Sei.

Ich will so ein Mensch sein,
Der umarmen kann und umarmt;
Nicht mit dem Körper -nicht nur –
Sondern dem Herzen.

Doch mit jedem vielleicht
Begraben wir -Stück für Stück –
Viel der Leichtigkeit in uns.
Zwischen uns.

Ich will so ein Mensch sein,
Der geben kann und gibt;
Nicht weil er muss,
Sondern weil er will – wirklich will.

Doch mit jedem irgendwann
verpassen wir – wieder und wieder –
Ein Jetzt.

Das Gegenteil von Unglück

Die andere Seite der Medallie liegt oft unter dem Samtkissen der Zufriedenheit. Glück, wenn man es so nennen will, kann ich oft nur erahnen.

Was liegt dort, wenn ich mich umdrehe und nicht nur nicht unglücklich, sondern das Gegenteil sein will/soll/muss? Wie komme ich durch die Schleier der hart antrainierten Unglücklichkeit? Wie kann Unglück persistent, Glück jedoch so flüchtig sein, wenn es doch eigentlich gleich -nur gegenteilig- sein soll? Wenn ich in einem Kreis loslaufe, wie ermittele ich den Gegenpunkt, wenn mir versagt ist, durch die Mitte zu schneiden?

Antworten wären hier super. Wirkliche Antworten die nicht jenes unbestimmte Gefühl von Unzulänglichkeit hinterlassen. Das Gefühl, letzten Endes dann doch nicht das gefunden zu haben wonach ich suchte, sondern eine halbgare Variante irgendwo dazwischen.

Zu klug um in diesem System nicht zu funktionieren, nicht klug genug um mehr als Durchschnittliches zu erreichen. Diesen Spruch habe ich so in etwa vor einer Weile gelesen -auf englisch natürlich – und immer wieder merke ich… da könnte was dran sein.

Die Grenzen des Sein

Menschen sind egoistische Rudeltiere.

Sagtest du. Ich schwieg.

Das Rudel brauchen wir nur, weil wir uns alleine verlieren. Ohne die spürbare Grenze anderer Menschen zerfließen wir mit unseren Gedanken und weichen auf. Das ertragen können die wenigsten.

Sagte ich später noch. Eine Antwort hörte ich schon nicht mehr, mein Kopf war bereits auf Reisen.

Wo, also wann, beginnt das eigentlich… dieses Ich. Dieses Ego.
Wie, also warum, haben wir das eigentlich… diese Identität. Dieses Individuum.
Und vor allem… wie kommen wir damit klar, jeden Tag erneut den Hochseilgarten zwischen Alleinig und Allgemein zu wandeln ohne zu stürzen?

Was ich so lapidar daher gesagt hatte, als Antwort auf eine stammtischphilosophische Diskussion, lässt mich seitdem nicht mehr los.

Was ist Identität, was ist Ego. Können wir ohne sein oder ist es vielleicht schlicht notwendig egoistisch zu sein, da wir gar nicht anders können?
„Wissenschaftlich“ gesprochen ist es recht klar, warum wir eine Identität ausbilden. Wir haben nunmal einen Körper, der mit einem Hirn verbunden ist und mit dem wir unsere Umgebung wahrnehmen. Wir sind, jetzt wieder eher unwissenschaftlich, quasi um unseren einen Blickpunkt herum aufgebaut. Ich kann mich nicht als Vogel wahrnehmen, denn dazu müsste ich den Körper eines Vogels haben.
Oder könnte ich doch? Wenn ich zum Beispiel gänzlich isoliert aufwachse. Nur großgezogen von Affen… halte ich mich dann nicht auch für einen? Da muss vermutlich nicht nur ich am Mogli denken. Aber was, wenn ich jemand bei Adlern aufwachsen lasse? Oder als Adler verkleideten Menschen. Und immer wieder sage ich ihm er sei ein Vogel…
Alberne Vorstellungen, gewiss. Aber dem liegt ja die Überlegung zugrunde, wie und warum wir unseren Ego bilden.
Schon früh erfahren wir, dass wir alleine sehr aufgeschmissen sind. Verständlich wäre es also dann doch, wenn wir aus dieser Erfahrung ableiten, Gemeinschaft sei notwendig und eine Art „hive mind“ (Schwarmintelligenz) wie bei Ameisen entwickelten. Das Wohl der Gemeinde als Grundkomponente unseres Seins. Doch da dem nicht so ist, stellt sich weiterhin die Frage, was genau dazu führt, dass wir uns als Person und nicht als Teil eines Personenkorpus definieren.

Wie fahre ich fort, wenn ich mitten in einer Überlegung abhanden komme und erst Wochen später vor einem mir seltsam fremden Text sitze? Das Gefühl und die Gedanken sind nicht direkt weg, aber doch ungenau und verwaschen. Es ist ein Segen, dass ich kein Autor sein will, sonst müsste ich mich nun in den alten Stil reindenken und zwingen.

Also. On verra. Weiter.

Ich; was für ein elementares Wort in unserer Sprache. So gut wie nie beziehen wir uns auf etwas, ohne uns selbst nicht vorher selbst zu definieren. „Ich mag niemand“. Und abgesehen von manch einem selbstverliebtem Geist scheint das auch soweit natürlich. Nicht irgend jemand anderes will das sagen, sondern ich. Ich allein.
Im Umkehrschluss könnte man auch sagen: dadurch dass ich jemand anderes wahrnehme und eine Grenze zwischen ihr/ihm/es und mir ziehe, muss ich eine eigene Person erzeugen.

Soweit also zur Notwendigkeit eines Ego.

Doch, wie mir hier plötzlich einfällt, ging es zu Beginn ja um eine andere Note in diesen Überlegungen.

Der Mensch ist ein egoistisches Rudeltier.
Das waren deine Worte. Vor Monaten. Und noch immer habe ich nicht viel mehr erklärt als mit dem pathetischen Spruch in Zeile 6 ff.

Breaking Point II

In zerrissenen Laken,
Zerschunden vom Spiel,
Ausgeblutet und leer,
Liege ich allein
Neben meiner Geliebten.

Ich habe mein Gesicht,
Vielleicht auch nur
Den Blick,
verloren.

In der Stille meiner Einsamkeit
Sehe ich die Lücken,
Tief im Herzen,
Die klaffen.

Erneut am Ziel
Meiner Wünsche
Und der Sehnsucht.
Erstickt mich sanft
Meine zärtliche Geliebte.

Eine Frage des Wunsches

Ich bin wer ich bin,
Wann ich es sein will;
Wenn ich es sein kann;
Immer wieder neu.

Will ich stark sein, bin ich
Macho, Chauvi, grob.
Will ich sanft sein, bin ich
Emanzipiert,  still, nett.

Ich kann nicht mehr sein,
Wie ich war;
Wie ich sein s/wollte;
Zu jeder Zeit gleich.

Eingebunkert in Prinzipien
Überstehen sich die Jahre gut.
Gelöst von diesen Grenzen
Will ich den Rest verleben.

Ungebunden in Meinungen
springend,
Ohne den B(einb)ruch des Dogmas;
Jetzt und immer wieder jetzt.