Alles meins!

Es ist meins, meins allein.
Is auch gut so.
Ich geb es nicht her, mach ich nicht.
Is ja auch meins.
Ich teil es nicht, nicht mit euch.
Macht auch nichts.
Ich verschenk es nicht, nicht an dich.
Warum auch?

Es ist meins, meins allein.
Ich hüt es wie ein Drache,
Eifersüchtig, geiferspeiend
Unten in seinem Berg.
Zwischen Gold und Edelsteinen,
Mistrauisch umherspähend.

Es ist meins, meins allein.
Wenn ich es teil, is es eins;
Doch behalt ich meins.
Geb ichs dir, ist das deins;
Vielleicht sogar unsers.
Aber meins bleibt meins.

Es ist meins, meins allein.
Ich hab nur eins,
Drum bleibt es meins.
Ich hatt es verloren,
Mich verloren.
Mein Leben.

Orte der Kindheit

Es ist einsam hier, am Ort meiner Kindheit. Einsam, still und leise; fast totenstill.
Seit ich hier bin, sehe ich meinen Träumen bei einer verstörenden Entwicklung zu. Personen aus längst vergessen gelernten Zeiten tauchen auf und halten mir Predigen zu längst überwunden geredeten Themen. Und während ich aufwache habe ich noch das seltsamerweise wohlige, saftige Gefühl der nachgebenden Schädelplatte der Person… ich glaube sie hieß Susanne…, die mir einen -mittlerweile natürlich bereits wieder verdrängem – Sachverhalt nicht erklären konnte, in den Fingern und ertappe mein Gesicht bei einem hämischem Grinsen.

Was ist es, an diesem Ort meiner Kindheit, das mich die Themen andenken lässt, die ich bereits seit einer langen Zeit in meiner „neuen Heimat“ nicht erfassen kann? Oder von denen ich meine, sie in irgend einer Art aufgearbeitet zu haben?
Da investiere ich Stunden um Stunden in kluge und wohl überlegte Worte, um nach einer schlappen Woche am Ort meiner Ängste anzukommen und von meinen Träumen vorgeführt zu werden.

Meine Kindheit ist längst nur noch eine halbversunkene Ruine dessen, was sich einmal stolz Kinderspielplatz nannte. Doch habe ich jemals aufgehört zu wippen? Bin ich je von der Schaukel das eine, letzte Mal gesprungen; hoch in die Luft und in die untergehende Sonne hinein? Dreht sich noch immer mein kindlicher Körper im Kreis; kreischend vor Aufregung, Angst und aufwallender Übelkeit?
Das Bild eines grausigen Clowns, mit verschmierter Schminke, diabolischem, gelbem Grinsen, in seiner abgewetzten, ausgegrauten Kleidung, halb versunken über einem blaugrünem Elefanten-auf-einer-Sprungfeder ist für einen kurzen Moment in meinem Kopf zwar lustig, dann aber nur noch das überzogene, erbärmliche Bild meiner vergessenen Kindheit.
Bin ich Clown oder Elefant?

Der Ort meiner Kindheit ist ein Ort der Stille. Jener einsamen, ruhigen Art von Stille, in der wir Kraft schöpfen können und uns der Natur erfreuen können.

Der Ort meiner Kindheit ist ein Ort der Vergangenheit. Jener mystischen, fantastischen Art von Vergangenheit, von der unsere Geschichten nähren und aus der wir Anekdoten erzählen.

Es ist der Ort meiner Sehnsucht, meiner Angst, meines Hasses. Es ist der Ort, von dem ich weggezogen bin. Der Ort an dem ich niemals bin und niemals sein will, aber immer sein werde.

Der Ort, an den ich immer zurückkehren werde um zu schaukeln; zögernd im Abendrot.

