Momente der Unendlichkeit

„What are you thinking?“
Fragt sie, als wir danach nebeneinander liegen und das Licht der Sterne ihre Silouette in mattes Leuchten hüllt. Sand besprenkelt die leicht gebräunte Haut, funkelnd im Schein ferner Laternen. Ich streiche ihn sacht von ihren Beinen und ihre Härchen richten sich mit einem leichten Schauern auf, strecken sich der vorsichtigen Bewegung entgegen und schmiegen sich an. Meine Finger wandern weiter nach oben, dem verführerischen Schwung ihrer Hüfte folgend, verweilen kurz an der Taille und finden an ihrem Hals, genau dort wo der Handballen auf der Schulter ruhen und meine Fingerspitzen den Ansatz ihrer langen Haare berühren können, eine nie gekannnte und doch vermisste Heimat.

Ich denke an den Moment. Den Moment der Leidenschaft, der inneren Verbundenheit. Den kurzen, flüchtigen Moment eines Lebens in dem das Glück unendlich scheint und doch – oder gerade deshalb – nicht länger als einen Augenblick währen kann.
Verglichen zur Unendlichkeit kann ein jeder Zeitraum nur nichtig und klein wirken, ist er doch nicht viel mehr als ein Glitzern im Meer der Zeit. Wir leben – verglichen mit anderen Lebewesen – relativ lange. Verglichen mit dieser Welt ist unsere eigene Dauer schon sehr viel kleiner. Gehen wir noch einen Schritt weiter, dann…

Meine Gedanken verwirren sich für eine Weile, während der ich darin fortfahre leicht die Wölbung ihres Nackens zu massieren. Ihre Wärme dringt durch meine Fingerspitzen in mich ein und lässt mich schaudern. Wieder, nur für den Bruchteil eines Augenblicks, sind wir verbunden; eines Atems. Ihr Puls pocht an meiner Haut entlang und findet, unbeschwert wie ein Sommerwind, den direkten Weg in mein Herz. Unser Sein verschmilzt, wird zu einem gleichmäßigen Klopfen in der Weite des Universums. Wir teilen unsere Leben durch das winzige Nadelöhr meiner Finger und strömen in diesem einen Moment über, als unsere gemeinsame Kraft die Grenzen eines einzelnen Seins sprengt.

„What are you thinking?“
Ihre Stimme lässt mich aus meinen Gedanken auftauchen und als mein Blick wieder in diesen Welten aufflackert, sehe ich die Andeutung einer Falte auf ihrer Stirn. Nachdenklich vielleicht, nicht ungehalten. Verwirrt vielleicht, nicht fordernd. Ich muß eine Weile geschwiegen haben.

Ich könnte ihr erzählen von der Nichtigkeit unseres Seins, in der wir heller strahlen als alles Andere.
Der wundersamen Schwere des Moments, kostbar durch die Leichtigkeit in der er sich verliert.
Der unendlichen Glückseligkeit des Seins, begrenzt in seiner Hülle und befreit in seinem Tun.

Ich könnte ihr erzählen:
von ihr, von mir, von uns
und dem was dort ist,
in der Unendlichkeit des Jetzt.

Doch als ich Luft hole um mich zu erklären weiß ich, dass meine Worte nur verstümmeln könnten was auch immer ich mitteilen wollte.
Also folgen meine Finger, ganz unbewusst und langsam – wie in Zeitlupe – der zarten Linie ihres Gesichts und während ich von ihrem Kinn sanft den Hals hinabstreiche finden meine Lippen die ihren.
Kurz darauf vergehen wir in einem weiteren, unendlichen Moment, den keine Worte beschreiben können, wollten sie nicht die plumpe Blaupause einer Verbundenheit sein, wie sie nur in der Nähe zweiter Seelen entsteht.

