The insurmountable Insanity of Vanity

Auf der Überholspur meines Lebens kann ich auch mal kurz innehalten um jemand vorzulassen, denke ich während ich in der Masse der arbeitenden und zu beschulenden Bevölkerung von S-Bahn zu U-Bahn zwockel. An der Rolltreppe bin ich auf der Seite gelandet auf der man eben weitergeht – komme was wolle und zwar schnell denn wo kommen wir sonst hin; eben nirgends hin und wer will das schon -, als überraschend ein, gänzlich unpassend rebellierend, weniger artiger Mitbürger aus seiner Spur der Lauffaulen, der nichtsnützigen Müßiggänger – der Spur des Stillstandes und Todes. Welch wonnige Sehnsucht mich nach ihr in diesem Moment packt! – ausbricht und mich vor die Wahl stellt: Konfrontation und durchziehen, mein Tempo halten und seine Leiche herausfordern über welche ich anschließend mit stolzgeschwellter Brust schreiten könnte; oder aber innehalten – kurz nur, quasi den kleinsten Bruchteil eines Lebens, aufhören voranzuschreiten und damit zurückfallen in prä-existentielle Urzustände – und auf ewig ob der unendlichen Güte meines unermesslichen Verzichts aufzusteigen in der unablässigen Rangelei um die besten Plätze auf der huldvollen Liste der besten Menschen. Der Allerbesten!

– – –

„You are one confused person, aren’t you?“
„Nah, not really.“

– – –

Mein Hirn muss vermutlich kurz ausgesetzt haben als ich dem verzweifelten Treiben der Hummel zuschaue, die sich zwischen der Doppelverlasung des Altbaus meiner Arbeit eingesperrt hat. Ich starre eine vermutlich ungebührlich lange Zeit auf das kleine Vieh, wie es im Kampf gegen eine unsichtbare Kraft immer und immer wieder anfliegt; vielleicht zunehmend verzweifelter und berauscht von der bizarren Hoffnung irgendwie doch noch zu entkommen; vielleicht zunehmend stoisch und besessen von der fatalistischen Gewissheit es irgendwie nicht lassen zu können. Vor mir spielt sich im Mikrokosmos ab, was mich vielleicht umgeben würde, könnte ich es wahrnehmen; würde ich die Kräfte erahnen die an mir zupfen und zerren und mich an-, ab- und umtreiben.
But alas – wie ich gerne mit dem Weltschmerz eines vom Leben gebeutelten Eremiten von mir gebe, dessen einzige Erkenntnis doch nur die Vergänglichkeit der Erkenntnis ist – … aber LEIDER – denn auf dem alas liegt der Impuls des Leidens – kann ich dieser Kräfte nicht gewahr werden und verbleibe das lyrische Ungeziefer im Käfig meines eigenen Zimmers, grotesk verwandelt und befremdlicherweise einzig um die Wahrung des eigenen, verdrießlichen Alltags bedacht. Lediglich mein Scharren mag weniger angestrengt wirken, verträume ich meinen Tag doch an dem Flügelschlag eines pelzbeinigen Sisyphos und vergesse darüber die stetige Optimierung meines von der Gesellschaft geknechteten Ichs.

– – –

You seem very confused with who you are.“
„But I am not…. So maybe yes, I am confused. But I integrated the ambiguity of my own little vain self into myself.“

– – –

Die Uhr – pompös groß, mit der Spitze ihres billigen Plastikrunds auf einer blättrig weiß lakierten Fensterbank ruhend in einem Zimmer, welches die Herrlichkeit damaliger Internate erspüren lässt – tickt leise vor sich her, Symbol der streng geprüft und bemessenen Zeit die vergeht; vielleicht auch sie zunehmend verzweifelt oder stoisch, wer vermag es schon zu sagen; wer sich zum Meister der Zeit aufschwingen und mit der Illusion des Verständnisses bekleiden, die der Kaiser vorher schon schamvoll berührt abgelegt hatte.
Die Seite eines Buches – vermutlich eine Schmonzette der Untiefen dessen was sich Jugendliteratur schimpft und den Abschriften alter Blaupausen durch die Mönche des Mittelalters gleichkommt – wird umgeblättert, scharrt laut auf jene Art durch den Raum, die ein kleines Geräusch in der es umgebenden Stille zur Maxime des möglichen Lärms werden lässt und in unserem Ohr eine fokalen Kakophonie bildet, was als Satz zwar schön kingt aber in der Nebensache ausreichend störend auf die Konzentration wirkt. Auch das Rauschen im Sumpf der Zeit, oder gurgeln im Schaum der Wellen; die Bagatelle persiflieren und das Joch der Gleichmäßigkeit durchbrechen.