Commitment Pussies

Pussy, Unterart Commitment Pussy:
„Die gemeine Commitment Pussy (Im folgenden mit CP abgekürzt) hat ihren Lebensraum in allen Ländern dieser Welt, wobei jedoch eine erhöhte Häufung in dichtbevölkerten Teilen der Erde festzustellen ist. Ursachen werden hierfür in der erhöhten Auswahl an Mitgliedern gleicher Spezies und draus resultierend einer verringerten Zwanglage gesehen.
Die gemeine CP zeichnet sich durch ein erhöhtes Maß an ausweichendem Verhalten aus, was nahelegt, dass sie seit frühester Kindheit einer erhöhten, unverhältnismäßig großen Bedrohung durch Andere seiner Spezies ausgesetzt sein muss. Ein infolgedessen zu erwartender Populationsrückgang ist eine naheliegende Annahme, jedoch kann aufgrund eingehender Studien festgehalten werden, dass ein Anstieg der CPbevölkerung innerhalb der letzten 20 Jahre um mindestens 500% zu verzeichnen ist. Genaue Ursachen hierfür sind unklar, Theorien reichen hierbei von o.G. verringerter Zwangslage, genetischer Fehlbildung und hierdurch überhöhter Reproduktion bis hin zu Theorien, nach denen sich CPs von Menschen ernähren, was den Anteil selbiger prozentual erhöht.
Im allgemeinen ist eine CP jedoch meist harmlos. Bewährte Abschreckungsmittel sind sämtliche Zeichen ehrlicher Zuneigung oder Vertrauensbeweise.“

Nun, nachdem wir über unser aller Bibel, den Duden, geklärt haben, was ungefähr unter einer CP zu verstehen ist, möchte ich Ihnen heute meine – ganz eigene und wahrscheinlich für viele Ohren unglaubwürdig klingende – Meinung zum weltübergreifenden Phänomen der CP schildern.

„Sich commiten“. Neudeutsch für den veralteten Begriff „sich einlassen“.
„Sich an etwas binden“.
„Sich voll für etwas einsetzen“.
Heutzutage kennen wir das alle. Immerhin commiten wir uns in der Firma bis zum erbrechen, damit das große Bosswesen über uns unser Commitment bemerkt und sich denkt: „Joa. Den. Den will ich behalten. Der commitet sich.“ Wir commiten uns in unseren Sportvereinen, wir commiten uns in unseren Skatclubs, wir commiten uns bei der Wahl von Deutschlands nächster Superstimme. Wir lassen uns ein auf alles was nicht Niet und Nagelfest ist, ständig bedacht offen, empathisch und möglichst „Gefühlsecht“ zu sein.
Denn zu fühlen ist Hip.
Mit sich selbst in Kontakt treten, auch einmal Tränen zulassen und ganz offen und ehrlich über unsere unglaublich tragische Liebe zur ersten Katze im Alter von 6 Jahren zu reden… das ist In. Darauf fliegen die Männer (bzw. Frauen).

Das Leben ist nicht mehr so wie mit 16. Das ist den meisten von uns klar, die Redewendung „Jeder trägt sein Päckchen“ wahrscheinlich nach „Scheiße“ in der Top 10 der meistgesagten Floskeln. In unserem Leben haben wir alle genug erlebt um zu wissen, dass wir niemandem auch nur den Ansatz von Vertrauen entgegenbringen dürfen, wenn wir nicht unweigerlich erleben wollen, wie es den Sozialdemokraten nach dem ersten Weltkrieg erging.
Die Welt ist böse.
Jeder da draußen will unserem Leib und unserer Seele größtmöglichen Schaden zufügen.
Immer und überall.
Aber auch weniger paranoide Menschen werden gewiss nicht über ein uneingeschränktes Vertrauen in ihre Umgebung verfügen. Nicht alle sind gewillt uns zu verletzen. Dennoch. . . Better safe than sorry. Denn enttäuscht worden sind wir alle schon. Und nachdem man einmal mehr gegeben hat, als man zurückbekommen hat lässt man sich doch am besten nie wieder ohne fünffache Absicherung auf irgendwen ein. Man is ja nicht blöd.

