Vergangenes

„Dich gab es doch schonmal!“
Sagte die dunkle Nacht zum strahlenden Tag, als er gerade anbrach.
„Das stimmt, aber zum einen ist das doch kein Grund aufzuhören und zum anderen gibt es heute vielleicht jemanden, der mich noch nicht kennt, mich schon wieder vergessen hat oder mich schlichtweg einfach noch einmal sehen will.“
Antwortete der Tag und nahm seinen Lauf.

Ich würde gerne sagen, dass irgendein altes, weises Volk oder ein alter, weiser Mensch dieses Gleichnis einmal gesagt hat und es daher stimmen muss. Doch ich stehe mit meinen Worten alleine da, kann mich auf nicht viel mehr als meine eigene Lebenserfahrung berufen.

Was vergangen ist, ist meist vergangen.
So banal das klingen mag, so schwer fällt es doch vielen Menschen die Vergangenheit auch vergehen zu lassen.

Was bringt dem „Jetzt“ oder dem „Morgen“ die Aussage „das gab’s schon!“?
So an sich sind die Worte eigentlich nicht viel mehr als eine verblassende Reminiszenz alter Ergebnisse.
Ein Statement, geboren aus dem Wunsch das Vergangene wieder zu beleben.
Der Versuch vergangenen Glanz, angegrauten Ruhm neu aufblitzen zu lassen.

Bedauerlicherweise ist der verjährte Lorbeerkranz über die Jahre oft zu einem Büschel vertrocknetem Unkraut verkümmert.
Doch es ist wichtig, den Kopf zu sehen, der den Kranz trug und so gerne noch tragen will.
Denn der Kopf ist – das bleibt ja doch zu hoffen – nicht vertrocknet.

„Das gab es schon“… Ja.
Bestimmt.
Doch können wir nicht darum um so besser Neues schaffen?
Uns nicht um so besser mit den Erfahrungen des Vergangenen an die Herausforderungen des Kommenden setzen?
Lösungen finden, die auch dem Morgen zu demselben strahlen wie gestern zu verhelfen.

Bestimmt gab es alles schon einmal, aber für mich ist das bestimmt kein Grund alles als geschaffen anzusehen.

Nur ein grauer Himmel

Ich liege auf dem Rücken im sterbenden Gras eines schneelosen, tristen Wintertages und schaue in den grauen, eiligen Himmel. Es ist einer jener Tage, an denen es leicht fällt, sich seine Stimmung bildlich vorzustellen. Denn sie umgibt einen unmittelbar.

Der Winter, der nicht wirklich einer sein kann oder will und lediglich halbherzig versucht sein Programm durchzuziehen.
Der Himmel, zielstrebig einem Ziel hinterherhetzend, von dem er eigentlich nicht einmal weiß welches es ist.
Das allgegenwärtige Grau, das der Welt einen surrealen Film-Noir-Hauch gibt und nur einzelne Farben als Kunstelement zulässt.
Und ich – mittendrin – auf dem Köpfen des sterbenden Grases.

Er wiegt ja nicht besonders viel.
Zumindest nicht gemessen an seiner Größe und im Unterschied zu anderen seiner Art.
Aber ein wenig unbequem ist es dann doch schon.
Eigentlich habe ich auch überhaupt keinen Kopf für so etwas.
Ich sterbe.
Langsam nur, nicht heute und wahrscheinlich auch nicht bald.
Es ist ein unentrinnbares Verwesen.
Ein stetiger Niedergang, von nichts und niemand aufgehalten, unterstützt oder überhaupt bemerkt.
Der Tod macht mir keine Angst.
Nicht mehr.
Zuerst vielleicht, aber nach einer Weile gewöhnt man sich ja an alles.
Die Gewissheit des Sterbens ist, nach einem ersten verstörenden Schock, für mich ein Trost.
All mein Streben, meine Wünsche und meine Gedanken bekommen mittlerweile einen klar zu erfassenden Rahmen.
Fragen nach dem Leben und nach dem Tod stelle ich mir nicht.
Ich bin nicht gefangen von dem was irgendwann nicht mehr ist, sondern lebe in dem was ich gestalten kann.
Und auch wenn ich zugrunde gehe – unbeachtet bis es zu spät sein wird – so ist mir doch die Zeit und die Kraft gegeben in dieser Zeit zu schaffen.
Denn noch ist meine Zeit nicht gekommen.
Nicht in einem derart mickrigen Versuch eines Winters.
Nicht durch dieses schwere Ding auf meinen Schultern.
Ich lebe – Bis zu meinem Ende – auch wenn mich die Würmer zerlöchern.