Commitment Pussies

Pussy, Unterart Commitment Pussy:
„Die gemeine Commitment Pussy (Im folgenden mit CP abgekürzt) hat ihren Lebensraum in allen Ländern dieser Welt, wobei jedoch eine erhöhte Häufung in dichtbevölkerten Teilen der Erde festzustellen ist. Ursachen werden hierfür in der erhöhten Auswahl an Mitgliedern gleicher Spezies und draus resultierend einer verringerten Zwanglage gesehen.
Die gemeine CP zeichnet sich durch ein erhöhtes Maß an ausweichendem Verhalten aus, was nahelegt, dass sie seit frühester Kindheit einer erhöhten, unverhältnismäßig großen Bedrohung durch Andere seiner Spezies ausgesetzt sein muss. Ein infolgedessen zu erwartender Populationsrückgang ist eine naheliegende Annahme, jedoch kann aufgrund eingehender Studien festgehalten werden, dass ein Anstieg der CPbevölkerung innerhalb der letzten 20 Jahre um mindestens 500% zu verzeichnen ist. Genaue Ursachen hierfür sind unklar, Theorien reichen hierbei von o.G. verringerter Zwangslage, genetischer Fehlbildung und hierdurch überhöhter Reproduktion bis hin zu Theorien, nach denen sich CPs von Menschen ernähren, was den Anteil selbiger prozentual erhöht.
Im allgemeinen ist eine CP jedoch meist harmlos. Bewährte Abschreckungsmittel sind sämtliche Zeichen ehrlicher Zuneigung oder Vertrauensbeweise.“

Nun, nachdem wir über unser aller Bibel, den Duden, geklärt haben, was ungefähr unter einer CP zu verstehen ist, möchte ich Ihnen heute meine – ganz eigene und wahrscheinlich für viele Ohren unglaubwürdig klingende – Meinung zum weltübergreifenden Phänomen der CP schildern.

„Sich commiten“. Neudeutsch für den veralteten Begriff „sich einlassen“.
„Sich an etwas binden“.
„Sich voll für etwas einsetzen“.
Heutzutage kennen wir das alle. Immerhin commiten wir uns in der Firma bis zum erbrechen, damit das große Bosswesen über uns unser Commitment bemerkt und sich denkt: „Joa. Den. Den will ich behalten. Der commitet sich.“ Wir commiten uns in unseren Sportvereinen, wir commiten uns in unseren Skatclubs, wir commiten uns bei der Wahl von Deutschlands nächster Superstimme. Wir lassen uns ein auf alles was nicht Niet und Nagelfest ist, ständig bedacht offen, empathisch und möglichst „Gefühlsecht“ zu sein.
Denn zu fühlen ist Hip.
Mit sich selbst in Kontakt treten, auch einmal Tränen zulassen und ganz offen und ehrlich über unsere unglaublich tragische Liebe zur ersten Katze im Alter von 6 Jahren zu reden… das ist In. Darauf fliegen die Männer (bzw. Frauen).

Das Leben ist nicht mehr so wie mit 16. Das ist den meisten von uns klar, die Redewendung „Jeder trägt sein Päckchen“ wahrscheinlich nach „Scheiße“ in der Top 10 der meistgesagten Floskeln. In unserem Leben haben wir alle genug erlebt um zu wissen, dass wir niemandem auch nur den Ansatz von Vertrauen entgegenbringen dürfen, wenn wir nicht unweigerlich erleben wollen, wie es den Sozialdemokraten nach dem ersten Weltkrieg erging.
Die Welt ist böse.
Jeder da draußen will unserem Leib und unserer Seele größtmöglichen Schaden zufügen.
Immer und überall.
Aber auch weniger paranoide Menschen werden gewiss nicht über ein uneingeschränktes Vertrauen in ihre Umgebung verfügen. Nicht alle sind gewillt uns zu verletzen. Dennoch. . . Better safe than sorry. Denn enttäuscht worden sind wir alle schon. Und nachdem man einmal mehr gegeben hat, als man zurückbekommen hat lässt man sich doch am besten nie wieder ohne fünffache Absicherung auf irgendwen ein. Man is ja nicht blöd.

Kafka inszenierte in „Der Prozeß“ seinen – meiner Meinung nach – gelungensten Antihelden. Alles was „er“ tut kann und wird gegen ihn verwendet werden. All sein Streben führt letztendlich doch nur zum Sterben.
Es kommt mir so vor, sls ob in uns allen ein Josef K. steckt. Denn so wie Kafkas Hauptcharakter letzten Endes dann doch sein Schicksal akzeptiert, so haben wir akzeptiert, dass wir letzten Endes immer verletzt werden. Unweigerlich und unerbittlich läuft „sich einlassen“ auf Verletzung hinaus. Und darum bewahren wir kühlen Kopf. Halten wir uns eine Hintertür offen, durch die wir abhauen können, wenn die Prozeshelfer vorne klopfen.