Kafka inszenierte in „Der Prozeß“ seinen – meiner Meinung nach – gelungensten Antihelden. Alles was „er“ tut kann und wird gegen ihn verwendet werden. All sein Streben führt letztendlich doch nur zum Sterben.
Es kommt mir so vor, sls ob in uns allen ein Josef K. steckt. Denn so wie Kafkas Hauptcharakter letzten Endes dann doch sein Schicksal akzeptiert, so haben wir akzeptiert, dass wir letzten Endes immer verletzt werden. Unweigerlich und unerbittlich läuft „sich einlassen“ auf Verletzung hinaus. Und darum bewahren wir kühlen Kopf. Halten wir uns eine Hintertür offen, durch die wir abhauen können, wenn die Prozeshelfer vorne klopfen.

„Man muss sich interessant machen. Lass sie zappeln, dann klappt das besser.“ Sagte man mir. Und behielt Recht. Warum? Ich kann es nicht genau sagen. Wir alle kennen die Regeln dieses Spiels nicht wirklich. Hier gibt es regionale Hausregeln, dort saisonale Ausnahmen. Doch wir alle wissen um die Existenz dieser Regeln und des Spiels, dass sie umreissen. Dabei ist uns eigentlich ja noch nicht mal das Ziel des Ganzen klar. Aber mitspielen müssen wir.
Oder verlieren.
Doch eine Regel scheint dann doch allen bewusst: wer sich zuerst offenbahrt, wer sich zuerst outet… der hat verloren. Also tanzen wie umeinander her, mit geradem Rücken, ernster Mine und korrekt sitzender Kleidung. Die Wahrung des eigenen Gesichts ist Messlatte für Erfolg im Spiel. Ernste Gefühle der supergau. Der Blackout. Die Kaper auf der Pizza (niemand mag die Dinger!).

Aber kommen wir zu dem, was Joint Venture als „die ernste Viertelstunde“ bezeichnet. Einem Abschnitt, der vielleicht von vorne beginnt, redundant erscheint aber vor allem eins sein soll: ehrlich und in keiner Weise zynisch.

Das Spiel der Spiele – das Spiel um Beziehungen – ist ein sehr schwieriges Thema für mich. Wie ich sehen konnte ist es eines, dessen Regeln ich durchaus beherrsche und beeinflussen kann. Wie ich erleben konnte ist es ein Spiel, dessen Ziel für mich durchaus erreichbar ist. Und ich erkannte, dass ich es nicht verstehe. Also den Sinn des Ganzen. Es wurde mir nicht schlüssig, in erster Betrachtung, warum dieses Spiel überhaupt gespielt wird.

Ich sehe Menschen, offensichtlich hoffnungslos ineinander verliebt, darum kämpfen, niemals irgendjemand von diesen Gefühlen zu erzählen. Und wenn es doch mal passiert, weil die Person sich geschützt genug fühlt um einem Unbeteiligten gegenüber sich zu öffnen, so wird es zum Abschluss stets relativiert. „Mal schauen was wird“. „Abwarten“. Bis was? Worauf? Warum?

Was ist das für eine Art, dass wir Menschen verlernt haben, uns unsere Zuneigung, oder noch reduzierter, das Interesse aneinander nicht mehr mitteilen können? Warum ist es gleich der dating-Nackenschuss, wenn ich zugebe „Hey du. Du bist für mich gerade interessant.“
Ich spreche hier nicht von einem verzweifelten Hilferuf der Einsamkeit, wo ich durchaus eine abschreckende Wirkung nachempfinden kann. Ich meine hier eine klare, selbstbestimmte Haltung. Eine die klar und deutlich zu den eigenen Gefühlen steht. Die sich nicht hinter Mauern aus Coolness und Machtstrukturen versteckt.
Wieso ist es  Menschen schier unmöglich geworden, eine solche Meinung als Stärke wahrzunehmen? In meiner Erfahunrg bewirkt so etwas in der Regel Fluchtverhalten. Menschen die sich mit jemand konfrontiert sehen, der keine Lust auf das spielen hat, sondern seine Position offenbart, springen oft ab. Im Bild gesprochen ist es so, als ob man beim Schiffe versenken die Positionen gesagt bekommt. Man gewinnt zwar, aber Spaß macht es nicht.

