausrede liegt über Allem, breit und madig wie Griesbrei von letzter Woche. Es muss wohl ein Fass mit Phrasen verendet sein in irgendeiner Ecke.

‚Auch wenn ich sonst nur auf die Schnauze krieg, mein Leben begann mit einem großen Sieg!‘ sangen die wohl betrunkensten, prolligsten, unterdurchschnittlichsten Musiker und Lieblingsphilosophen ever. Es berührt mich immer wieder, wieviel Poesie diese Band in Alkohol, Frauen und Kiffen packen konnte.

Die Zeiten in denen es gut geht sind es, die mich belasten und verwirren; Der Sprung ins Kalte ist nur solange schlimm, bis er erfolgt. Alles davor ist Hirnfickerei und macht malade. Sehnlichst wird das ‚ich wusste es‘ poliert und, in den Gürtel eingenäht, mit herumgetragen – seine Stunde wird kommen.

Ironisch, wie sich das Glück verweigert wenn man es abweist; kenne mich da jedoch gut genug um es gelassen hinzunehmen. Nur keine Handlungen daraus erwachsen lassen; Stoik als Motivationskurve.

„Jeder sucht sich sein Unglück selbst aus.“ ist mir eine wesentlich sympathischere Variante zum Glücksschmiedetum geworden. Mit Unglück kenne ich mich aus, da bin ich Profi drin. Eintüten und weitermachen, der Wind bläst stetig weiter und schleift jeden Stein.

Ich propagiere an anderer Stelle die Immunität zum Verrat und hülle mich selbst in jene gläserne Glocke der Anonymität; die vermeintliche Dichotomie meiner zwei Identitäten. Rissiges Ego versus Alter Ego im Tanz um die Dogmen meiner Sätze. Immerhin konnte ich mir angewöhnen zu dem Lebensweg zu stehen, immer (immer ist so ein großes Wort) die Konsequenzen meiner Handlungen zu tragen.

Ironisch, dass ich deshalb wieder schreiben kann oder will; Die stachelige Muse des Selbstmitleid hat heute das Gästezimmer bezogen und scheint gerade ein Stelldichein mit der Eigenen Verachtung zu haben – los opuestos se atraen.

Läuft so… mittel. Lange habe ich überlegt mit dem, zufällig echt legendär passenden, Titel und Ende des letzten Text einfach Schluß zu machen. Tabula Rasa und woanders neu beginnen. Nicht mehr als ‚Tagebuch eines Verwirrten‘ und nur mit den Menschen die hier noch lesen… aber als was dann? Und was wenn keiner mitkommt? Und… Faulheit kann manchmal wirklich ein Segen sein. Schauen wir ob die Verwirrung erneut bleibt oder nur kurz zu Besuch ist.

Aus der Reihe „nicht eigener Inhalt“

Because sometimes sound punshes you into the guts, a voice ravishes your mind and together they gangrape your feelings prisonstyle; leaving you torn asunder and utterly, profoundly speechless.

(Embedded videos are soooo hip right now)

53 Minuten

Ich drehe mich um und der Zug fährt los. Perfektes Timing und ganz Hollywood schaue ich nicht zurück.
Ich stecke mir die Kopfhörer in die Ohren und baller mir das Gehör weg.

Still war es in diesen letzten Minuten. Traurig unser beider Gedanken, jene zarte Mischung aus Schwelgen in dem was war und Sehnen auf das was kommen will. Aber nicht ist und leider auch nie mehr als ein Augenblick in unser beider Leben sein wird. Die Ausnahme von Alltag und Konstrukten, die uns an andere Enden des Landes binden und auch dort halten.

Ich baller mir die Ohren weg, denn die nächste Verpflichtung für mich ist exakt 53 Minuten und ein mal umsteigen entfernt. Ich baller mir Musik in den Kopf um die ganzen Wünsche zum Schweigen zu bringen, die alle nicht meine sind und doch in mir zusammenfließen. Ich bin ein Schmelztiegel für den Frust, die Erwartungen, Hoffnungen und Verletzungen aller mich Umgebenden in diesen Tagen. Doch jetzt nicht. Jetzt bin ich Musik. Lärm und Beats. Zwingend,  schwingend, tragend. Ich bin hier. Ich bin allein. Ich bin ich.

Nicht mehr.
Nicht jetzt.
Nicht für verfickte 53 Minuten.

Danach geht es weiter und die Planung meines Lebens im Rahmen anderer haut mich kurz aus dem Takt. Weiter.

„Was wollen SIE denn?“ Ich weiß was ich will. Aber ich sehe auch, dass ich diesmal nicht dran bin das zu tun. Ich bin die Form in die Lava fließt, halte ich durch, wird es Kunst; Eine Lücke und es ist Pompeji.

Du fährst und ich bin zurückgelassen. Nur für mich. Für 53 Minuten. Ich rechne und komme auf die nächste Zeit „für mich“ irgendwann in einer halben Woche. Kurz flackern die Augen, aber dann hab ich mich wieder. Wird auch gehen. Kann ich ab.

Eine Wahl hat man ja immer. Die Frage ist ob man mit den Konsequenzen leben kann oder will. Aber eine Wahl gibt es immer. Höhnisch zu sich selbst. Hat auch was.

Ich drücke mir die Bässe ins Hirn und aus meinen Gedanken fließen die Worte. 53 Minuten. Nicht viel Zeit und auch schon vorbei wenn ich ankomme, umgestiegen bin und dabei niemand angeschaut habe sondern schreibe, den Blick engstirnig auf die Scheibe. Eng im Blick, weit im Kopf.