„Man muss sich interessant machen. Lass sie zappeln, dann klappt das besser.“ Sagte man mir. Und behielt Recht. Warum? Ich kann es nicht genau sagen. Wir alle kennen die Regeln dieses Spiels nicht wirklich. Hier gibt es regionale Hausregeln, dort saisonale Ausnahmen. Doch wir alle wissen um die Existenz dieser Regeln und des Spiels, dass sie umreissen. Dabei ist uns eigentlich ja noch nicht mal das Ziel des Ganzen klar. Aber mitspielen müssen wir.
Oder verlieren.
Doch eine Regel scheint dann doch allen bewusst: wer sich zuerst offenbahrt, wer sich zuerst outet… der hat verloren. Also tanzen wie umeinander her, mit geradem Rücken, ernster Mine und korrekt sitzender Kleidung. Die Wahrung des eigenen Gesichts ist Messlatte für Erfolg im Spiel. Ernste Gefühle der supergau. Der Blackout. Die Kaper auf der Pizza (niemand mag die Dinger!).

Aber kommen wir zu dem, was Joint Venture als „die ernste Viertelstunde“ bezeichnet. Einem Abschnitt, der vielleicht von vorne beginnt, redundant erscheint aber vor allem eins sein soll: ehrlich und in keiner Weise zynisch.

Das Spiel der Spiele – das Spiel um Beziehungen – ist ein sehr schwieriges Thema für mich. Wie ich sehen konnte ist es eines, dessen Regeln ich durchaus beherrsche und beeinflussen kann. Wie ich erleben konnte ist es ein Spiel, dessen Ziel für mich durchaus erreichbar ist. Und ich erkannte, dass ich es nicht verstehe. Also den Sinn des Ganzen. Es wurde mir nicht schlüssig, in erster Betrachtung, warum dieses Spiel überhaupt gespielt wird.

Ich sehe Menschen, offensichtlich hoffnungslos ineinander verliebt, darum kämpfen, niemals irgendjemand von diesen Gefühlen zu erzählen. Und wenn es doch mal passiert, weil die Person sich geschützt genug fühlt um einem Unbeteiligten gegenüber sich zu öffnen, so wird es zum Abschluss stets relativiert. „Mal schauen was wird“. „Abwarten“. Bis was? Worauf? Warum?

Was ist das für eine Art, dass wir Menschen verlernt haben, uns unsere Zuneigung, oder noch reduzierter, das Interesse aneinander nicht mehr mitteilen können? Warum ist es gleich der dating-Nackenschuss, wenn ich zugebe „Hey du. Du bist für mich gerade interessant.“
Ich spreche hier nicht von einem verzweifelten Hilferuf der Einsamkeit, wo ich durchaus eine abschreckende Wirkung nachempfinden kann. Ich meine hier eine klare, selbstbestimmte Haltung. Eine die klar und deutlich zu den eigenen Gefühlen steht. Die sich nicht hinter Mauern aus Coolness und Machtstrukturen versteckt.
Wieso ist es  Menschen schier unmöglich geworden, eine solche Meinung als Stärke wahrzunehmen? In meiner Erfahunrg bewirkt so etwas in der Regel Fluchtverhalten. Menschen die sich mit jemand konfrontiert sehen, der keine Lust auf das spielen hat, sondern seine Position offenbart, springen oft ab. Im Bild gesprochen ist es so, als ob man beim Schiffe versenken die Positionen gesagt bekommt. Man gewinnt zwar, aber Spaß macht es nicht.

Wir alle haben unsere Zweifel, soweit gehe ich mit. Doch es fällt mir zunehmend schwer, dass wir alle Sklaven usnerer Zweifel sein sollen. Geade in wichtigen Themen wie Beziehung soltle doch auch die Hoffnung, unser Wollen und unsere Wünsche eine Macht bekommen. Denn wir wollen glücklich sein. Daran glaube ich mit aller Macht. Niemand MÖCHTE eine Beziehung, in der man sich bei jedem Schritt belauern muss, ob der andere nicht vielleicht doch gelogen hat und eigentlich woanders sein will. Das hoffe ich zumindest.

Es macht für mich keinen Unterschied, wie man das Kind nennt, während es aufwächst. Ob ich nun sage ich führe eine Beziehung, ob ich jetzt „mit jemand was hab“, ob ich sie/ihn mag, liebe, gern hab oder ob ich „mal schaue was kommt“. Für mich sind das verschieden mutige Aussagen für ein und die selbe Grundlage. Ob wir uns kennenlernen während wiruns Freund/in nennen, ob wir uns „erst mal“ kennenlernen und währenddessen jegliche Kosenamen meiden, alle Bindungen flach halten und uns schützen… Die Liste ist lang und ermüdend.