Wir alle haben unsere Zweifel, soweit gehe ich mit. Doch es fällt mir zunehmend schwer, dass wir alle Sklaven usnerer Zweifel sein sollen. Geade in wichtigen Themen wie Beziehung soltle doch auch die Hoffnung, unser Wollen und unsere Wünsche eine Macht bekommen. Denn wir wollen glücklich sein. Daran glaube ich mit aller Macht. Niemand MÖCHTE eine Beziehung, in der man sich bei jedem Schritt belauern muss, ob der andere nicht vielleicht doch gelogen hat und eigentlich woanders sein will. Das hoffe ich zumindest.

Es macht für mich keinen Unterschied, wie man das Kind nennt, während es aufwächst. Ob ich nun sage ich führe eine Beziehung, ob ich jetzt „mit jemand was hab“, ob ich sie/ihn mag, liebe, gern hab oder ob ich „mal schaue was kommt“. Für mich sind das verschieden mutige Aussagen für ein und die selbe Grundlage. Ob wir uns kennenlernen während wiruns Freund/in nennen, ob wir uns „erst mal“ kennenlernen und währenddessen jegliche Kosenamen meiden, alle Bindungen flach halten und uns schützen… Die Liste ist lang und ermüdend.

Mut.

Das ist das Wort, das für mich im Mittelpunkt der gesamten Charade um kennenlernen und Commitment steht. Wir haben den Mut verloren uns einzulassen, gepeinigt von der Angst uns auszuliefern. Eigentlich. Und insofern kann ich das auch gutheißen. Sich jedem interessanten Menschen gleich hinzugeben ist eine Art von Selbstteilung, die ich nicht befürworten will(nicht mehr jedenfalls). Das jedoch aus den Ängsten um unsere eigene Verletzlichkeit eine Angst um unseren Stolz wird, ist für mich schwerer verständlich.
„Ich will mich ja nicht zum Affen machen“. Mit dieser Aussage kann die Sorge vieler Menschen umrissen werden. Doch was steht dahinter? „Ich möchte nicht, dass ich an dem Punkt, an dem ich klar zu meiner Meinung stehe – welche im Moment beinhaltet dich/ihn/sie interessant zu finden – in den Augen anderer lächerlich zu sein.“ Vor wem mache ich mich denn dann lächerlich? Oder besser gefragt, wenn das als lächerlich aufgefasst wird… will ich dann nciht lieber so lächerlich sein wie ich kann? Warum ist es verkehrt, zu sich und seinen Gefühlen zu stehen?

eine Antwort hierzu ist vermutlich, dass in unseren Köpfen hinter einem „Ich will…“ immer ein „…deshalb musst du.“ einprogrammiert ist. Nichts in dieser Welt ist umsonst, dass wird uns durch das Gesellschaftssystem in dem wir leben schon seit früher Kindheit eingetrichtert. Und wir alle scheinen es zu glauben.

Es ist meine Hoffnung, dass unsere Gesellschaft, in der es nun wieder Hip ist, sich emotional zu geben darüber hinwegwachsen kann. Denn wir sind keine 16 mehr, allerdings auch nicht alle alt und verbittert. Öko, Bio, kommunal, mehr Herz im Miteinander etcetc. All die hippen Bewegungen wie Bürgergärten, Volksentscheide, Kiezstammtische etc sind mir grundsätzlich zuwider. Aber sie könnten unseren Kindern eins zeigen, nämlich dass man manchmal auch Gefühle zeigen kann und dabei nicht der Volldepp sein muss. Dass wir nicht Sklaven unserer Zweifel und Ängste sein müssen. Dass wir unseren Mitmenschen vertrauen können, auch wenn wir enttäuscht wurden.

Und dann kann man vielleicht die Stärke haben und sagen:

Du.
Ich.
Wir beide.
Jetzt.

Die Macht von Diddl und Komparsen

Eigentlich sind es, nüchtern betrachtet, alles Zombies.
Halbtote, gammelige Wesen einer längst vergessenen Zeit, heute einem anderen Sinn zugeführt als sie haben sollten: tot zu sein.
Der ursprünglich veranschlagte Zweck, also die Belustigung und Verzückung kleiner Betamenschen (alles vor der Pubertät ist für mich in einer Testphase), ist bereits seit einer und einviertel Generation gestorben. Mindestens. Mehr wenn wir den Zuwachs frühreifer Mütter dazuziehen.

