Schweigen

Alles schweigt. Das Telefon schweigt, macht keinen Mucks seit Tagen. Postfächer alle leer. Ewig schon. Und auch ich bin ruhig. Ruhig? Nach aussen vielleicht, denn auch wenn ein immer größeres Schweigen mich umgibt, beginnt es in mir mehr und mehr zu brodeln. Es ist der Hass auf alles, den ich lange verloren glaubte. Nicht verloren wie in „Huch, wo ist er denn?!“, sondern wie in „Den hab ich jetzt endlich hinter mir gelassen.“
Habe ich nicht, so wird mir klar und das Feuer in mir brennt stündlich heller.
Ich könnte kotzen wegen der Menschen die mich umgeben; ihnen ihre kleinen Geister aus den bekackten Körpern pressen und ihre granitharte Mauern aus Ignoranz und Stumpfsinn mit dem eigenen mickrigen Schädel zertrümmern . Oder eben den Schädel daran zu blutigem Brei zerquetschen.

Hauptsache danach ist Ruhe.

Mich kotzt das Scheinheilige diese Welt so sehr an, dass ich niemanden auch nur mehr als drei Worte sprechen hören will, da ich danach nichts mehr verspüre als den Wunsch mir die Trommelfelle zu zerstechen und in tauber Sehligkeit dabei zuzuschauen wie alles um mich herum in unzähligen Variationen schreit: „SCHAU MICH AN! NIMM MICH WAHR!“

Ich höre lieber dem Blut dabei zu, wie es meine Ohrmuschel füllt und zäh am Kiefer entlangttröpfelt als Denen, die bald – die Eine diese Woche und die Andere, so es einen gnädigen Gott gibt, im nächsten Monat – mein Leben verlassen, bei ihren Gesprächen zuzuhören. Nicht eines der Worte ist ehrlich und auch wenn beide auf Best Friends machen, weiß ich von ihnen wie egal sie sich sind; sich sogar hassen. Aber als gemeinsamen Feind der beiden muss man mir ja zeigen, dass man befreundet ist. So leicht zu durchschauen. Diese Menschen sind so unfähig; in der selbst, in der Wahrnehmung zu sich und zu anderen; in Toleranz und Offenheit…

Der, der immer fordert ist auch mal wieder explodiert und hat seine Ängste, seine verkackte Weltsicht und seinen Hass auf mich geschmissen, was mich wieder an den Punkt bringt, dass ich nicht weiß warum ich den Kontakt halte. Warum ich immer wieder hoffe und investiere. Mich selbst zu verprügeln wäre effektiver und hätte ähnliche Erfolge.

Mein Inneres ist ausgehöhlt von den zehrenden Flammen dieses Hasses und wie sich das gehört richtet er sich letztlich gegen mich selbst, verbaut mir alle Lösungen und lässt nur eines zu: nämlich, dass ich ihn nur noch mehr schüre.
Somit befinde ich mich in einem Kreislauf den ich noch vage erkenne, mich selbst Jahre zurückgesetzt sehe und – so ehrlich kann man schon noch sein – dafür hasse so zu sein.

In mir wächst ein Frust auf Alles und Jeden, genährt von den unzähligen Gemeinheiten, die sich die Menschen jede Sekunde zufügen. Da muß ich nur einen halben Tag auf die Kollegen schauen – mit denen ich zum Glück nur auf Zeit arbeite – um zu wissen, dass ich in dieser Friedrichstellung des Bürokriegs nicht ein weiteres Opfer werden will. Was bleibt ist der fahle Geschmack von Arroganz und die stumpfe Asche verbrannter Leichen.

Misanthrop ist, wenn ein Mensch an der Beschisseneheit der Dinge (guter Film) scheitert und die Menschheit dafür hasst, dass sie tut was sie tun und nicht was sie tun könnte.

Bilder rasen durch den Kopf; fliegende Körperteile; blutende Stümpfe; glitzernde Lachen. Entsetzt schaudere ich vor mir selbst und stelle fest, dass ich hoffnungslos werde. Ohnmächtig.

Es fehlt Stille.
Ein Schweigen.