– – –

„That still seems pretty confused.“
„Yeah it is. But it’s all part of the plan.“

– – –

„Wenn man kein Geld hat, dann ist man ein Nichts!“ war ihr Satz, der für Sie inbrünstigs Bekenntnis nicht nur ihres Selbst, sondern ihrer ganzen Generation – glaubte ich Ihren Worten – darstellt. Unverständnis umschwirrt sie wie behäbige, glitzernde Fliegen bei meiner Antwort und sie wird mit der unabdingbaren Brillianz ihres unfertigen, in sich (blind)schlüssigen Weltbildes fundamental abgelehnt; ganz Mensch ihres Alters – Beta-Menschen, noch aus der Testphase des Lebens zu erwachsen – und damit erfrischend ehrlich im dissonanten Dialog der zwischen uns entsteht. Rudimentär zu erklären war mir heute schon genug, die angehende geistige Elite kann sich alleine in der Welt zurechtfinden – beschließe ich und begebe mich anschließend dennoch in die Diskussion.
Hoffnung ist wo wir sie schaffen.

– – –

„So you want to be confused?“
„It’s not about if I want to, it’s that we have to.“

– – –

Es gibt generell zwei Arten von Menschen: jene die sich bedanken wenn jemand Ihnen die Tür aufhält und jene die sich dadurch in ihren eingebildeten Geflecht von Gleichberechtigung verletzt sehen, denke ich während ich die Treppen einer anderen S-Bahn-Station herabschlendere; wesentlich später am Tag, nur unwesentlich wacher in dem Strom der abgearbeiteten und fertig beschulten Bevölkerung, welche durch einen Pulk aus zig Kinderwagen auf einen belustigenden Slalomkurs gezwungen wird – ich kann das während meines nahezu fabelhaften Abstiegs wunderbar überblicken und mich königlich darüber erheben; ein Widerstreit unendlicher Größe innerhalb der winzigen Passform meines Daseins. Individuell in der Welt meines eigenen Ichs und doch, bekleidet oder nicht nach den Vorlagen der inneren Modedesigner, ein Nichts wie alle anderen: emsig ausbrechend aus meinen Spuren, stoisch-hoffnungsvoll anflatternd gegen lenkende Kräfte und leise an meinem Leben entlangtickend.

– – –

Maybe that’s the start of a maniacs thoughts about enlightenment…
Bewegte, tumultige Gedankenzeiten; Poesie umgibt mich wie faulige Pomade.

Schweigen

Alles schweigt. Das Telefon schweigt, macht keinen Mucks seit Tagen. Postfächer alle leer. Ewig schon. Und auch ich bin ruhig. Ruhig? Nach aussen vielleicht, denn auch wenn ein immer größeres Schweigen mich umgibt, beginnt es in mir mehr und mehr zu brodeln. Es ist der Hass auf alles, den ich lange verloren glaubte. Nicht verloren wie in „Huch, wo ist er denn?!“, sondern wie in „Den hab ich jetzt endlich hinter mir gelassen.“
Habe ich nicht, so wird mir klar und das Feuer in mir brennt stündlich heller.
Ich könnte kotzen wegen der Menschen die mich umgeben; ihnen ihre kleinen Geister aus den bekackten Körpern pressen und ihre granitharte Mauern aus Ignoranz und Stumpfsinn mit dem eigenen mickrigen Schädel zertrümmern . Oder eben den Schädel daran zu blutigem Brei zerquetschen.

Hauptsache danach ist Ruhe.

Mich kotzt das Scheinheilige diese Welt so sehr an, dass ich niemanden auch nur mehr als drei Worte sprechen hören will, da ich danach nichts mehr verspüre als den Wunsch mir die Trommelfelle zu zerstechen und in tauber Sehligkeit dabei zuzuschauen wie alles um mich herum in unzähligen Variationen schreit: „SCHAU MICH AN! NIMM MICH WAHR!“

Ich höre lieber dem Blut dabei zu, wie es meine Ohrmuschel füllt und zäh am Kiefer entlangttröpfelt als Denen, die bald – die Eine diese Woche und die Andere, so es einen gnädigen Gott gibt, im nächsten Monat – mein Leben verlassen, bei ihren Gesprächen zuzuhören. Nicht eines der Worte ist ehrlich und auch wenn beide auf Best Friends machen, weiß ich von ihnen wie egal sie sich sind; sich sogar hassen. Aber als gemeinsamen Feind der beiden muss man mir ja zeigen, dass man befreundet ist. So leicht zu durchschauen. Diese Menschen sind so unfähig; in der selbst, in der Wahrnehmung zu sich und zu anderen; in Toleranz und Offenheit…

Der, der immer fordert ist auch mal wieder explodiert und hat seine Ängste, seine verkackte Weltsicht und seinen Hass auf mich geschmissen, was mich wieder an den Punkt bringt, dass ich nicht weiß warum ich den Kontakt halte. Warum ich immer wieder hoffe und investiere. Mich selbst zu verprügeln wäre effektiver und hätte ähnliche Erfolge.

Mein Inneres ist ausgehöhlt von den zehrenden Flammen dieses Hasses und wie sich das gehört richtet er sich letztlich gegen mich selbst, verbaut mir alle Lösungen und lässt nur eines zu: nämlich, dass ich ihn nur noch mehr schüre.
Somit befinde ich mich in einem Kreislauf den ich noch vage erkenne, mich selbst Jahre zurückgesetzt sehe und – so ehrlich kann man schon noch sein – dafür hasse so zu sein.