Wenn erwachsene Wesen beginnen kleine und große Plüschmäuse in Stiftform, Notizblöcken, Tassen und Karten zu sammeln,  weil es ja „ach so süß“ ist…
Wenn Menschen,  die in der Lage sind, sich selbst Gedanken zu machen einen jeden Einzeiler jedweden Kalender zu einem einzigartigen Zen-Satz erheben und als krisstaline Weisheit erachten…
Wenn Menschen, die gelernt haben Worte für das zu finden was sie denken, ihre Partner mit „ohne dich ist alles doof“ Merchandise überhäufen…

…fühle ich mich eines widerwilligen Respekts genötigt. Denn zu sehen, dass etwas derartig Banales wie eine Maus mit heftigen Missproportionen (der diesjährige Gewinner der „Miss Proportionen Wahl“ ist es bestimmt nicht) über Jahre, nachdem sie bereits fast vollkommen verschwunden war, doch irgendwo einen lebenden Wirt gefunden hat und ein fruchtbares, ertragreiches, wenn auch halbtotes Lehnen führen kann ist bemerkenswert.

Auf der einen Seite hat es etwas Makaberes, vor allem wenn man die inbrünstig infantile Art betrachtet, mit der die wunderbare Einzigartigkeit einer Massenware angebetet wird um ihr die verdiente letzte Ruhe zu verweigern.
Auf der anderen Seite ist es erhebend,  zu sehen mit welchem eiskalten Kalkül der Mensch den Sinn seiner Kreationen nehmen und verdrehen kann, damit sie seinem eigenen Zweck dienen.

Nahezu  Nekromantie.

Ich will nicht über Weihnachten schreiben

Will ich wirklich nicht. Und doch scheinen meine Gedanken seit Tagen über nichts anderes zu kreisen.

Was haben alle für ein Problem mit dem Fest? Was macht es so kompliziert für euch?
So in diese Richtung gingen viele der Gedanken. Es ist mir ein recht unzugängliches Konzept, wie diese riesige Erwartungshoffnungsseifenblase entstehen konnte, die heutzutage in nahezu jedem Kopf herumzuschillern scheint.

Sind Hollywood, schlechte Weihnachtsgeschichten (oder auch gute) und oder doch einfach nur der böse Konsum schuld an der weihnachtlichen Stressstimmung? Wieso ist ein Fest, dessen intrinsischer und ureigener Anspruch nicht kleiner sein könnte, zu solch einer großen Eiterbeule der Gesellschaft angewachsen, in der jeder damit beschäftigt ist sich selbst und alle anderen schlecht zu finden, wenn er/sie von dem Gedanken „Heiligabend“ nicht direkt in speichelsprühende Raserei versenkt wird.

Was will Weihnachten eigentlich von uns? Was wollen wir davon? Und was wollen wir eigentlich nicht?
Es sind ja doch vorwiegend erwachsene (im Sinne von ausgewachsen) Menschen, die das größte Problem mit dem Fest haben. Kleinkinder und junge Jugendliche sind noch in der bedenkenbefreiten heilen Geschenkewelt. Junge erwachsene hingegen gerade in der „boah ey, is das alles ööööde.“ Haltung, welche an sich auch sehr befreiend ist, da hier nicht die wirklich zugrundeliegenden Probleme angedacht, sondern ein rein egoistisch geschaltetes Ablehnen im Vordergrund steht.

Es sind die Erwachsenen; die zu alt gewordenen. All jene, die gelernt haben, was Sozialisation heisst und wie man sich ihr beugen muss um beim umkippen nicht unelegant zu wirken. Jene Menschen, denen die Tugenden des Selbst, welches sie präsentieren so viel wichtiger sind als ihr eigenes Glück. Denn man darf nicht sein, wie man will.

