Weniger reden ist der Plan

Du schreibst ja gar nicht mehr. 

Ich hab gerade keine Lust zu schreiben oder zu erzählen.

Aber du hast doch bestimmt viel zu erzählen, jetzt nach deiner Auszeit und mit allem. 

…ich bin gerade begeistert von dem Wort „gehirnbehindert“…

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Fragmente

Ich muss schreiben, aber gestern hatte ich keine Zeit. Wollte es am Rechner machen, denn hier auf dem Smartphone ist es noch einmal langsamer. Das Schreiben muss raus und doch steht es mir und sich selbst im Weg. Ich muss muss muss und doch ist es einfach zu langsam: zu schreiben was ich schon längst wieder vergessen habe.

Ja gestern, gestern hätte es klappen können. Gestern hatte ich es klarer.

Fragmente. Alles was bleibt sind Fragmente. Kleine und kleinste Teile eines Gebilde, in dem jedes Wort seinen genau vorherbestimmten Platz hatte. Ein Text, der nur gewartet hat aufgeschrieben zu werden und doch habe ich keine gefunden. Keine Muße gehabt dachte morgen aber bestimmt und du bist eh gerade nicht ganz da dabei bin ich das gerade eh nie wirklich weil mein Kopf Matsch ist bei den vielen Gedanken Gedanken sie drücken rücken drücken auf mich ein drücken drücken rücken und versprechen Ruhe wenn ich nur zuhöre.

Zuhören.

Wem? Mir?

Zuhören.

Ein Leuchten in den Fluten meiner wild turnenden Gedanken.
Die Frage nach dem „Warum“ und „Wohin damit“ ist das dumpfe Pochen, das bleibt wenn die Augen geblendet werden.

Fragmente. Es gibt nur Fragmente. Bin ich glücklich? Zufriedenheit. Samstag tanzen. Frauen. Das Schreiben, es ist zu langsam und steht nur im Weg. Schreiben schreiben schreiben schreiben schreiben. Fragmente, klein und kleiner. Im Weg und doch alles was da ist. Gefangen und doch befreit.

Jin und Yang; die ewige Nutte der einfallslos esoterischen Texte.

Ambivalenz als mein Wort 2014.

Pretentiousness als das neueste.

Ich habe so viel zu tun, dass ich das Gefühl bekomme ich müsse kollabieren wenn ich nur einen Moment innehalten würde. Und wenn ich kollabiere würde ich kotzen; alles aus mir raus was keine Miete zahlt. Wie man so sagt, aber wer sagt das schon noch außer allen Menschen. Ich muß kotzen um weiter zu rotieren, um den Ballast loszuwerden, weiter rotieren um nicht zusammenzuklappen und wenn ich das nicht schaffe dann ist’s wirklich. . . Das Schreiben steht mir im Weg. Ich komme nicht ans Ende meiner Gedanken, denn beim Schreiben habe ich Zeit. Zeit für neue Gedanken die mich überfluten und neue Verknüpfungen werfen und was am Anfang stand ist dann längst vergessen. Vergessen und doch irgendwo in mir drin als Vermerk, als Last, als ein Brocken den ich auskotzen müßte um nicht einfach radikal und gnadenlos überzulaufen.

Ich sollte vielleicht mir selbst mehr zuhören, aber mache ich das nicht eh schon zu viel?

Eine Woche ohne ich. Wieder ein Fragment. Wieder so ein Brocken der mit bitterem Geschmack in meinem Hals sitzt und schon mal schreit. Schreit weil er fallen wird. Fallen. Landen. Zerplatzen. Schreien. Kreischen. Hilflosigkeit. Ein wunderbares Sammelsurium von Emotionen, ein Haufen reiner Gefühle. Gefühle wie sie mir verwehrt bleiben, denn alles ist Sumpf, überfrachtet, verkopft.

Jin und Yang als die Nutte der Durchschnittlichkeit. Immerhin das bleibt hängen.

Rollende Räder

Wieder am reisen, diesmal allerdings mit dem Bus… sehr zu meinen Leidwesen. Nicht, dass ich Bus nicht mag, oder die nette Dame neben mir unangenehme Gesellschaft wäre. Im Gegenteil: die Fortbewegung ist eine der mir liebsten. Mehr Platz als im Zug, vor allem im Fußbereich; die Gesellschaft ist sogar äußerst sympathisch (ich bin ja eh ein Mensch, der mittlerweile ganz gerne mit Fremden in Kontakt tritt). Allerdings bin ich mit dem Bus einfach mal das anderthalbfache der Zeit unterwegs. Was in Berlin jetzt kein Thema wäre, da man dort meist eh nicht viel mehr als eine Stunde unterwegs ist.
Heute sind es dann mindestens neun.