In mir wächst ein Frust auf Alles und Jeden, genährt von den unzähligen Gemeinheiten, die sich die Menschen jede Sekunde zufügen. Da muß ich nur einen halben Tag auf die Kollegen schauen – mit denen ich zum Glück nur auf Zeit arbeite – um zu wissen, dass ich in dieser Friedrichstellung des Bürokriegs nicht ein weiteres Opfer werden will. Was bleibt ist der fahle Geschmack von Arroganz und die stumpfe Asche verbrannter Leichen.

Misanthrop ist, wenn ein Mensch an der Beschisseneheit der Dinge (guter Film) scheitert und die Menschheit dafür hasst, dass sie tut was sie tun und nicht was sie tun könnte.

Bilder rasen durch den Kopf; fliegende Körperteile; blutende Stümpfe; glitzernde Lachen. Entsetzt schaudere ich vor mir selbst und stelle fest, dass ich hoffnungslos werde. Ohnmächtig.

Es fehlt Stille.
Ein Schweigen.

Leere

16:11 Zeit, die Zeit zu füllen

Es ist früher Nachmittag, bald Abend und die Zeit wird zum Feind. Was draußen zu erledigen ist, ist erledigt. Oder es kann bis morgen warten. Grell, übersteigert und abgehackt sind meine Gespräche, die Gespräche nach außen, die Gespräche in mir drin. Alles schreit aus vollem Halse: „Wir sind nicht allein!“

Folie118:05 Ich arbeite, also bin ich. Oder so.

Übersteigerte Intellektualität ist mir schon seit ewigen Zeiten zuwider. Interessant, ist sie doch integraler Bestandteil meines Selbst und basiert mein Humor doch zumeist auf der verkannt genialen Verwendung besonderer Hintergründe des Gesagten und anderem… Ist es die Flucht, sich mit der Basis meines Seins zu beschäftigen, die mich dazu bringt hin und wieder in einem Anfall gemäßigten Wahnes tatsächlich zu versuchen kluges Zeug niederzuschreiben?

Folie221:24 Wenn ich weiterlaufe, kann mein Kopf nicht auslaufen

Emsig, emsig, emsig weiter. Eine Ameise in ihrer Kolonne, die linken (gefühlt) zwanzig Fußpaare heben, rechts abdrücken und dann ein weiterer Schritt. Nicht den Blick heben, nicht die Last verrutschen lassen, nicht weiterdenken. Mein Leben besteht aus dem nächsten Schritt und anschließend dann (eventuell) aus dem nächsten. Ich bin beschäftigt, die Welt ist in Ordnung. Woher nehme ich nur neue Scheuklappen, sollten die meinen mir von meinen verschwitzten Stirnlappen rutschen?!

23:24 Pause, Atemholen und anschließend ein Knäckebrot

Hyperaktivität ist keine Sache eines unausgelasteten Körpers. Das würde der Masse fettleibiger Menschen, die in Ihrem Stuhl festkleben und alles andere als beweglich sind, dann ja das Anrecht absprechen, sich selbst auch als hyperaktiv diagnostizieren zu können. Hyperaktivität ist eine Farce, geschaffen um zu übertünchen. Zu übertünchen und abzulenken, von uns, von euch, von dem Knäckebrot. Aber reinbeißen müssen wir; so dass es kracht.

Folie3

23:35 System Overload, beende äußere Einflussnahme

11 Minuten danach, nach dem Knäckebrot, nach der Atempause. Nicht gerade ein super Filmtitel, dazu auch noch sehr abgekupfert. 11 Minuten, weniger Zeit als es brauchen würde eine Website zu finden die mir etwas ausspuckt das 11 Minuten dauert und nicht das Buch/den Film 11 Minuten meint. 11 Minuten ist alles, was mein Leben braucht um schlafen zu gehen und dabei nur eins zu vergessen. Mich und die Krümel.

Folie4

23:56 Zeit ins Bett zu gehen… von wegen!

Während ich meinem Leben dabei zuschaue, wie es schlafen gegangen ist und mir denke: „watt nu?“ bewegt sich mein Körper ganz automatisch und als ich wieder hinschaue, was genau da eigentlich vor sich geht, ist mein Körper bereits wieder mit anderem beschäftigt. Ich komme mir vor wie ein Betrunkener, dessen Augen verzweifelt versuchen dem Geschehen zu folgen, jedoch immer eine halbe Sekunde zu spät dort ankommen und in einem Reigen verschwommener, verwirrender Standbilder Informationen an das Stammhirn weiterreichen.

Folie5

01:27 A brave new day

Der Bordcomputer meldet, dass sich die Flotte noch immer in Bewegung befindet. Auch wenn die Kommandozentrale keine weiteren Befehle sendet, ist dem Operationsmechanismen nicht Einhalt zu gebieten. Irgendwo zwischen mir und meinem Kopf scheint eine Verbindung gekappt zu sein. Vielleicht steckt da ein Krümel fest. Oder ich schlafe schon und träume nur noch aktiv zu sein? Grenzen sind eh überbewertet. Besonders Realität und Traum.