Mut.

Das ist das Wort, das für mich im Mittelpunkt der gesamten Charade um kennenlernen und Commitment steht. Wir haben den Mut verloren uns einzulassen, gepeinigt von der Angst uns auszuliefern. Eigentlich. Und insofern kann ich das auch gutheißen. Sich jedem interessanten Menschen gleich hinzugeben ist eine Art von Selbstteilung, die ich nicht befürworten will(nicht mehr jedenfalls). Das jedoch aus den Ängsten um unsere eigene Verletzlichkeit eine Angst um unseren Stolz wird, ist für mich schwerer verständlich.
„Ich will mich ja nicht zum Affen machen“. Mit dieser Aussage kann die Sorge vieler Menschen umrissen werden. Doch was steht dahinter? „Ich möchte nicht, dass ich an dem Punkt, an dem ich klar zu meiner Meinung stehe – welche im Moment beinhaltet dich/ihn/sie interessant zu finden – in den Augen anderer lächerlich zu sein.“ Vor wem mache ich mich denn dann lächerlich? Oder besser gefragt, wenn das als lächerlich aufgefasst wird… will ich dann nciht lieber so lächerlich sein wie ich kann? Warum ist es verkehrt, zu sich und seinen Gefühlen zu stehen?

eine Antwort hierzu ist vermutlich, dass in unseren Köpfen hinter einem „Ich will…“ immer ein „…deshalb musst du.“ einprogrammiert ist. Nichts in dieser Welt ist umsonst, dass wird uns durch das Gesellschaftssystem in dem wir leben schon seit früher Kindheit eingetrichtert. Und wir alle scheinen es zu glauben.

Es ist meine Hoffnung, dass unsere Gesellschaft, in der es nun wieder Hip ist, sich emotional zu geben darüber hinwegwachsen kann. Denn wir sind keine 16 mehr, allerdings auch nicht alle alt und verbittert. Öko, Bio, kommunal, mehr Herz im Miteinander etcetc. All die hippen Bewegungen wie Bürgergärten, Volksentscheide, Kiezstammtische etc sind mir grundsätzlich zuwider. Aber sie könnten unseren Kindern eins zeigen, nämlich dass man manchmal auch Gefühle zeigen kann und dabei nicht der Volldepp sein muss. Dass wir nicht Sklaven unserer Zweifel und Ängste sein müssen. Dass wir unseren Mitmenschen vertrauen können, auch wenn wir enttäuscht wurden.

Und dann kann man vielleicht die Stärke haben und sagen:

Du.
Ich.
Wir beide.
Jetzt.

Das war’s

Ich glaube mir selbst noch nicht wirklich. Vielleicht ist es auch nur wieder so ein Gefühl, das mich überkommen hat und bald wieder weg ist…
Ich wünsche mir gerade einen Abschied. Ein ruhiges, vertrautes Treffen. Platz zu sagen was Platz haben kann, ohne den Anspruch auf Rache, Verletzung oder Wiedergutmachung.
Ich fühle mich das Erste mal in der Lage, Abschied zu nehmen. Gewiss werde ich weiter traurig sein. Lange Zeit werde ich diesen Schmerz wie einen kleinen Schatz mit mir herumtragen und hegen und pflegen. Denn es ist ein großer Teil meines Lebens und ein Abschnitt, für den ich – trotz allem Übels – nicht undankbar bin.
Bislang war ich jedoch nicht in der Lage, mich davon zu trennen. Irgendwo hat sich immer etwas gesträubt dagegen, mit dem abzuschießen, was bereits vergangen ist.
Wie eigentlich immer überkam mich aber heute, an einem Punkt an dem ich nicht im Ansatz daran dachte, urplötzlich Trauer und Wehmut. Warum nicht? Abschied nehmen mit der Liebe die noch immer da ist. Der Liebe den Platz geben, sich zu verabschieden von der Person der sie gilt. Und danach nicht zu begraben, sondern leben zu lassen, ganz so wie es ihr gebührt.
Denn geliebt habe ich, ich liebe noch immer! Aber es wird nicht sein, was nicht mehr ist und nicht wieder sein wird.
Mich der Hoffnung zu entziehen, dass etwas Neues, ähnliches sein könnte wird schwer werden. Die Hoffnung zu haben, etwas Neues, ganz anderes auch zu mir passen… Nicht leichter.
Doch das ist Zukunft. Traumzeit. Heute kann ich beenden was mich bindet und wieder einen Schritt weiter gehen. Ohne Reue, ohne Hass, sondern so wie die Zeit war… voller Liebe.