Silber und Gold

Krikelkrakel, Kritzelfitzel, Blabberblubb. Würde ich diesem Stil fortfahren, wäre vermutlich ein ganz treffendes Bild meiner Gedanken gegeben. Es schwirrt wieder einmal unnötig viel in meinem Kopf herum. Über Einiges habe ich bereits geschrieben und es lungert nur noch in den alten, staubigen Windungen meines Hirns herum weil niemand es rausgeworfen hat. Manches ist schon in meinem Kopf formuliert und schwebt dort in einer geisterhaften Stille, auf den Zeitpunkt hoffend, wenn sich die Tore ins Leben öffnen und sie heraustreten können. Anderes wiederum spielt noch unbefangen und unbearbeitet auf den grünen Wiesen meiner Ideen.
Es herrscht Lärm und Chaos in mir und um mich herum.
So sehr, dass ich rede und rede und rede, ohne jemals in einen Dialog zu treten. Denn nur wenn ich atme hast du Zeit zu reden; wenn ich dich nicht schon wieder ins Wort falle.
Ich rede und rede, bis du weinst.  Nicht weil meine Worte verletzend sein sollen; Du seiest sensibel und meine Sätze bewegten etwas in dir.
Ich rede, weil ich nicht aufhören kann; auch als ich sehe,  dass es dich trifft und  emotional bewegt.
Nun schweige ich gerade, während ich in der knallenden Sonne sitze.
Ich schweige und schweige, habe mir Musik in die Ohren gedrückt und die Welt ausgesperrt.
Ich schweige und schweige und schweige, denn erst jetzt höre ich was ich sagen will.

Aber das sind Dinge, für die ich jetzt keine Worte habe.

Und wir schrieben

„Hab dich lieb.“
Ich habe noch deine Stimme im Ohr, da schreibst du mir. Und ich schreibe zurück, als müsste es so sein:
„Ich dich auch.“

Danach schreiben wir noch viel, eine lange Zeit und du sagst mehr als einmal es sei Zeit aufzuhören, du müsstest schlafen. Doch wir schreiben weiter, denn uns beide bewegt, uns mitteilen.
Was genau wir schreiben? Ich habe keine Ahnung mehr, und es nachlesen ist mir zu müßig. Ein Teil des Gesprächs kommt mir dabei aber wieder in den Sinn: Irritationsresistent.
Ich habe es nicht deutlich gemacht, aber während wir schreiben verstehe ich, wieso ich es bin.
Wenn zwei Menschen, so wie wir, kaum Worte brauchen um sich zu verstehen… dann verwirrt die Welt in ihrer Unfähigkeit zu kommunizieren entweder… oder nicht mehr. Was könnte absurder sein als das, was wir wissen ohne es wissen zu können. Was befremdlicher als zu fühlen, was wir fühlen auch wenn wir es nicht in Formen packen können?

Die Welt ist ein wirklich merkwürdiger Ort. Doch wirklich verwirren kann sie uns nicht. Kurz stolpern lassen… gewiss. Aber nur für einen keinen Moment und für den haben wir uns genug Schutzmauern errichtet um die meisten zu täuschen.
Merkwürdig… Vielleicht sind wir selbst es auch einfach, die merkwürdig sind. Zwei, die eins hätten sein können und es doch nicht sind. Zwei, die auch zwei sind und es doch nicht immer sein können.

Als du schließlich gehst – ins Bett, denn es ist schon spät und anders als ich kannst du nicht deinen Vorsatz, morgen früh aufzustehen, über den Haufen werfen und lang wach zu bleiben – bleibe ich mit meinen Gedanken alleine. Wie so oft in meinem Leben, das mich mit Freizeit zuschmeisst und zu wenig gibt um es zu füllen.
Nicht über das, was geschrieben wurde (auch wenn ich kurz überlegt hatte es hier zu schreiben) denke ich nach, sondern darüber, dass wir geschrieben haben.

Wir verbringen viel Zeit miteinander. Wir haben oft unsere Stimmen im Ohr. Telefonieren, Skypen, sehen uns, hören uns, scherzen lachen streiten.

Aber wenn wir reden… und nicht nur sprechen,… dann schreiben wir.
Und so traurig das klingt… damit sind wir einen Schritt weiter.