Folie6

02:14 Musik ist geronnene Dickmilch im Prozess unseres Denkens

Seit einer halben Stunde bin ich bereits auf dem Weg ins Bett… bestimmt. Und ich bin auch gewiss schon ungefähr 3 cm vorangekommen. Die Kunst beim Fliegen ist es, den Boden zu verfehlen. Die Kunst ist es, den Wahn sinnig zu machen. Die Nacht ist voller abgedroschener Phrasen und ich stecke in dem Pfuhl den mir dieser Dünnschiss beschert.

Folie7

Der Poet in meinem Rachen

Es ist wieder einmal viel zu spät geworden für ihn. Die Nacht, verführerisch in ihrem dunklen Kleid, hatte ihn erneut mitgenommen auf eine jener wilden und doch stillen Reisen. Diese Wegstücke zwischen Wachen und Traum, beseelt von den bunten Trauben seiner Gedanken, waren seit einiger Zeit seine treuesten Gefährten während der trist anmutenden Durststrecken die der Tag bereit hielt. Der Tag; grau gewandet in seinem strengen geschnittenen Anzug und stets so sehr bemüht zu gefallen. Diese anbiedernde, geifernde Gestalt von Etwas, dass mit blendender Helligkeit versuchte die tiefen Abgründe seines schmutzigen Innenlebens zu verbergen. Der Tag war nicht sein Freund; ganz anders dessen Partnerin, die Nacht. Jene kühle, mystische Dame die elegant und still seine Sinne umgarnte und ihn lockend mitnahm um ihm eine Welt zu zeigen. die nicht blendete und beschrie, was es zu erleben gelte, sondern ihn sacht an der Hand nahm und ihm die Fenster zu seinen eigenen Welten öffnete, wo er sich nach eigenem Gutdünken flegeln, ausprobieren und erkunden konnte.

Irgendwann, er wusste nicht mehr genau wann, sprach er dann nicht mehr.

Nicht, dass es ihn gestört hatte wie die Welt lief. Nein, er war sich dessen bewusst, dass seine Sicht eine exzentrische Sicht darstellen musste und ein jeder normale Mensch nur müde und traurig den Kopf schütteln konnte ob seiner unverständlichen Gedanken. Es verstimmte ihn nicht einmal, wenn ein vermeintlich Befreundeter sich seiner annahm und versuchte ihn auf einen rechten Pfad zurückzubringen. Meist gab er dann für eine Weile vor, in der Welt der Tagmenschen – wie er sie wenig originell zu nennen pflegte – besser zu funktionieren. Er stand früher auf; genoß augenscheinlich Sonne, Tumult und Leben; verließ sein Haus mehr als er es bewohnte; knüpfte eine Vielzahl Kontakte und schließlich, wenn alle Welt beruhigt schien, einer verlorenen Seele erneut das Licht gezeigt zu haben, verließ er diese angestrenge, erschöpfende Welt erneut.

Nur, dass er mit einem Mal nicht mehr sprach.

Es mag eine Weile gut gehen, in dieser Welt nicht zu sprechen. Manch bedauerliche Seele muss sogar seit Geburt damit zurecht kommen. Doch wenn ein Mensch einfach AUFHÖRT zu reden, dann ist es so sicher wie das „Amen“ in der Kirche, dass nach einer Weile Menschen Fragen stellen. So ist es eben ihre Art und so war er darauf vorbereitet, als die Fragen begannen. Kurz nachdem er den Entschluss gefasst hatte, vielleicht auch währenddessen, hatte er einen Text geschrieben. Der Text erzählte in klarer, verständlicher Sprache weshalb es sinnlos sei weitere Worte zu verlieren. Das alles gesagt sei mit diesem Text und für weitere Worte keine Notwendigkeit bestehe. Alles andere könne auch die Schrift oder der Körper besorgen.

Und tatsächlich schien es auszureichen, was er schrieb. Denn auch wenn manch einer schlecht über ihn sprach – zumeist hinter seinem Rücken, denn den Mut, einander die Meinung zu sagen, haben nun halt doch die wenigsten Menschen – so fügten sich alle seiner Entscheidung. Auch versuchte niemand mehr, ihn auf den lichten Pfad zu leiten. Was auch immer er geschrieben hatte… es schien von solch innerer Überzeugung zu verkünden, dass man ihm das ließ, was er wahrlich am meisten begehrte: seine Ruhe.

Nun, was hat dies mit mir, also dem Autor, zu tun, so fragst du dich, lieber Leser, an diesem Punkt vielleicht und ich will dir keine Antwort schuldig bleiben.

Es verhält sich so, dass diese Geschichte in mir etwas wachrührt, dass mich in eine… poetische Stimmung versenkt.