Grabengrabengraben obs nun schmeckt bei so nem kränklichen Boden oder nicht ist egal einfach weiterweiterimmerheiter und das Ganze dabei wieder ausscheissen um weiter zu grabengrabengraben dabei ist es doch kein Leben wenn man einfach nur so gräbtundgräbtundgräbt ohne ein Ziel vor sich zu haben und immer weiter ins Ungewisse kringeltringelttingelt als ob es kein Morgen gäbe oder man fliehtfliehtimmerweiterzieht immer der Nase nach und dabei grabengrabengraben ob nun nach obenuntenlinksrechts ist auch egal solang es nur nicht die Oberfläche ist, sonst ist man ganz schnell

„FUTTER!“ Schnell wie es nur ein junger Spatz sein kann, hat sich Knut den kleinen Kriecher geschnappt und Ute stürzt hinter ihm her, eifrig piepend und keifend. „GIB MIR AUCH WAS!“ zetert sie, während Knut feixend vor ihr weghüpft, den Schnabel mal links, mal rechts schleudernd „MHMHMPF“ lachend und sich im Kreise drehend. Sie verpasst ihm mit ihrem Flügel eine Schelle, und mit einem „MHAAU“ fällt der Kriecher aus seinem Schnabel, Ute schnappt zu, schmeisst ihn in die Luft und schlingt ihn mit einem Haps runter. „UNFAIR!“ schreit Knut und flattert federnstiebend davon

Hinauf in die Luft.
Höher.
Der schlafende Riese wird klein und kleiner.
Höher.
Die sterbende Wiese wird klein und kleiner.
Höher.
Wind verfängt sich in seinem Gefieder und er fühlt sich frei.
Höher.

Sorgen haben im Spiel der Vögel keinen Platz. Er hat bestimmt schon vergessen, warum er sich gerade eben noch so aufgeregt hat. Aber darum sind sie ihm auch so lieb. Diese kleinen Viecher die sich so wild in seinen Armen tummeln und sich wahrlich darauf verstehen, ihm zuzuhören. Ihn wirklich fühlen. Ihm ist so viel begegnet auf seinen Reisen, doch immer und überall sind ihm die Kleinen die liebsten. Gewiss, das majestätische Gleiten der Großen hat für ihn auch etwas. Doch es ist behäbig. Zu stolz. Irgendwie abgenutzt. Die Kleinen hingegen sind stetig unverbraucht. Immer flink, fließend und vor allem – das ist ihm am liebsten – immer anders. Stetigkeit ist ihm noch nie bekommen. Ihm stand der Sinn meist nach Spontanität. Nach Neuem. und nun steht ihm der Sinn nach ein wenig Musik.

„Müd‘.
Was’n das für’n Pfeif’n.
Hrm.
Sohn’mann hat Tür nich‘ gut zu g’macht.
Werd’ch ‚hn schimpf’n.
Aba nich‘ jetz‘.
Jetz‘ müd‘.
‚m Frühling.
V’leich‘.
Jetz‘ schlaf’n!“
Dachte er sich, als er kurz aufwachte,
sich umdrehte
und wieder in das dumpfe Reich seiner Träume abglitt.
Den Eingang verschloß er
kurzerhand
mit seinem pelzigen Rücken.

Ich liege auf dem Rücken im sterbenden Gras eines schneelosen, tristen Wintertages und wache auf. Es ist einer jener Tage, an denen es leicht fällt, sich seine Stimmung bildlich vorzustellen. Denn ich erlebe sie unmittelbar.

