The insurmountable Insanity of Vanity

Auf der Überholspur meines Lebens kann ich auch mal kurz innehalten um jemand vorzulassen, denke ich während ich in der Masse der arbeitenden und zu beschulenden Bevölkerung von S-Bahn zu U-Bahn zwockel. An der Rolltreppe bin ich auf der Seite gelandet auf der man eben weitergeht – komme was wolle und zwar schnell denn wo kommen wir sonst hin; eben nirgends hin und wer will das schon -, als überraschend ein, gänzlich unpassend rebellierend, weniger artiger Mitbürger aus seiner Spur der Lauffaulen, der nichtsnützigen Müßiggänger – der Spur des Stillstandes und Todes. Welch wonnige Sehnsucht mich nach ihr in diesem Moment packt! – ausbricht und mich vor die Wahl stellt: Konfrontation und durchziehen, mein Tempo halten und seine Leiche herausfordern über welche ich anschließend mit stolzgeschwellter Brust schreiten könnte; oder aber innehalten – kurz nur, quasi den kleinsten Bruchteil eines Lebens, aufhören voranzuschreiten und damit zurückfallen in prä-existentielle Urzustände – und auf ewig ob der unendlichen Güte meines unermesslichen Verzichts aufzusteigen in der unablässigen Rangelei um die besten Plätze auf der huldvollen Liste der besten Menschen. Der Allerbesten!

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„You are one confused person, aren’t you?“
„Nah, not really.“

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Mein Hirn muss vermutlich kurz ausgesetzt haben als ich dem verzweifelten Treiben der Hummel zuschaue, die sich zwischen der Doppelverlasung des Altbaus meiner Arbeit eingesperrt hat. Ich starre eine vermutlich ungebührlich lange Zeit auf das kleine Vieh, wie es im Kampf gegen eine unsichtbare Kraft immer und immer wieder anfliegt; vielleicht zunehmend verzweifelter und berauscht von der bizarren Hoffnung irgendwie doch noch zu entkommen; vielleicht zunehmend stoisch und besessen von der fatalistischen Gewissheit es irgendwie nicht lassen zu können. Vor mir spielt sich im Mikrokosmos ab, was mich vielleicht umgeben würde, könnte ich es wahrnehmen; würde ich die Kräfte erahnen die an mir zupfen und zerren und mich an-, ab- und umtreiben.
But alas – wie ich gerne mit dem Weltschmerz eines vom Leben gebeutelten Eremiten von mir gebe, dessen einzige Erkenntnis doch nur die Vergänglichkeit der Erkenntnis ist – … aber LEIDER – denn auf dem alas liegt der Impuls des Leidens – kann ich dieser Kräfte nicht gewahr werden und verbleibe das lyrische Ungeziefer im Käfig meines eigenen Zimmers, grotesk verwandelt und befremdlicherweise einzig um die Wahrung des eigenen, verdrießlichen Alltags bedacht. Lediglich mein Scharren mag weniger angestrengt wirken, verträume ich meinen Tag doch an dem Flügelschlag eines pelzbeinigen Sisyphos und vergesse darüber die stetige Optimierung meines von der Gesellschaft geknechteten Ichs.

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You seem very confused with who you are.“
„But I am not…. So maybe yes, I am confused. But I integrated the ambiguity of my own little vain self into myself.“

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Die Uhr – pompös groß, mit der Spitze ihres billigen Plastikrunds auf einer blättrig weiß lakierten Fensterbank ruhend in einem Zimmer, welches die Herrlichkeit damaliger Internate erspüren lässt – tickt leise vor sich her, Symbol der streng geprüft und bemessenen Zeit die vergeht; vielleicht auch sie zunehmend verzweifelt oder stoisch, wer vermag es schon zu sagen; wer sich zum Meister der Zeit aufschwingen und mit der Illusion des Verständnisses bekleiden, die der Kaiser vorher schon schamvoll berührt abgelegt hatte.
Die Seite eines Buches – vermutlich eine Schmonzette der Untiefen dessen was sich Jugendliteratur schimpft und den Abschriften alter Blaupausen durch die Mönche des Mittelalters gleichkommt – wird umgeblättert, scharrt laut auf jene Art durch den Raum, die ein kleines Geräusch in der es umgebenden Stille zur Maxime des möglichen Lärms werden lässt und in unserem Ohr eine fokalen Kakophonie bildet, was als Satz zwar schön kingt aber in der Nebensache ausreichend störend auf die Konzentration wirkt. Auch das Rauschen im Sumpf der Zeit, oder gurgeln im Schaum der Wellen; die Bagatelle persiflieren und das Joch der Gleichmäßigkeit durchbrechen.