Ich habe einen Poeten in meinem Rachen. Etwas, dass sich manchmal meiner ermächtigt und mich zwingt, unkontrolliertem Erbrechen ähnlich, unzählige Worte -vermeintlich wohlklingend und sich zu stetig größeren Kunstwerken aufbauend – auszustoßen und nicht nur zu Blatt zu bringen, sondern auch meine Mitmenschen damit zu belasten. Belasten, ja das ist es wohl, denn ich bin nicht Herr dieser Flut und so manch einer wird von meiner Flut an Wortgewalt überschwemmt, fortgetragen oder doch zumindest verstört.

Ich würge daran, ich versuche es herunterzuschlucken, doch dadurch wird der Brechreiz nur größer um letzten Endes dann nur um so heftiger aus mir herauszubrechen. Ich kann es nicht verdrängen, denn es beginnt sich in meinem Kopf auszubreiten, ganz so wie eine Milchkanne, stetig gefüllt, irgendwann überlaufen muss.

Dieser Poet ist wie ein maligner Tumor, wuchernd und fräsend in meinem Rachen, sich ausbreitend und mich erstickend. Er wird sich den Weg aus meinem Körper erkämpfen, soviel ist sicher. ob er dabei meinen Gaumen zerschmettert, meine Zähne ausreisst und meinen Kiefer bricht ist ihm völligst egal, denn für ihn geht es um eines: um seine Freiheit. Darum herauszubrechen und alles um sich herum mit fauliger Schwärze zu überziehen und zu vergiften.

Ich kotze. Kotze ihn aus und doch werde ich ihn niemals los. schleimiger, schwarzer Morast umspült meine Zähne, die an dem beißenden Schleim verätzen und als rauchende Ruinen in meinem, von aufgeplatzten Lippen umrahmten, Maul verbleiben. aus jeder Pore meines Leibes dringt er hervor und nichts kann ihn einsperren, nichts ihn in mir drin halten. Er dringt von meinem Rückgrat geradewegs durch die Haut und platzt aus meinem Rücken heraus, während er meine fleischliche Hülle abstreift wie eine lästiges Kleidungsstück. Es ist ein Feuerwerk der Schmerzen in meinem Kopf, ein grausames Spiel von Erlösung und Krampf, während er mich leert und leert und leert und leert; immer dann wenn nichts mehr da zu sein scheint noch weitermacht.

Zurück bleibt ein zerschmettertes Irgendwas, unbestimmt ähnlich zu dem, was ich vorgab zu sein, während er aus den dampfenden Überresten meines Ich heraussteigt und immer mehr zu dem wird, was um mich herum als Ich gesehen werden wird. Und wenn ich mich umdrehe sehe ich hinter mir nichts als eine befremdliche Szenerie eines vorher stattgefundenen Kampfes vielleicht. Etwas das mit mir nichts zu tun haben kann, denn ich bin nur Ich und niemand sonst. Und bevor ich mcih versehe, spüre ich erneut ein Kratzen in meinem Rachen. Etwas ist da in mir, wie es mir scheint. Ich räuspere mich und das Kratzen verschwindet. Vielleicht ist es ja nur Einbildung gewesen. Es wird bestimmt nichts sein. Ich bin Ich.

Es ist in jener Stille- kurz bevor mich nichts mehr als die undurchdringliche Stille meines eigenen, stetig wiederkehrenden Todes umgibt-  dass ich dem Inhalt jenes Textes zum greifen nahe komme.

Vom Ende einer Freundschaft

Womit fange ich an, wenn ich vom Ende reden will? Vermutlich mit dem Punkt, ab dem es endete und dann immer einen Schritt weiter bis es vorbei ist…

Ich saß auf dem Geländer eures Balkons. Diese merkwürdige, rot gemauerte Vertiefung in einer ansonsten unscheinbar gehaltenen, vom Smog der Stadt über die Jahre abstoßend gefärbten, Häuserfront. Sogar das Geländer hatten sie gemauert, damit es -wie das Haus auch- alles überlebt. Krieg, Abgase, die nächsten Generationen verkommener Mieter. Zusätzlich hatten sie eine Alu-Blech-Metall-Wasauchimmer-Krone auf die blutig rot anmutende Befestigung gesetzt und somit ihr glänzendes Denkmal für die „Ewigkeit“ gesetzt. Ein hässliches, kaltes Denkmal, aber immerhin doch für alle Zeiten gesetzt, die in der Gedankenwelt der Erbauer eine Rolle spielen könnten.
Es war eine wirklich kalte Nacht, zumindest gemessen an den Nächten vor und nach dieser Einen und den Temperaturen des Tages selbst. Vielleicht war es aber auch nicht wirklich kalt und nur das Gefühl von Kälte ist in meiner Erinnerung geblieben.