So fährst du zu deinem Leben und ein Stück von mir kehrt zurück zu meinem.

Tanzen, Trinken und Titten

Neulich war ich wieder einmal tanzen. Was für Menschen, die mich von früher kennen durchaus immer noch befremdlich ist, da ich lange Zeit eher meine Beine abgehackt hätte.  Prinzipien sind super solange man sich daran hält.
Wieauchimmer, irgendwann einmal musste ich jemandem (ich glaube das war ich selbst) was beweisen und habe mit Erstaunen festgestellt, dass ich tanzen nicht nur mag, sondern regelmäßig brauche. Sonst fange ich an an der Bushaltestelle zu tanzen. Und auch wenn mir das wenig ausmacht, befremdet es die Menschen um mich herum, was mich wiederum… und so weiter und so fort.
Kurzum: ich habe tanzen lieben gelernt und war also neulich wieder einmal auf meiner Lieblings…veranstaltung? Disco? Party? Wie sagt man dazu? … Sie nennen es Party. Also die von StarFM. Aber andere wiederum nicht. Und ist eine Party nicht eigentlich was anderes?

Aaaanyway. Ich. Tanzen.
Wenn ich tanzen gehe, so ist eigentlich die Begleitung austauschbar. Mal mit Freundin (wenn vorhanden), mal mit 10 Leuten, mal alleine. Aber eine Person muß nach Möglichkeit dabei sein, damit es ein garantiert lustiger Abend wird. Klar, alleine geht auch. Aber da ist dann… Ach das sollte doch später kommen. Nur so viel: allein als Mann suckt. Wegen der allein rumlaufenden/taumelnden Männer.

Also muss es eigentlich korrekt heißen: Ich und meine Tanzmaus. Tanzen.
Da sind wir also und tanzen. Was dabei vielleicht vor allem lesende Männer erstaunt: ich trinke nicht, also keinen Alk. Manches Mal habe ich schon gehört das ginge nicht. Dann könne man (Mann?) nicht so locker sein! Well: Bullshit. Wenn ich tanze, nüchtern wie die restlichen 364 Tage und Nächte des Jahres, dann bin ich… motiviert.

Vermutlich lachen während des Abends mehr Menschen über mich als ich mitbekomme und dann noch einmal mehr als ich mir vorstelle. Oder weniger, da müsste ich jetzt die Komplexe befragen. Ich bin beim tanzen das, was die meisten als „zuviel des Guten“ beschreiben. Wenn Musik läuft die mir gefällt (und das ist aufgrund guter Auswahl der Veranstaltung rund 80%), dann wird das Drumherum unwichtig und ich tanze wie ein Berserker. Da meine  Begleiterin auch so ist, ist das noch weniger wichtig und fürs Selbstbewusstsein auch nicht so sehr herausfordernd.
Da ich aber irgendwo auch ein Mensch bin und gerade Single, gibt es in mir immer wieder einen Teil, der sich umschaut und die alles entscheidende Frage denkt: wer könnte interessiert sein? Die schnelle Antwort: wenn du so tanzt und dabei schwitzt wie ein Schwein, vermutlich niemand.

Abgesehen davon ist es aber auch eine schwierige Sache mit diesem flirten/aufreissen/nenneswieduwillst. Nicht nur weil ich dann irgendwo doch schüchtern oder doch zumindest so verkopft bin, dass ich vorsichtig „rangehe“. Ich bin eben nicht betrunken und damit „zu rücksichtsvoll“. Denn wenn ich sehe, dass eine interessante Frau gerade zum vierten Mal innerhalb einer halben Stunde „elegant“ angetanzt und vollgelallt wird, will ich ihr nur noch anbieten so zu tun als hätten wir was, damit sie endlich in Ruhe tanzen kann! Denn das will sie wie ich sehe und das will ich ihr ermöglichen. Natürlich lasse ich das, sonst denkt sie nur ich sei Nummer 5. Es ist unglaublich, wie wenig Menschen einem glauben man sei nüchtern, wenn man nicht am Rand der Tanzfläche steht.

Good intentions aside gibt es dann tatsächlich aber auch Situationen, in denen es zu einem ersten Schritt kommt. Und dann kommt Rise Against und ich stehe vor jener schicksalhaften Entscheidung: tits or music. Klare Entscheidung für mich!

…wenn dann das Lied (und eventuelle gute folgende) vorbei ist und ich wieder ansprechbar bin sind die meisten entweder schon weg oder desinteressiert. Weil eben „too much“. Blöd, dass ich dieses Egogepinsel meist nur im Freundeskreis und auf Arbeit hinbekomme. Dabei weiss ich ja grundsätzlich worauf es ankommt…

Wie es sich für einen Berserker gehört, werde ich beim tanzen nicht müde. Nüchtern zu tanzen hat halt auch einen immensen Vorteil. Man kackt nicht ab. Meine Tanzmaus trinkt zwar, aber ich glaube die hat einfach Derwischgene. Wir tanzen uns also in der Regel durch die ganze Nacht und im Laufe dieser wackeln zunehmend mehr Betrunkene und auch Brüste an uns vorbei.

Es ist also für mich immer auch eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Anteilen in mir, wenn ich tanzen gehe. Der Lustmolch (hooray for boobies!), der Soziopat und der Musiknarr und letzlich gehe ich dann immer alleine nach Hause. Nachdenklich, Müde und meist am Ende meiner Kräfte… aber bestimmt nicht unglücklich.