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„That still seems pretty confused.“
„Yeah it is. But it’s all part of the plan.“

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„Wenn man kein Geld hat, dann ist man ein Nichts!“ war ihr Satz, der für Sie inbrünstigs Bekenntnis nicht nur ihres Selbst, sondern ihrer ganzen Generation – glaubte ich Ihren Worten – darstellt. Unverständnis umschwirrt sie wie behäbige, glitzernde Fliegen bei meiner Antwort und sie wird mit der unabdingbaren Brillianz ihres unfertigen, in sich (blind)schlüssigen Weltbildes fundamental abgelehnt; ganz Mensch ihres Alters – Beta-Menschen, noch aus der Testphase des Lebens zu erwachsen – und damit erfrischend ehrlich im dissonanten Dialog der zwischen uns entsteht. Rudimentär zu erklären war mir heute schon genug, die angehende geistige Elite kann sich alleine in der Welt zurechtfinden – beschließe ich und begebe mich anschließend dennoch in die Diskussion.
Hoffnung ist wo wir sie schaffen.

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„So you want to be confused?“
„It’s not about if I want to, it’s that we have to.“

 

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Es gibt generell zwei Arten von Menschen: jene die sich bedanken wenn jemand Ihnen die Tür aufhält und jene die sich dadurch in ihren eingebildeten Geflecht von Gleichberechtigung verletzt sehen, denke ich während ich die Treppen einer anderen S-Bahn-Station herabschlendere; wesentlich später am Tag, nur unwesentlich wacher in dem Strom der abgearbeiteten und fertig beschulten Bevölkerung, welche durch einen Pulk aus zig Kinderwagen  auf einen belustigenden Slalomkurs gezwungen wird – ich kann das während meines nahezu fabelhaften Abstiegs wunderbar überblicken und mich königlich darüber erheben; ein Widerstreit unendlicher Größe innerhalb der winzigen Passform meines Daseins. Individuell in der Welt meines eigenen Ichs und doch, bekleidet oder nicht nach den Vorlagen der inneren Modedesigner, ein Nichts wie alle anderen: emsig ausbrechend aus meinen Spuren, stoisch-hoffnungsvoll anflatternd gegen lenkende Kräfte und leise an meinem Leben entlangtickend.

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Maybe that’s the start of a maniacs thoughts about enlightenment…
Bewegte, tumultige Gedankenzeiten; Poesie umgibt mich wie faulige Pomade.

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2 Kommentare zu “The insurmountable Insanity of Vanity

  1. Ich bin Deinen Gedanken gerne gefolgt.

    Eine gute Freundin fühlte sich auch jahrelang dskriminiert, wenn Männer ihr die Tür aufhielten oder in den Mantel helfen wollten. ich mag das ja.

    Das Bild der fauligen Pomade ist merkwürdig schief. Ein interessanter Abschluss.

    • Das freut mich, ich nehme dich immer wieder gerne mit. 🙂

      Das ist dann jedoch das Egoptoblem der Freundin und soll auch ihres bleiben. Intendiert ist es, zumindest meinerseits, anders.

      Die Worte häuften sich zunehmend, fast ward mir aristokratische Herrlichkeit zuwahr. Ergo Pomade, ergo faulig ob der fehlenden Bereinigung wie es so Sitte war.
      Ich mag mich nicht immer wenn ich so schwülstig bin.

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