Ich erinnere mich daran, dass es regnete. Denn während ich dort saß und (vermeintlich) fror, gluckerte am Straßenrand ein deutliches Rinnsal durch den Rinnstein. Ich erinnere mich daran ganz genau; lange saß ich dort und philosophierte darüber, woran mich dieses Wasser erinnerte. Es waren nicht die Tränen, die für uns vergossen wurden. Es war nicht die Schwelle zum Jenseitigen die sich nur für mich in jener Nacht im fahlen, gelblichen Licht der Straßenbeleuchtung offenbarte. Letztlich, so kam ich mit mir selbst überein, musste es das Blut der Stadt sein. Je länger ich hinschaute, desto mehr nahm ich ein Pulsieren in den Strömen wahr, desto mehr gewann das Dunkel dieser Venen die Ähnlichkeit zu Blut. Es war kein direktes Rot – denn die Farbenwelt, derer sich eine nächtliche Welt in fahler, gelblicher Straßenbeleuchtung bedient – ist einzigartig.
Wer sagt, alle Katzen seien Nachts grau, hat noch nie in einer Stadt gelebt. Nachts sind alle Katzen, Autos, Busse, Menschen, Regentropfen, Wände, Asphalt… einfach alles… schmutzig und fahl gelblich, einzig durch ihren Grundton unterscheidbar. Oder im Schatten dieses Lichts und durch die Ablenkung der Lampen unsichtbar für unsere einfach gestrickten Augen.
Jenen Augen, die – wie unser Hirn – meist nur das Offensichtliche sehen wollen und sogar davor nur all zu oft die Lider verschließen.

Du hast geraucht, ganz die Schurkin eines Hollywooddramas, während du still im Schatten auf der Bank gesessen hast. Der Schatten der Wand, durch das rückwärtige Licht so geworfen, umgab dich mit einer Stofflichkeit, die über die Tiefe von Schatten hinausging. An jenem Abend hattest du dich in deinen Wintermantel gehüllt, doch was dich wirklich umhüllte war viel mehr als nur Stoff und der Rauch deiner ewig glimmenden Kippe. Ihre Leuchtspur, wenn du sie zum Mund führtest und ihr stetiges Pulsieren, während du einen Zug nahmst, bildeten die einzigen Löcher in der undurchdringlichen Mauer, die in der Stille der Nacht eiskalte, scharfe Kanten bekam.

Wir saßen lange, schweigend, in der Kälte dieser bizarren Nacht. Unbewegt in unseren Positionen, weit weg von unserem Körpern. Vermutlich hätte mir eine Zigarette ebenfalls gestanden, wie ich dort auf der Brüstung saß; ein Bein lässig herunterbaumelnd, eines auf dem Geländer abgestellt und nahe an meinen Körper herangezogen. Ich lehnte mich gegen die kalte, wegen des Regens schleimig nasse, Wand und verschränkte die Arme über dem Knie. Eine Zigarette hätte gepasst. Ebenso ein Hut und Stiefel mit Sporen. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert und ich rauche nicht. So blieb mir nichts um meine Gedanken festzuhalten und jedesmal, wenn meine Aufmerksamkeit zufällig an die Oberfläche tauchte, hatte sich an der Szenerie nichts verändert.

Es gibt viele Ansichten, wie Zeit sein könnte. Ein Fluß, ein Ozean, eine Uhr mit 2 bis 3 Zeigern, ein Zahnrad hinter den Vorhängen unserer Welt, eine Art Kleber zwischen den Dingen und ihren Zuständen, Unsinn, subjektiv und in der Grundsache zu wenig vorhanden, endlos und unsichtbar…
In jener Nacht hatte sie sich selbst vergessen. Ihre Bestimmung, ihr Streben, ja sogar ihre Form war einer gesichtslosen undefinierbaren Stasis gewichen. Wenn Zeit als Übergang eines Zustands in einen anderen gilt, hatte sie damals bestimmt vergessen weiter zu gehen.
Ich erinnere mich, das durch ihr Fehlen auch die Kälte verblasste, der Regen leiser wurde und es mir unmöglich wurde mit meinen Gedanken an der Oberfläche zu verweilen. Die Zeit war gegangen und hatte allen Dingen einen Anstrich aus Belanglosigkeit verpasst, unter dem, leise tröpfelnd, der Kern der Sache vermoderte.

Dort saß ich also in jener kalten Oktobernacht, während die Stille das Leben aus unserer Freundschaft drückte und in genüsslicher Ruhe das Mark aus den Knochen unserer Verbundenheit schlürfte.
Ich stand, irgendwann, auf und ging, hinter mir die zerbrochenen Gebeine dessen was ich für langlebig gehalten hatte.
Ich stand auf und ging in völliger Stille, als ich an der Tür nach innen kurz innehalten musste, weil mir der perfekte Satz zum Ende einfiel. Doch als ich zu dir hinüber sah warst du immer noch nicht viel mehr als Schatten und Zigarettenglühen und mir fiel auf, dass der Satz zu dem Hollywoodverständnis der Situation gepasst hätte, das Leben aber eigentlich auch ohne Platitüden auskommt.

„A proper story’s supposed to start at the beginning.“ Das sollte sie wirklich. Doch wo beginne ich, wenn das Ende der Anfang ist und damit die Geschichte vorbei ist, bevor sie beginnt?

Ich gehe schweigend und damit ist eigentlich alles gesagt.

