Über das Wesen der Depression (Egoismus)

Ich trage seit einer Weile den Gedanken mit mir umher, einen längeren Text über Depression zu schreiben; aus der Sicht eines Betroffenen an jene die es nicht sind. Einer der nicht die Platitüden nennt die das Gegenüber zur Ruhe bringen, sondern versucht wahrlich ehrlich zu sein und die Gründe nennen will, die dazu führen. 

Wie das so ist mit so einem Unterfangen: es ist zu groß und ich vermeide es mich dem zu stellen. Darum nun als Episoden in denen ich mit einem Gegenüber rede/schreibe welchem ich mich zu erklären versuche…

Mitleid, Besserungswünsche und ähnliches sind nicht nötig: wer darüber schreiben kann, kann es auch alleine in sich tragen. 

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Depression ist egoistisch, okay? Daran kannst du nicht wirklich was ändern und noch weniger kannst du verstehen was ich damit meine, denn letztlich bist du ja nicht ich und ich… ich bin nicht mal ich selbst. Nicht wirklich; nicht ganz. Nicht so wie du… Jedenfalls ist sie egoistisch. Oh ja, das ist sie!

Ich habe noch zwei Stunden  und zweiundvierzig Minuten zu schlafen bevor ich aufstehen muss und sowas wie meinen Lebensunterhalt verdienen gehe. Vermutlich frage ich mich dann immer noch was zur Hölle ich mit meinem Leben anstelle. Aber es kümmert mich eigentlich nicht. Nicht genug. Denn mein Leben… das bin ja nicht ich. Nicht wirklich. Nicht in dem Sinne. Nicht im egoistischen.

In diesem Kreislauf aus Gedanken um mich selbst, in denen ich nicht ich selbst bin; mich von mir ausnehme, mich umdrehe und weitergehe; wieder umdrehe und mich um mich selbst drehen sehe… Kopfschütteln. Fassungslosigkeit. Aber zurück zum „Ich“.

Es ist so egoistisch depressiv zu sein und die Depression kümmert sich nicht um die Meinung die du oder jemand anderes davon hat. Auch nicht um meine Meinung zu ihr. Sie ist zu egoistisch um mehr zu hören als das, was sie immer wieder sagt. Auch wenn das niemand versteht, nicht du, nicht ich selbst; wer bin ich schon in meinen eigenen Gedanken. Ich bin nicht die Depression, wie sollte ich sie entschlüsseln können. Und doch bin ich sie, bin ich ich und damit das Ding, was da übrig bleibt nachdem alle Klarheit beseitigt und alle Wege verbaut sind. Das, was alles erkennt und sieht, den Lösungen beim sterben zuschaut und sich darin suhlt die Wege die noch übrig sind zerbröckeln zu sehen. Denn sie hat es ja nicht anders gesagt; das Scheitern prophezeit. Und was interessiert es überhaupt, denn es geht ja nicht um mich. Um dich. Um sie.

Denn wir sind egoistisch. Im Leid und im Scheitern. Ob wir wollen oder nicht.

Zurück zum Ich. Ich bin egoistisch. Im Leid und im Scheitern. Denn das ist das Eine was gilt; ob gerecht oder fair oder positiv oder Alles andere: egal. Egal. Dreimal egal!

Die Depression – und damit ich, auch wenn nicht ich es bin oder sein will – ist egoistisch.

„Wenn der Leidensdruck zu groß wird änderst du was“ ist eine nette Überlegung. . . Wenn das Leiden nur nicht so weit weg und damit egal wäre. Wenn die Depression es nicht einfach herunterschlucken würde und lediglich als Kratzen im Hals zurücklassen würde.

Zu resistent um einzugehen, nicht genug um zu wachsen. Ich habe noch zwei Stunden und vierundzwanzig Minuten.

Warum tue ich mir das an?!

5 Kommentare zu “Über das Wesen der Depression (Egoismus)

  1. Ist es egoistisch depressiv zu sein, bzw eine Depression zu haben?
    Ich bin die Tochter eines Schwerdepressiven, der nur mit starken Psychopharmaka überleben kann und konnte. Mit den Tabletten geht es ihm gut. Depression ist eine Krankheit und sie wirft jene, die ihr ausgesetzt sind auf sich selsbt zurück. Sie kann sehr einsam machen, aber sie ist glücklicherweise behandelbar. Darüber zu sprechen ist eine gute Entscheidung und ein Schritt aus der Dunkelheit, glaube ich.
    Ich wünsche Dir das Allerbeste udn viel Licht.

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      • Vermutlich. Egoismus ist leider sehr negativ konotiert. Es hat auch was Gutes bei sich zu sein und bei sich zu bleiben, solange das Umsichkreisen und Insichfeststecken keinen Schaden verursacht.
        Ich will Dich keinesfalls nicht belehren. ich wünsche Dir einfach alles Gute und die leichtfüßigste Chemie des Fühlens, ohne Einbuße der Dir eigenen Tiefe.

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      • Ich fühle mich nicht belehrt, im Gegenteil 🙂
        Wie ist das mit der Krankheit und der Person? Identifiziere ich mich mit mir selbst – „dem depressiven CenSay“? – spannende Überlegung und denke ich auch ein Schlüssel zum Verständnis. Mehr dazu dann gesondert 😉

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