Ich hoffe dieses Gefühl bleibt, denn ich glaube… Ich glaube, darin liegt mein Weg wieder glücklich zu werden.

Und das wäre ich gerne.

Glücklich.

Ein Knopfdruck zum Ende

Warum vertrauen wir uns, wenn wir uns wenig kennen, so leicht alles an…

Darüber habe ich mir, vor Jahren und in einem anderen Zusammenhang, mal Gedanken gemacht. Ich könnte ein nigerianischer Prinz sein, der in England studiert hat und in Spanien Deutsch gelernt hat. Du könntest ein 20 jähriger Junge sein, der sich einen sehr eloquenten Witz erlaubt. Wieder jemand anders könnte sich als du ausgeben. Aber das sind wir nicht. Und was wir sind, wissen wir voneinander dadurch immer noch nicht, selbst wenn wir genau das wiedergeben was wir sein wollen.

Dadurch sind wir befreit. Befreit von den Vorstellungen uns irgendwo über dir Füße zu laufen. Du könntest jetzt in der Bahn neben mir sitzen, lesen was ich geschrieben habe und dennoch wäre unser Leben getrennt.
Anonymität. Darum geht es. Ich glaube, Menschen sind per se uneingeschränkt Vertrauensseelig. Es sind sie Ängste – um die eigene Person, um die eigene Lebenswelt – die misstrauisch machen. Das lässt sich natürlich nicht auf alles übertragen, aber auf das „Gesprächsvertauen“ schon… denke ich.

Wir kennen uns kaum, was kann dir als Person also passieren? Ich kann es nicht einer Person in deinem Leben erzählen. Ich kann es meinen Menschen erzählen und es ergäbe keinen Sinn für Sie. Keine Konsequenz für dich. Dieser riesige, nahezu unmöglich zu überwindende Graben schafft Offenheit. Denn wir sind nur einen Knopfdruck vom Ende weg. Wie können jederzeit das Gegenüber ohne nachweisbare Rückstände aus unserem Leben vertreiben. Das mit einem Bekannten  zu machen fällt schwerer. Vielleicht hängen gemeinsame Freunde dran, vielleicht Kinder, Partner,  Hunde.

Manchmal -wahrscheinlich meistens – brauchen Menschen nur ein Gefäß in das sie ihre eigenen Gedanken hinterlegen und sortieren können. Dazu eignen sich Fremde eben gut. Den Ratschlägen muss man nicht Folge leisten, denn die Erfolge kann das Gegenüber eh nicht messen. „Wenn zwei Menschen miteinander sprechen sind es meist zwei Monologe, die nebeneinander daherplätschern“ sagt man ja. „Man“ wie in „ich“.

Ich finde, dass deshalb dem Anvertrauen gegenüber Fremden ncihts merkwürdiges, sondern vielmehr etwas total Natürliches anhaftet. Natürlich nur, wenn wir voraussetzen, dass Austausch ohne direktes Gegenüber natürlich vonstatten geht. Wer schon damit beginnt, dass der Kontakt ohne haptisch greifbares Gegenüber unwirklich ist. Ja dem kann und will ich dann auch nicht mehr helfen.

Neulich, so nebenbei…

Neulich, so nebenbei habe ich über den Tod nachgedacht.
Und er hat mich nicht gestört.
Neulich, so nebenbei habe ich über das Leben nachgedacht.
Und es hat mich nicht gefreut.
Neulich, so nebenbei habe ich über die Ferne nachgedacht.
Und sie hat mich nicht gereizt.
Neulich, so nebenbei habe ich über die Nähe nachgedacht.
Und sie hat mich nicht berührt.

Neulich, so nebenbei habe ich über mich nachgedacht.
Und es kam mir komisch vor.

Ich dachte über den Tod nach. Er hat mir Respekt abverlangt.
Ich dachte über das Leben nach. Es hat mir Bewunderung abverlangt.
Ich dachte über die Ferne nach. Sie hat mir Sehnsucht abverlangt.
Ich dachte über die Nähe nach. Sie hat mir Rührung abverlangt.

Ich dachte über mich nach. Ich denke zuviel!