Die Regeln der Nacht

Sie begegneten sich in der Regel zwei mal täglich. Einmal gegen sechs Uhr Morgens, dass andere mal gegen zehn Uhr Abends.
Hätte man ihn gefragt, hätte er im Scherz gesagt „Eher sechs Uhr Abends und zehn Uhr Morgens.“ Aber es kam selten vor, dass ihn jemand nach so etwas fragte, also schwieg er.

Über Monate liefen diese Treffen still ab. Im Nachhinein betrachtet musste es sogar lange so gewesen sein, dass sie sich schon getroffen hatten ohne je einander zu bemerken. Ganz so wie eine Spinne lange in einer Zimmerecke vor sich hinleben kann ohne entdeckt zu werden. Der Mensch und die Spinne existieren beide, doch existiert der eine für den anderen erst ab dem Punkt, an dem er in das bewusste Wahrnehmen eindringt. Maximal eine vage Ahnung um das Sein des Anderen besteht in uns, bis es eine Bestätigung durch unsere restlichen Sinne erfährt und dadurch als Teil unser eigenen Welt aufgenommen wird.
So hatten wie sich oft gesehen, jedoch nie aneinander Interesse gezeigt. Wann genau sich das geändert hatte, wusste später keiner der beiden zu bestimmen. Es war eine jene Entwicklungen, bei denen man sich irgendwann nur daran erinnern kann, dass es schon immer so war und halt irgendwann begonnen hatte.
Etwas, so natürlich in seiner Natur, dass es zu einem integralen Bestandteil des eigenen Lebens wird und damit, so wie die frühe Kindheit, in einem generellen Gefühl untergeht.

So lernten sie sich kennen. In den kurzen Momenten um sechs und zehn, an seinem Abend, ihrem Morgen; ihrem Abend, seinem Morgen.

Eigentlich – so sagten alle ihre Freunde und auch die Handvoll jener Menschen, die er als Bekannte bezeichnen würde – war ihre Bekanntschaft von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Niemand – so sagten die Menschen die sie gut kannten und jene, die ihn schon lange begleitet hatten – kann so leben und glücklich sein.
Es ist wahrlich ein gutes Ding, dass sie beide wenig auf das gaben, was andere sagten, sonst wäre Ihnen beiden etwas entgangen, was sie später als die schönsten Zeiten ihres Lebens bezeichnen würden.

Es waren die Gespräche, in die beide sich verliebten; es waren die kurzen Momente – Morgens um sechs und Abends um zehn – in denen beide die Kraft für den Tag und die Ruhe für die Nacht fanden.
Einige Minuten mit ihm reichten ihr, dem trostlosen Moloch ihres Alltags zu widerstehen; angefüllt mit den kleinlichen Widrigkeiten einer Normalsterblichen, den anekelnden Gerüchen eines Lebens, an einem Ort, den Sie nicht als Zuhause, wohl aber als Endstation bezeichnen würde. Es war weniger seine Lebendigkeit – die er bei genauerem hinsehen sehr wohl besaß – welche Sie inspirierte, sondern vielmehr die Ruhe, die er in seinen Worten und seiner Art versteckte.
Ein Blick auf Ihr rotgoldenes Haar, durchzogen von einigen grauen Strähnen, die sie im Laufe der Zeit nicht mehr zu verstecken versuchte; eine Brise ihres Geruchs, müde vom aufstehen oder den langen Stunden eines Arbeitstag, reichten ihm um die Ruhe in seinen Gedanken zu finden, nach der er stets suchte um in einem ruhigen Schlaf zu fallen. Es war weniger ihre ruhige Art – der alle verfielen, die sie umgaben – sondern die brodelnde Lebendigkeit, gefesselt durch ihre Ängste und ihr Leben, die darunter lag und durch nichts zu ersticken war, die ihm half sich auf ein neues Morgen zu freuen.

Im Grunde – so waren sich alle einig – band die beiden nichts aneinander, hatten sie nichts gemein. Sah man sie zusammen, also zumeist während jener kurzen Treffen, so schwiegen sie überwiegend.
Es ist müßig, darin fortzufahren, wieso die beiden nach allem Anschein nicht zusammenfinden hätten können oder sollen, warum die Sache nie etwas werden würde oder wann sie scheitern sollte. Denn auch nach Jahrzehnten, als beide alt geworden und die Sorgen des Lebens klein geworden waren, waren sie ein Paar.
Vielleicht nicht eines der gewöhnlichen Allerweltspaare, die ihre gemeinsame Zeit mit Aktivität füllen um nicht in die Gefahr zu gelangen, sich tatsächlich mit dem andren auseinander setzen zu müssen. Oder zu erkennen, dass in der Stille Fragen liegen.
Ich sprach nur einmal mit Ihnen persönlich. Damals, als ihrer beider Zeit nahezu gekommen war und nicht mehr viel blieb als die Erinnerungen an das Vergangene, da in der Zukunft schon bald das Ende drohte. Ich bin bis zum heutigen Tag keinem Paar begegnet, in dem ich deutlicher die Sage spüren konnte, nach welcher der Mensch einst beide Geschlechter vereinte und durch eine große Tragödie geteilt wird, nun beständig auf der Suche nach der anderen Hälfte.
Hier, so war es mir, hatten sich zwei Hälften gefunden und waren wieder eins geworden.

