Chaos und Ordnung (Teil 1)

Wenn wir dem Wissen glauben, welches wir über uns selbst und unsere Vergangenheit gesammelt haben, so ist das Leben vor allem eines: chaotisch. Auch wenn das Leben im Allgemeinen und für den einzelnen Menschen im Speziellen doch sehr unterschiedlich ist, letztlich ist es vor allem nie so, wie es einmal war. Und wie es wird können wir trotz aller Prognosen und Versicherungen letztlich nicht sicher sagen.

Nehmen wir das als Grundlage einmal ungefragt an (eine ausdauernde Beschäftigung hiermit wird vermutlich – wie in allem – Lücken finden) und erweitern diese These.

Wenn das Leben chaotisch ist und unsere Zukunft darum unbeständig sein muss (die Zukunft hier als ein chronologisch vor uns liegender Zeitpunkt des Lebens -unseres Lebens – gedacht), müssen Prognosen die Zukunft betreffend unabdingbar unsicher und unklar ausfallen. Das Chaos zu überschauen ist in der Definition des Wortes nicht möglich, da es sonst in einer Ordnung zu fassen wäre und entsprechend nicht mehr rein chaotisch. Ausserhalb der Tautologie gesprochen steht das „reine“  Chaos entsprechend als Kontraelement zum Begriff des Begreifens. Es (das Chaos) musss sich jeder Begrifflichkeit entziehen.

Nehmen wir in einer zweiten These an, dass es dem menschlichen Naturell schwerfällt sich einem unfassbaren und abstrakten Begriff wie „Chaos“ auszusetzen, sondern er (der Mensch) bestrebt ist Alles ihn umgebende für sich (be)greifbar zu machen.

Indem ich die Dinge um mich herum benenne, schäle ich sie aus einem ungefassten Zustand heraus in einen zuerst klar scheinenden und vermeintlich eindeutigen Rahmen. Indem ich das Haus nenne, beschränke ich die Deutungen dessen was ich meine um ein erhebliche Maß. Die Diskussion um die Exaktheit solche Definitionen ist -wie sich zeigen wird – nur sekundär wichtig und daher soll die vereinfachte Theorie ausreichen.

Sollten also beide dieser Thesen gelten (was wir für dieses Gedankenexperiment annehmen), ergeben sich interessante Vermutungen zum Menschen und seinem Standpunkt zur intrinsischen Natur des Lebens.

Was ist damit Freiheit für den Menschen und wie steht er ihr gegenüber?

Was ist die Motivation zu einem geordneten Leben?

Ist Ordnung mit Leben vereinbar, ist Chaos dies?

Über-schreiben

Ich sollte schreiben. Will es eigentlich auch. Mein Finger schwebt über dem Display, zuckt kurz in Richtung Neuer-Beitrag-Knopf und schließt anschließend – fast schon panisch – WordPress. Es wird wohl doch wieder eine Runde „verbinde die Farben und sie platzen“ – Nur die eine Runde noch.

Immerhin bekomme ich dann doch noch diese Zeilen geschrieben. Aber ein Schreiberling, der beim schreiben übers Schreiben angekommen ist, hat vor allem eins: die Klappe zu halten.

Also lenken wir ab. Gehen wir ins Allgemeine. Die generelle Stasis, die unser ganzes Sein im Griff hat, und lässig zwischen uns und dem „wahren Leben“ einen zeitlosen und dadurch unbeweglichen Vorhang webt. Die mit heiterer Gelassenheit in unsere Gedanken greift, alle Farben wegradiert, sämtliche Details verwischt und breiige, unbestimmbare Masse zurücklässt. Was bleibt ist dieses Gefühl: da war noch was zu tun. Was wichtiges. Aber meh. Her mit Ablenkung. Denn das geht noch. Das Hirn durchschleifen – no man’s left behind – bis es Morgen ist. Und wenn wir beim Morgen angekommen sind ist es ja Heute; also weiterschleifen. Sollten wir zurückwollen, müssen wir nur den blutigen Schlieren auf dem Boden folgen und hoffen unsere Innereien sind nicht bereits abgeschliffen oder geplatzt.

Ein „uns“, dass mich meint aber verallgemeinern soll, denn das ist Hip und gebildet. Exzentrisch sogar, wenn man das innere Team damit meint aber letztlich doch nur ein Konstrukt, denn ich bin nicht einmal Besonders genug um wirklich im „uns“ denken zu müssen.

Brummkreisel – warum heißt der eigentlich so, der surrt doch eher – sein und im Drehen um die eigene Achse Erfüllung finden. So müsste man sein. Wie kann es nicht wider der Natur sein, in andauernder Vorwärtsbewegung sein zu wollen und in beständiger Veränderung (ist Veränderung noch Veränderung, wenn sie nach Plan verläuft?) die Quintessenz des eigenen Sinns zu finden.
Verharren, verweilen; Absturz und Ruin.
Und doch: ist nicht auch in der selbstumkreisenden Pirouette der Drang nach vorne elementar? Eben immer um einen kleinen Winkel versetzt und damit im Kreis; nicht voran zu immer neue Orten. Von außen statisch scheinend und schöne Bilder werfend, in sich selbst jedoch hoffnungslos übereifrig und nur mit bunten Schlieren vor den Augen.

Das Leben speichern und nur dann überschreiben, wenn die Entscheidungen gefallen. Verwerfen und neu laden; game not really over. Hosen nähen mit unzähligen Hosenbeinen und doch immer in die beiden einzig richtigen schlüpfen. Mit jener unbedachten Gelassenheit und Sicherheit, wie sie einem zuteil wird, wenn das Selbst gefestigt ist und seinen Raum einnimmt ohne lange darüber verhandeln zu müssen.

Ich sollte schreiben. Will es eigentlich auch…
Ende. – Gut jetzt.