Der Winter, mild genug mich in seinen Armen schlafen zu lassen und mit seiner ärgsten Kälte zu verschonen.
Der Himmel, klar und heiter, mit spielerischer Eleganz die Welt umspannend.
Das allgegenwärtige Grau, welches die Zeit auslöscht und dem Tag eine beruhigende Unbestimmtheit gibt.
Und ich – mittendrin – auf den Köpfen dessen was einmal ein frischer neuer Rasen werden wird.

Die Macht von Diddl und Komparsen

Eigentlich sind es, nüchtern betrachtet, alles Zombies.
Halbtote, gammelige Wesen einer längst vergessenen Zeit, heute einem anderen Sinn zugeführt als sie haben sollten: tot zu sein.
Der ursprünglich veranschlagte Zweck, also die Belustigung und Verzückung kleiner Betamenschen (alles vor der Pubertät ist für mich in einer Testphase), ist bereits seit einer und einviertel Generation gestorben. Mindestens. Mehr wenn wir den Zuwachs frühreifer Mütter dazuziehen.

Wenn erwachsene Wesen beginnen kleine und große Plüschmäuse in Stiftform, Notizblöcken, Tassen und Karten zu sammeln,  weil es ja „ach so süß“ ist…
Wenn Menschen,  die in der Lage sind, sich selbst Gedanken zu machen einen jeden Einzeiler jedweden Kalender zu einem einzigartigen Zen-Satz erheben und als krisstaline Weisheit erachten…
Wenn Menschen, die gelernt haben Worte für das zu finden was sie denken, ihre Partner mit „ohne dich ist alles doof“ Merchandise überhäufen…

…fühle ich mich eines widerwilligen Respekts genötigt. Denn zu sehen, dass etwas derartig Banales wie eine Maus mit heftigen Missproportionen (der diesjährige Gewinner der „Miss Proportionen Wahl“ ist es bestimmt nicht) über Jahre, nachdem sie bereits fast vollkommen verschwunden war, doch irgendwo einen lebenden Wirt gefunden hat und ein fruchtbares, ertragreiches, wenn auch halbtotes Lehnen führen kann ist bemerkenswert.

Auf der einen Seite hat es etwas Makaberes, vor allem wenn man die inbrünstig infantile Art betrachtet, mit der die wunderbare Einzigartigkeit einer Massenware angebetet wird um ihr die verdiente letzte Ruhe zu verweigern.
Auf der anderen Seite ist es erhebend,  zu sehen mit welchem eiskalten Kalkül der Mensch den Sinn seiner Kreationen nehmen und verdrehen kann, damit sie seinem eigenen Zweck dienen.

Nahezu  Nekromantie.

Motivationen

Es ist Sieben Uhr fünfzehn auf den Punkt. Mein Wecker klingelt und sein leicht hämisches „brought this upon yourself, don’t try to bind this one on me “ (genialer „Tiger Lou“ Song) lässt mich noch mehr die Ironie der Situation spüren.
Es ist Viertel nach Sieben in der Früh und das an einem Sonntag. Ich stehe auf und erledige all dass, was eben morgens so ansteht. Dabei fällt mir auf, dass ich für diese unwirkliche Zeit (in meiner Lebenswelt kann man das mit 4 Uhr früh etwa vergleichen) relativ fit bin.
Was noch interessant zu erwähnen wäre… ich tue mir das freiwillig an. Es gibt keinen anderen Grund, als das ich von mir aus ohne Zwang gesagt habe, ich möchte heute bei einem Turnier aushelfen. Wo ich vielleicht nicht einmal viel spielen werde!
Wäre ich selbst vor einem Jahr auf mich zugekommen und hätte mir gesagt, in einem Jahr würde ich freiwillig soetwas tun, hätte ich, nicht nur wegen der Behauptung „ich bin Du aus der Zukunft“, vermutet mein Gegenüber wäre verrückt.
Motivare… sich bewegen. In the Latin. Aber wieso bewegen wir uns für manches so leichtfüßig und für anderes nicht? Nur an der „Lust“ kann es nicht liegen, denn gestern hatte ich, dezent formuliert, keinen Bock.
Sich bewegen… im Kopf? In einem Mix aus Kopf und Körper?
Oder war es nur eine dieser kurzen Schübe die dafür sorgen, dass ich nicht ganz untergehe und etwas lebe, das auch nach einem zweiten Blick wie ein Leben aussieht?