Was will Weihnachten eigentlich von uns? Herzlich wenig, ich habe es schon angedeutet.
Was wollen wir eigentlich von Weihnachten? Zu viel, müsste der logische Schluss aus der Antithese sein.

„Zeit mit unserer Familie verbringen.“

Poh. Kleiner Satz, eigentlich leicht gewährleistet. Und doch glaube ich, dass dieser kleine Satz für viele Menschen in etwa so zu lesen sein muss: „Einen Abend damit verschwenden, mit Menschen, die mein ganzes Leben schon nicht zu meinen Liebsten gehören, ertragen, während ich so tue als hätte ich all die Verletzungen, Beleidigungen und anderen Verletzungen meines eigenen aufgeblasenen Egos vergessen.“

Die Kirche nervt mich meist mit ihren Botschaften. Mit ihrer Weihnachtsbotschaft ist es ähnlich. Nettes Ziel, verfehlte Wirkung und schlechte PR dazu. HABT EUCH LIEB!… sonst kommt ihr nicht in den Himmel.

Was wollen wir wirklich an Weihnachten? Was ist es, das wir uns nicht wagen einzugestehen?
Das wir NICHT mit unserer Familie sein wollen? Das wir NICHT in der Lage sind, unser eigenes, unwichtiges und mickriges, Ego wegzustecken? Das es uns nicht die Bohne interessiert, ob an diesem Tag andere Menschen glücklich sind? Das wir selbst unglücklich sind? Das wir uns einer riesigen Scharade hingeben und nicht vernünftig unsere Wünsche äußern?

Es ist nicht viel, aber wohl doch zuviel verlangt, von Menschen zu erwarten, dass sie sich für eine kleine Weile im Jahr einfach lieb haben. Verlange ich das an einem bestimmten Tag, dann wird das allein schon aus Protest nicht klappen. Ganz normal-menschliches Verhalten. Erwarte nicht von mir ein Ziel zu erfüllen, dass ich ohne deinen Willen auch selbst erreichen wollen würde, sonst lehne ich es ab, da ich niemals einen anderenWillen meinem überordne.

Es ist vielleicht merkwürdig, das jetzt zu lesen, aber ich liebe Weihnachten!

Wenn ich durch die Kaufhäuser streiche.
Wenn ich einkaufen gehe.
Wenn ich einfach durch die kalte Stadt zum Training spaziere.
Wenn ich durch die emsige, gefräßige und stinkende Hölle schlendere, die sich Vorweihnachtsstress nennt…

dann werde ich innerlich ruhig.

Meist habe ich Musik auf den Ohren. Ruhige, laute, leise, hektische… egal. Ich könnte auch ein Hörbuch hören, denn was mich beruhigt ist nicht, abgeschnitten zu sein von dem Moloch um mich herum, sondern einzig ein perfider Gedanke:

„Und all diese Menschen haben genausoviel Zeit wie ich.“

Die Familie, die ich im Supermarkt 20 Minuten lang immer wieder beim streiten beobachten konnte (hören dank Musik nicht), steht letzten Endes neben mir in der Schlange. Rotköpfig, verschwitzt, angespannt und exakt eine Minute vor mir zur Tür hinaus.
Der Vater, der seine Frau durch die Kaufhalle traben lässt um noch die letzten der 72 Geschenke für sein wunderbares Drecksbalg zu besorgen sieht kein bisschen glücklicher aus, als ich es mit meinem Croissant bin, welches ich beim Bäcker verspeise und dabei in einem Buch stöbere, weil ich mir sicher bin, dass meine Familie mich auch ohne ein einziges Geschenk lieben würde. Gut das ich bereits einem passenden über den Weg gelaufen bin.

Gut, das ich mir keine besinnliche Zeit erkaufen muss.

Was will Weihnachten eigentlich von uns?
Was will ich eigentlich von Weihnachten?
Warum kann ich das nicht äußern?
Warum wird nicht akzeptiert was andere wollen?

Eigentlich ist das nicht viel. Scheinbar ist es zu viel für den Rest der Welt.

Besinnliche Weihnachten euch allen.