Zuletzt, nach einem spannenden aber eher belanglosem Report über ihr Leben – ich berichtete damals über lange Beziehungen und was sie zusammenhielt – stellte ich jene Frage, die immer gleich klang, jedoch niemals gleich beantwortet wurde.
Was ihre Antwort war, ist mir – ich muss es zu meiner Schande gestehen – zum größten Teil entfallen. Viel darin drehte sich um relative Gewichtungen, geteilte Lasten und Neuevaluierung der eigenen Sicht. Natürlich waren ihre Worte um ein vielfaches liebevoller und elaborater, doch wie schon bemerkt: ich habe das meiste vergessen.
Seine Worte jedoch blieben nur bis zum heutigen Tag im Kopf stecken, vermutlich deshalb, weil ich in ihnen einen Schlüssel für mein eigenes Leben fand und daher einen besseren Zugang zu Ihnen hatte als zu denen von ihr.

„Die Nacht hat ihre eigenen Regeln. Wenn du als Reisender in ihren Gefilden umherstreifst, wirst du durch die Fremdartigkeit dieser Regeln jedoch meist erschreckt. Darum fühlen wir uns des Nachts auch oft bedroht. Natürlich nicht nur deshalb; Fantasie und andere Spukgedanken tun oft ihr übriges um uns Angst zu bescheren.
Was ich sagen will ist… wer die Nacht als Besucher trifft, also hin und wieder nachts länger wach bleibt oder einmal ‚die Nacht zum Tage werden lässt‘, der wird sie niemals verstehen können. Die Nacht ist kein Tag. Will sie nicht sein. Die Nacht – ich sagte es ja schon – hat ihr eigenen Regeln. Und wer sie verstehen will, der muss sich Ihr hingeben. Mit all seinen Wesen und seinem Leben. Nur indem ich Teil der Nacht werde, kann ich Ihre Regeln beginnen zu erahnen.

Ich kann Ihnen erzählen, dass in der Nacht die Welt schlafen geht und Sie werden es erst verstehen, wenn Sie selbst mit dem ersten Morgengrauen den tiefen, klagenden Klang einer einsamen Klosterglocke hören, obwohl Sie inmitten einer Großstadt leben und sich weit und breit keine Kirchen oder Klöster befinden.
Ich kann Ihnen von der perfekten Ruhe einer Nacht erzählen, und doch werden Sie niemals die Nuancen der Stille erahnen können, wenn Sie nicht die allumfassende Stille der Nacht gewöhnt sind. Viel zu schnell nehmen Sie an, es sei still, so überreizt sind Sie von den Fluten des Tages.
Ich kann Ihnen erzählen, wie es sich anfühlt wenn die Welt zu Bett geht und jene Stille, von der ich sprach, unter Ihrer Bettdecke hervorkriecht. Doch können Sie die Ungeduld verstehen, mit der Sie dem Rückzug des täglichen Lebens zusieht, wenn Sie selbst gegen die Müdigkeit des Tages kämpfen? Was für die einmalig ist, ist für mich ein tägliches Ritual. Der Wunsch, den Tag fortzuführen macht Sie blind für den Beginn der Nacht und wenn Sie es dann endlich bemerken, dann ist sie bereits angezogen, geschminkt und geschmückt… Wenn Sie mir dieses plumpe Bild nachsehen wollen…
Ich kann Ihnen schildern, welche Klarheit die Nacht hat. Doch kann Ihr – von der Sonne des Tages geblendetes – Auge mehr sehen als die strahlende Leuchtkraft der Sterne? Sehen Sie die Farben des Schwarz? Schmecken Sie die Nuancen der Dunkelheit? Mal rauchig und verkatert, dann wieder so klar, dass nicht einmal ein geschultes Auge an ihr haften bleiben kann?
Die Nacht zu beschreiben ist, wie einem Tauben das Tanzen zu zeigen. Er wird Sie stets für verrückt halten. Erst wenn er die Musik hören – oder doch zumindest spüren – kann, wird er beginnen eine Ahnung davon zu entwickeln, was Ihnen das Tanzen ist. Doch wahrlich verstehen kann er sie nur, indem er sein Leben dem Studium Ihrer Meinung verschreibt. Und erst wenn er mit Ihnen verschmelzen kann, wird er einen Eindruck Ihrer Welt bekommen. Doch niemals erkennt er ihre Wahrheit, so sehr blendet in das Licht seines eigenen Lebens.

Die Nacht hat ihre eigenen Regeln. Damit habe ich begonnen und damit will ich diesen Exkurs beenden.
Ich habe mich dem Studium der Nacht verschrieben, habe in meinen Gedanken die Klarheit der Nacht gefunden, meine Zunge kennt den Geschmack der Dunkelheit besser als den des Essens von gestrigen Tag. Meine Ohren hören mehr in einer Minute Schweigen als im stundenlangem Geplapper der Menschen.
Aber in ihr… in IHR fand ich das eine Licht, dass mich nicht blendet.“