Als ich – nach einer viel zu kurzen Nacht – aufwachte, war mein Kopf voll mit Ideen, was ich in dieser vielen Zeit alles schreiben will. Ein Buch? Ach waaas. Brauch ich gar nicht erst mitnehmen, ich habe ja meine Geschichten im Kopf und schreibe ganz viel.
Das mit dem Denken sollte ich neu überdenken…

Die Räder rollen unter mir in einem gleichbleibenden, wegen der Unebenheiten allerdings nicht völlig monotonen, Brummen dem Ziel entgegen. Die Landschaft schlendert vorüber, denn in der Weite hat sie Zeit. Zeit es sich noch einmal zu überlegen, was sie eigentlich mit sich selbst anstellen will. Zeit sich hinzusetzen und inne zu halten, ungeachtet der hektischen Käfer, die durch sie hindurchrasen. Zeit, dem Wetter in seiner Unentschlossenheit beizustehen und seine Launen auszuhalten, ganz egal was es auch anbringt.

Und auch ich gleite mit den Rädern meinem Ziel entgegen. Auch ich schlendere durch die Täler meiner Träumerein und schaue meinen Gedankenflocken bei ihrem gemächlichen Treiben zu. Auch ich entschleunige.
Die Ideen, die Anspannung. Alles was mich in den letzten Tagen nahe an die Stimmung eines verletzen Grizzlys brachte ist -vorerst zumindest – in der Gleichförmigkeit des Reisens erstickt und bröckelt leise von mir ab.

Ich wollte über so vieles schreiben, doch letztlich schreibe ich nur darüber, dass ich gar nicht schreiben will. Nicht denken; zumindest nicht bewusst. Mal schauen, wie lange das so bleibt und in meinem Kopf Ruhe herrscht.

Und wir schrieben

„Hab dich lieb.“
Ich habe noch deine Stimme im Ohr, da schreibst du mir. Und ich schreibe zurück, als müsste es so sein:
„Ich dich auch.“

Danach schreiben wir noch viel, eine lange Zeit und du sagst mehr als einmal es sei Zeit aufzuhören, du müsstest schlafen. Doch wir schreiben weiter, denn uns beide bewegt, uns mitteilen.
Was genau wir schreiben? Ich habe keine Ahnung mehr, und es nachlesen ist mir zu müßig. Ein Teil des Gesprächs kommt mir dabei aber wieder in den Sinn: Irritationsresistent.
Ich habe es nicht deutlich gemacht, aber während wir schreiben verstehe ich, wieso ich es bin.
Wenn zwei Menschen, so wie wir, kaum Worte brauchen um sich zu verstehen… dann verwirrt die Welt in ihrer Unfähigkeit zu kommunizieren entweder… oder nicht mehr. Was könnte absurder sein als das, was wir wissen ohne es wissen zu können. Was befremdlicher als zu fühlen, was wir fühlen auch wenn wir es nicht in Formen packen können?

Die Welt ist ein wirklich merkwürdiger Ort. Doch wirklich verwirren kann sie uns nicht. Kurz stolpern lassen… gewiss. Aber nur für einen keinen Moment und für den haben wir uns genug Schutzmauern errichtet um die meisten zu täuschen.
Merkwürdig… Vielleicht sind wir selbst es auch einfach, die merkwürdig sind. Zwei, die eins hätten sein können und es doch nicht sind. Zwei, die auch zwei sind und es doch nicht immer sein können.

Als du schließlich gehst – ins Bett, denn es ist schon spät und anders als ich kannst du nicht deinen Vorsatz, morgen früh aufzustehen, über den Haufen werfen und lang wach zu bleiben – bleibe ich mit meinen Gedanken alleine. Wie so oft in meinem Leben, das mich mit Freizeit zuschmeisst und zu wenig gibt um es zu füllen.
Nicht über das, was geschrieben wurde (auch wenn ich kurz überlegt hatte es hier zu schreiben) denke ich nach, sondern darüber, dass wir geschrieben haben.