In jedem Fall sollte man Menschen öffentlich anprangern, die Turniere um solche Zeiten starten lassen.

Darstellungen (Kapitel 1)

Kapitel 1

Er war noch nie ein Mensch für Museen. Selten gab es eine Ausstellung, einen Künstler oder überhaupt ein Bild, von dem er sagen konnte: „das fesselt mich jetzt so stark, dass ich aus dem staunen nicht herausfinde“
Er war noch nie ein Mensch für die Künste gewesen, nein wirklich nicht. Die endlosen Debatten seiner Kollegen und Freunde (zu denen ich mich auch zählen konnte) über dieses oder jenes Bild, jene Kunstepoche oder was sie (wir) nicht noch alles fanden um sich (uns) gegenseitig im ihrem kulturellen Wissen zu messen, waren ihm derart zuwider, dass er durchaus auch mal den Raum verließ.
Er war wirklich kein Freund der Kunst. Nie gewesen und wollte es auch nie sein,  sah er doch überall in der Kunst nur Anstrengung. In der Beschäftigung mit derselben nur Profilierungssucht.

Um so mehr erstaunte es mich, als ich durch einen jener Kataloge – eines jener Schundblätter, das man immer in hochwertigeren Wartezimmern findet – blätterte und sein Gesicht neben der Überschrift eines Artikels über zeitgenössische Kunstkritik sah. Ich schaute zur Sicherheit noch einmal genauer hin; doch das feiste, leicht aufgequollene Gesicht, welches verkniffen durch eine Nickelbrille in die Kamera stierte blieb seines.

Ich kann mich heute nicht mehr an den Inhalt des Artikels erinnern,  es war nur ein weiterer jener Aufsätze, die Arbeitsplätze sichern und Wartezimmerwartezeiten erträglich machen. Das Interview schlecht geführt,  die Fragen nichtssagend und entsprechend leer beantwortet.
Ich weiß aber noch, dass ich noch in diesem Wartezimmer zu meinem Handy griff, ein Foto der Seite in diesem ABM-Katalog machte und es an seine Nummer schickte, betitelt mit dem einzigen, was mir dazu in diesem Moment einfiel:

„???“

Später am Abend kam seine Antwort in einem für unsre Kommunikation typischen Stil:

„Morgen Abend, 20 Uhr. Stammkneipe.“

Die Wartezeit bis zu dem Abend kam mir, unerklärlicherweise, länger vor als die Wartezeit auf den Arzt vom Vortag, länger sogar als der Rest der Woche. Es wunderte mich, dass mich diese Kleinigkeit so sehr beschäftige.  Wir sind früher Freunde gewesen; sehr gute sogar. Aber wie so oft im Leben hatte sich das nach einigen Jahren auseinander gelebt. Es musste bereits mehr als ein halbes Jahrzehnt her sein, dass wir uns das letzte mal gesprochen hatten. Noch ein paar Wochen länger hatten wir uns nicht gesehen.
Waren wir damals im Streit auseinander gegangen? War da zwischen uns etwas vorgefallen?
Es fiel mir keine Antwort ein, wieso die Verbindung, die uns lange bestimmt hatte, mit einem Mal fort war. Wahrscheinlich ist einfach nur das Leben passiert. Zeit ist ein hungriges Haustier und wer nicht aufpasst bemerkt nicht, wie es einem unbemerkt große Teile des Lebens abknabbert.
Es war für mich befremdlich, nun mit dieser Intensität über ihn nachzudenken – mich aus einem inneren Zwang dazu verpflichtet fühlte – obwohl er in den langen Jahren zuvor nicht im entferntesten in meinem Leben aufgetaucht war. Nicht aus Ablehnung oder Verdrängung, er hatte schlicht nach einem Akt des Theaterstücks „Mein Leben“ keine Rolle mehr gehabt und niemand hatte es bemerkt. Nun jedoch hatte er erneut einen Auftritt im Stück und ich merkte, wie wichtig seine Rolle vorher war, wie sehr er mich interessierte, ich ihn vielleicht sogar vermisste.

