Eine halbe Stunde

Magst du Fehler?

Hinter kleinen Fragen stehen oft große Herausforderungen an unsere Weltvorstellungen. So in etwa waren meine ersten drei Minuten schon vorbei, die man mir gegeben hatte, um über diese Frage nachzudenken. Ich haderte. Damit, welcher Natur die Fehler zu sein hatten um einer generellen Antwort gerecht zu werden; damit, wie sie zufriedenstellend gesammelt und bewertet werden könnten.
Dabei schossen um mich herum schon eine Unmengen an Antworten herum! Laute Flüche wurden laut, als keine Resultate folgten; Wehklagen als keine Erlösung durch die Worte eintrat. Heftige Debatten wurden geführt, mit jener nach Aufmerksamkeit gierenden Heuchelei, in der weder Worte noch Sinn einen Platz finden. Streit entbrannte dort, wo man sich der Aufmerksamkeit sicher war oder sie zu verlieren meinte.
Nach dem zeternden Geschrei, dem rauschenden Toben und der aufgedrehten Hektik folgte – wie meist in unserer Zeit – eine lähmende Stille. Und in dieser Stille, so weiß ich heute, steckt doch immer erst der Anfang eines Gedanken.

Mag ich Fehler?

Darüber nachzudenken bringt mich in eine schwere Krise, wenn ich an erster Stelle anhalte. Dort, so drängt es sich mir fast zwanghaft auf, verabscheue ich Fehler.

Fehler sind es, die mich hierher gebracht haben. Fehler sind es, die „hier“ notwendig machen. Fehler… sind einiges, jedoch selten gut.

Eigentlich.

Fehler sind, was mich einzigartig macht. Fehler sind, was mir zeigt, wo ich wachsen kann. Fehler… sind eine Frage des Standpunktes.

Im eigentlichen Sinne ist an Fehlern wenig Gutes, verkörpern Sie doch die Abweichung von einem Optimum. Wenn ich also gefragt werde, ob ich Fehler mag; so frage ich mich:

Mag ich das Optimum nicht?

Das Optimum, wie sollte es auch anders sein, ist ein schwer zu greifendes Ding und einem Jeden eigenes Ding. Meines unterscheidet sich von dem Deinen und dieses wieder von denen Anderer. Hierin selbst kann man schon die Antwort sehen. Denn wenn ich kein gemeinsames Optimum entdecken kann, so sind Fehler unabdingbar immanent in den Gedanken, Aktionen und allem überhaupt.

Klingt mir zu einfach.

Ist die Akzeptanz der Abwesenheit eines möglichen Optimums schon eine zwingend vorhandene Anwesenheit von Fehlern und, damit einhergehen, eine Vorliebe für Dieselbigen (wenn man nicht in totaler Ablehnung des Lebens verharrt oder das Leben nicht nehmen will wie es sich einem präsentiert)? Oder anders:

Mag ich Fehler, weil ich das Optimum nicht erreiche?

Eine Unebenheit in der Perfektion kann ein Gegenüber erst interessant machen. Glatte, haltlose Perfektion (selbst wenn erreichbar), kann langweilen. Das Musikstück wird an jenem Punkt interessant, an dem es nicht nur unserem Geschmack entspricht, sondern auch Fehler enthält. Zu einem Unikat wird. Das Gesicht mit der leicht krummen Nase kann dennoch für das innere Auge perfekt erscheinen. Ich kann also auch fragen:

Muss ich Fehler nicht eigentlich mögen?

Wie man die Frage auch stellt, die Antwort ist mir stets ein klares JEIN. Es gibt Fehler, die mein Leben bereichern, die unerlässlich sind und die ich nicht missen möchte. Aber es gibt ebenso Fehler, die ich gerne los wäre, denen ich niemals begegnet wäre oder die ich gern an- und abstellen könnte wie ich möchte.

Aber so, wie du sie gemeint hast:

Ja. Ich mag sie und die Herausforderung.

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