Wir verbringen viel Zeit miteinander. Wir haben oft unsere Stimmen im Ohr. Telefonieren, Skypen, sehen uns, hören uns, scherzen lachen streiten.

Aber wenn wir reden… und nicht nur sprechen,… dann schreiben wir.
Und so traurig das klingt… damit sind wir einen Schritt weiter.

Die Dauer einer Fahrt

Ich suche dich, Inspiration. Oh du holde Maid, du zarte Versuchung. Du flüchtige Braut, ewig am Rande..

Ah well. Fuck you stupid bitch.

Auf der Suche nach Bildern über die ich schreiben kann stolpere ich immer wieder über Wiederholungen.

Die Bogensehne, die zum zerreissen angespannt ist; das Flugzeug, dessen Flügel wild im Wind vibrieren und desen bedrohliches Summen mit lauter Stimme nahendes Unheil verkündet; der Baum, im Sturmwind gebeutelt und im Geiste noch nicht entschlossen ob er Eiche oder Palme sein soll; Die Fußstapfen, die sich immer und immer wieder selbst kreuzen…

Alles wiederholt sich. Kreise im Kopf ergeben die Kreise in meinem Leben und ich bin gefangen in einem meiner Lieblingselemente: Redundanz. Ein schönes Wort, meist liebe ich es. Doch gerade bringt es mich um den wenigen Verstand, den ich normalerweise als halbwegs zurechnungsfähig einstufen würde.

Verzweifelt bemühe ich mich darum, Schönes zu kreieren. Der Drang, meine eigene Erbärmlichkeit zu übermalen ist so stark, dass er mich in die Tasten hauen lässt, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass ich eigentlich nichts zu sagen habe. Und schon jetzt scheitere ich an meinem eigenen Ausweg, da ich die Mittelmäßigkeit des Bemühens erkenne. Denn wer schreibt schon über das Schreiben an sich?! Ein Künstler, der vor einem weißen Blatt sitzt und es weiß belässt, weil er gerade nichts kreieren kann ist vermutlich der beste Maler, da er Anspruch an seine Arbeit hat. Zumindest finde ich ihn besser als jene, die aufs Blatt spucken und das Ganze als kreativ verkaufen.

Ich spucke. Spucke Worte, da mir Gift und Galle ausgehen. Ich schreibe ohne ein Thema, da mir keines einfallen will, meine Seele aber nach einem Ventil schreit. Nach einem Ablass, doch wo kann ich den heutzutage noch kaufen? Die Kirche musste es ja abschaffen und ich glaube eh nicht an sie.

Wer bin ich wenn ich schreibe? Und warum zur Hölle fällt mir kein anderes Thema ein als ich selbst?

Vielleicht… Vielleicht sind viel denkende Menschen allein per Definition einsamer als andere, weil man Gedanken ja eben nicht hören kann. Ich will schreien, traue mich aber noch nicht einmal in Capslock zu schreiben…

Ich will schlafen, denn ich habe zu viel gesehen von mir selbst. Doch meine Gedanken schlafen nie, denn sie wollen mehr mehr mehr. Und so bleibe ich mit meinen Wünschen ein Schatten in meiner eigenen Welt. Ich bin ein Schatten in meiner eigenen welt, wie soll ich also in deiner teilhaben?! Wie soll ich das raus bekommen, was in mir wuchert und krankt wie ein Geschwür, wenn es doch letztlich in meinem eigenen Kopf steckt und nur dort Bestand haben kann?

1 2 3 Kotzprobe UEEERG. So hat es ein kleiner 13jähriger Junge neulich bei Tonproben formuliert. So schreib ich es nieder um zusammenzufassen was hier abgeht. Ich kotze; reier mir die Seele aus dem Leib. Denn dort will sie nicht bleiben. Und ich gebe ihr nach, denn ich kann sie verstehen.

Ich verstehe so viel, zu viel. Ich verstehe und verstehe.

Doch was mir fehlt ist das Verständnis.

Für meine Welt.

Für mich.

 

Denn manchmal ist Niveau auch nur eine Handcreme und ein Blog auch nur ein emotionaler Schrotthaufen.

Cen says V

Je mehr ich schreibe, desto mehr verlerne ich zu schreiben.
Je mehr ich verlerne zu schreiben,  desto mehr finde ich zu meinen Gedanken.
Je mehr ich zu meinen Gedanken finde, desto mehr Worte finde ich.
Je mehr Worte ich finde, desto mehr kann ich schreiben.