Raupe 2.0

Die Wolken ziehen heute eilig als dicke, feste Wattebällchen über den Himmel. Die Bäume, die ich durchs Fenster sehen kann, zittern beständig unter dem pfeifenden Wind und schwanken hin und her. Zumindest stelle ich mir vor, dass der Wind pfeift, denn hier drin, auf der Couch, höre ich nichts. Hier drin ist eine nahezu unnatürliche Stille, in der einzig meine Gedanken und die Worte, die diese Gedanken bilden Platz haben. Selbst das nahezu melidiöse Schnarren des Bohrers, mit dem einer der Mieter weiter unten die Wände töten will vermag nicht die Gedanken zu übertönen. Denn hier, auf der Couch, da haben sie Platz. Platz und Gesellschaft.

Ich liege auf der Couch, jenem recht bequemen Zentrum meines geistigen Lebens und beobachte, wie Vögel in mein Blickfeld taumeln. Ihr Kampf mit den Böen hat etwas kunstvolles, spielerisches und lässt mich schmunzeln. Mir, festgeklebt an den Boden, fällt das kämpfen schwerer. Sie taumeln in mein Blickfeld, dass ich mittlerweile nahezu auswendig kenne. Die vergammelten Fenster, die fast in einer Linie mit dem kahlen Schornstein enden, der aus dem roten Schindeldach hervorzubrechen scheint wie ein Gewülst. Die Bäume, die stellenweise so dicht sind, dass ich die dahinterliegenden Wolken nicht mehr erkennen kann, dann jedoch wieder Lücken aufweisen, ganz so wie ein rasierter Pudel. Für mich sind die Bäume schon längst Cheerleader meiner eigenen Überlegungen geworden und oft stelle ich mir vor, wie sie mich mit leeren Phrasen anfeuern, während ich auf der Couch bin und versuche Klarheiten zu gewinnen. Klarheiten über mich und die Dinge die mich niederdrücken, kämpfen lassen. Auf jener Couch, auf der ich Frieden finden kann.

Dunkle Wolken ziehen unter den weißen heran, noch eiliger und drängender im Tempo als ihre Vorgänger. Während sie die, nun fast gemächlich daherschreitend wirkenden, Wattebällchen verschlingen merke ich, dass ich nicht nur auf der Couch liege, sondern auch rede. Rede über mich und jene Dinge, die mich bewegen. Auf jener Couch, die mein Leben bewegt, auf der ich mein Leben bewege. Und so wie die zwei Armeen dort am Himmel um den Platz kämpfen, so ist auch mein Kopf in einem ewigen Gerangel gefangen, in dem dunkle Gedanken mit wolkigen Wattebällchen voller Euphorie um das Blau des eigenen Horizonts streiten.

„… Phase in der ich mich wie in einem Netz gefühlt habe. In das ich mich immer mehr verwickele; in dem ich immer weniger erkenne und gefangen werde……… Und dann ist mir aufgefallen, dass ich selbst dieses Netz spinne. Dass es so sein soll; ich  mich in einen Kokon hülle…. [längeres Schweigen]…. Vielleicht um mich vor mir selbst und meinen Gedanken zu schützen. Damit ich Zeit habe, mich zu verwandeln. Zu verändern….. Schönes Bild. Darüber werde ich heute – glaube ich – schreiben.“

Wie in einem guten Theaterstück beendet mein Satz die Szene und der Vorhang fällt. Anschließend schreite ich, noch immer beflügelt von der Schönheit des Bildes, des Konstrukts meiner eigenen Überlegungen, den noch immer eilenden Wolken hinterher, gedrängt durch die Gedanken, die sich in meinem Kopf schon zu Sätzen formen und ungeduldig darauf warten, niedergeschrieben zu werden. So lasse ich in meiner Ungeduld die Couch hinter mir zurück, die mein Leben bestimmt. Mein Leben bestimmt indem sie mir die Freiheit und den Raum gibt, mich selbst zu bestimmen und zu erkennen. Die Möglichkeit gibt mich selbst zu erkennen und das auch auszuhalten.

Wenn ich will.
Wann ich will.